1.Etappe des GR221: Von Port d´Andratx über St.Elm bis hinter La Trapa

Blick auf die St.Elm vorgelagerte Insel Sa Dragonera vom GR221 aus

Bereits die 1.Etappe des GR221 verschlägt mir den Atem – im wahrsten Sinne des Wortes! Bereits kurz hinter Port d´Andratx geht es ein erstes Mal nach oben. Aber schon nach den ersten Minuten nimmt mich der Weg gefangen. So viel Natur, so viel Meer – endlich geht es los!

Die 1.Etappe des GR221

Die 1.Etappe des GR221 ist eigentlich eine recht ruhige Tour. Man will fast meinen, um erstmal rein zu kommen. Rein zu kommen in den Trott des Wanderns. Denn diese Zeit brauche ich immer. Ich quäle mich generell durch die erste halbe Stunde – egal wo ich wandere – bis ich meinen eigenen Trott finde. Und auch hier ist es nicht anders. Nachdem wir den Bus in Palma quasi in letzter Sekunde bekommen hatten (und uns die Zungen an zu heißem Kaffee verbrannt hatten! Diesen hatten wir gerade frisch erworben, aber leider sind heiße Getränke im Bus nicht erlaubt und wir mussten ihn so schnell wie möglich trinken, quasi ein Ding der Unmöglichkeit), ging es in knapp einer Stunde von der Inselhauptstadt zum Startort des GR221.

Steinmännchen auf der 1.Etappe des GR221

In Port d´Andratx angekommen machen wir erstmal die Jacken zu, tatsächlich ist es so früh am morgen noch recht frisch. Nachdem wir noch einen Supermarkt für frisches Wasser aufgesucht hatten, ging es endlich auf den Weg! Unser erstes Ziel hieß St.Elm und sollte knapp 7,7 Kilometer entfernt sein.

Von Port d´Andratx nach St.Elm

Nachdem es für gut eine halbe Stunde stetig bergauf ging, haben wir schon mal einen guten Eindruck davon bekommen, was uns die nächsten Tage wohl erwarten wird. Dabei erreichen wir auf dieser Etappe gerade mal die 300 Meter Marke. Es ist ein erstes Gefühl von der Insel und dem Tramuntana Gebirge, welches in der Ferne auf uns wartet. Zwischendurch können wir immer mal wieder einen Blick auf das herrliche blaue Meer werfen. Aber es ist nicht nur das Meer, welches mich fasziniert. Es ist auch die Vegetation. Obwohl hier die Pflanzenwelt so karg scheint, hat sie doch ihren ganz eigenen Reichtum. Gerade jetzt im Frühjahr blühen viele dieser Pflanzen und es sieht einfach wunderschön aus.

Blick auf den Leuchtturm von Sa Dragonera auf der 1.Etappe des GR221

Nachdem wir das erstmal die Insel Sa Dragonera erspähen, wissen wir, St.Elm kann nicht mehr fern sein. Denn diese kleine Insel ist dem Ort vorgelagert und erinnert tatsächlich an einen schlafenden Drachen. Nach einem letzten steilen Abstieg, landen wir auch in der Ortschaft. Mir gefällt St.Elm auf Anhieb gut. Zwar gibt es hier natürlich auch Hotels und Pensionen, aber keine großen Betonklotze und der Ort hat seinen eigenen Charme. Es ist auch einer der wenigen Stellen auf dem GR221, wo man tatsächlich baden kann. Wir entscheiden uns dagegen und suchen erstmal einen kleinen Supermarkt auf. Bereits jetzt scheinen wir völlig ausgehungert (das scheint so eine Wandererkrankheit zu sein…)! Wir schnappen uns Brot, frischen Schinken und Käse, etwas Obst, natürlich Wasser und Schokoriegel. Unsere Einkäufe tragen wir dann noch zum kleinen Bootsanleger, eher wir darüber herfallen.

St.Elm auf der 1.Etappe des GR221

Boot nach Sa Dragonera und St.Elm

An diesem Bootsanleger halten auch Schiffe, die Interessierte rüber nach Sa Dragonera bringen. Diese Insel steht unter Naturschutz und man kann sie auf Wanderwegen erkunden. Wir verspeisen also vergnügt unser Mittag, während wir dem Treiben zuschauen. Bereits hier begegnen uns auch zahlreiche Radfahrer_Innen, die gerade im Frühjahr zum Trainieren auf die Insel kommen. 

La Trapa – ein Besuch bei den Überresten der Trappistenmönchen

Da es noch recht früh am Tag ist und am nächsten knapp 26 Kilometer anstehen, entscheiden wir uns noch weiter zu gehen. Unser Ziel heißt La Trapa. In diesem Kloster haben früher Trappistenmönche gelebt, die in mühevoller Arbeit die Gebäude und umliegenden Terrassen erbaut haben. Heute kann man ganz offiziell zwischen den alten Mauern nächtigen und auch ein Refugi ist geplant. 

Wieder mal – wie sollte es auch anders sein und ich fange schon mal an mich mit dem ständigen auf anzufreunden – geht es direkt hinter dem Ort wieder steil bergauf. War der Weg von Port
d´Andratx noch mit Steinmännchen gut markiert, verlieren wir hier kurz die Orientierung. Der Wanderführer weist zum Glück darauf hin, sich links zu halten und so finden wir auch den Weg. Sobald wir den Wald verlassen, haben wir einen grandiosen Blick auf Sa Dragonera. Sowieso gefällt mir das Plateau ungemein und schon sind die Strapazen wieder vergessen.

Blick auf das Kloster La Trapa auf der 1.Etappe des GR221

Bald lässt sich auch La Trapa erspähen und wir betreten das angrenzende Naturschutzgebiet. Ich genieße die Sicht über das Kloster sehr und umso spannender ist es, es wenige Minuten später selbst erkunden zu können. Hinter den Gebäuden, Richtung Meer, gibt es zwei Terrassen. Dort lassen wir uns nieder und Ruhen uns eine Weile aus. Eigentlich sollte auch dies unser Nachtlager werden, aber es ist gerade mal 16 Uhr und wir haben immer noch Zeit weiter zu gehen.

Der schönste Zeltplatz der Welt!

Ich bin zwar schon sehr kaputt, aber nach einer Stunde Ruhe und einem Riegel geht es langsam wieder besser. Sowieso ist es erstaunlich zu sehen und zu fühlen, wie schnell sich der Körper noch regeneriert. Denke ich den einen Abend noch, ich gehe nie wieder auch nur einen Schritt, ist am nächsten Tag alles wieder okay.

In meinen Augen gehört die Wanderung von La Trapa, am Puig de ses Basses vorbei, bis zur Finca Ses Fontanelles mit zu den schönsten Abschnitten des GR221. Das Hochplateau hinter La Trapa ist wirklich einzigartig und mir fällt es schwer, diese karge Schönheit im goldenen Licht der Nachmittagssonne treffend zu beschreiben. Trotz all dieser Schönheit werden uns jetzt wirklich langsam die Füße schwer. 

Zeltplatz auf der 1.Etappe des GR221Aussicht auf der 1.Etappe des GR221Kurz hinter dem großen Steinhaufen unterhalb des Puig de ses Basses finden wir die perfekte Stelle fürs Zelt! Eine wahnsinnige Aussicht gepaart mit Grasboden, ist für uns ideal. Was wir leider nicht bedenken ist, dass es hier oben ordentlich windig sein kann und die Nacht dadurch eher laut war. Dafür haben Sonnenuntergang und -aufgang mehr als entschädigt, aber das ist eine andere Geschichte.

Steinhaufen auf der 1.Etappe des GR221

Der große Steinhaufen

Hier gehts zum ersten Teil der Serie über den GR221. In diesem erkläre ich dir, was ich eingepackt habe und wie wir nach Mallorca gekommen sind.

Ein paar Fakten zur 1.Etappe des GR221

Kilometer: Bis St.Elm sind 7,7 Kilometer und bis zu unserem Schlafplatz nochmal ca. 5 Kilometer, also insgesamt 13,7 Kilometer.

Höhenmeter: Bis St.Elm 330m hoch und genauso viele wieder runter, bis zum Schlafplatz ca. 450m bergauf.

Orientierung: Der Weg ist größtenteils nicht ausgeschildert, sonder sehr gut durch Steinmännchen und -pfeile gekennzeichnet. Ab La Trapa gibt es auch Schilder. Zusätzlich hatten wir immer GPS, die Karte von Map.Solutions* und den Wanderführer aus dem Conrad Stein Verlag*. Damit hat die Navigation wunderbar funktioniert.

Übernachtung: In St.Elm gibt es viele Übernachtungsmöglichkeiten, außerdem darf man offiziell zwischen den Ruinen bei La Trapa übernachten und hoffentlich eröffnet auch bald das Refugi dort. 

3+

6 Kommentare

  1. Was für ein Abenteuer! Ich wäre auch ganz schön fertig gewesen. Es ist doch was ganz anderes als wenn man in der Heimat am Wochenende wandern geht. Aber die Ausblicke und das was man da Tag für Tag leistet sind unvergesslich. An solche Erlebnisse wird man sich sein ganzes Leben erinnern. Liebe Grüße!

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    • lieschenradieschen

      Da kann ich dir nur in allen Punkten zustimmen. Es war ein großartiges Abenteuer 🙂
      Liebe Grüße

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