6.Etappe des GR221: von Rosmarin, Schafen und einem Abschied

Steinmauer auf dem höchsten Punkt der 6.Etappe des GR221

Wir wandern durch ein blühendes Feld aus Rosmarin und ich kann mich kaum satt riechen an dem wunderbaren Duft. Mit der 6.Etappe des GR221 liegt der letzte, anspruchsvolle Weg für uns. Ich werde etwas wehmütig, wenn ich daran denke, dass wir bald Mallorca und unsere neuen Freunde verlassen müssen.

6.Etappe des GR221 – der frühe Vogel fängt den Wurm

Weil unsere leicht verrückten (natürlich nur im positiven Sinne!) mallorquinischen Freunde noch am selben Tag bis Pollenca gehen wollen, beginnen wir den Tag recht früh. Als wir verschlafen aus dem Zelt kriechen, brennt schon wieder das Lagerfeuer und zu einem wärmenden Kaffee versammeln wir uns davor. In der Nacht war es recht kalt und etwas geregnet hat es leider auch. Am Morgen war davon aber nichts mehr zu merken und zusammen mit den ersten Sonnenstrahlen haben wir uns ebenfalls auf den Weg gemacht. 

An der Quelle Font des Prat haben wir noch einmal unser Wasser aufgefüllt und dann ging es wieder steil bergauf. Dieses Mal wollte ich mir von keinem das Tempo vorgeben lassen, sondern habe meinen eigenen Tritt gefunden und konnte so die Schönheit des Weges genießen.

Blühender Rosmarin auf der 6.Etappe des GR221

Auf halber Strecke zum Coll des Prat, dem höchsten Punkt unserer Reise überhaupt, haben wir ein Mutter-Tochter-Gespann aus Hamburg getroffen. Vor allem mit der Tochter habe ich mich gut unterhalten und so hat sie mir den anstrengenden Weg nach oben etwas versüßt. In diesem Sinne noch mal ein großes Dankeschön und falls ihr das zufällig lesen solltet, meldet euch doch mal, ob ihr gut in Lluc angekommen seid? Denn das Klosert Lluc war an diesem Tag ebenfalls unser Ziel.

Ein Feld aus Rosmarin und der höchste Punkt des GR221

Irgendwann habe ich die beiden Wandererinnen hinter mir gelassen und bin bis zum Coll alleine gegangen. Eine herrliche Erfahrung für mich, denn alleine bin ich noch nie gewandert. Auch wenn ich wusste das jemand hinter und vor mir ist, hatte ich das Tal ganz für mich alleine. Ich bin immer wieder stehen geblieben und habe mich an dem blühenden Rosmarin rings um mich herum erfreut. Leider – oder zum Glück, denn sonst wäre es sehr heiß geworden – hat die Sonne das Tal noch nicht erreicht und die Farben der blauen Blüten kommt auf den Fotos nicht so rüber, wie es in der Realität war.

Steinmännchen auf der 6.Etappe des GR221

So bin ich dann relativ entspannt auf dem Coll des Prat  angekommen, auch wenn der Aufstieg natürlich wie immer sehr anstregend war. Dort oben war die Aussicht wunderschön! Hinter uns lag das Hochplateau und der Puig Major und vor uns, noch in Wolken gehüllt, die Bucht von Pollenca, die unser morgiges Ziel sein soll. 

Aussicht auf dem Coll des Prat auf der 6.Etappe des GR221

Hier oben auf dem Pass geht ein kalter Wind und wir machen nur eine kurze Pause, ehe es immer steil bergab nach Lluc geht. Leider hat Núria wieder starke Knieschmerzen und der Abstieg wird für sie zu einer echten Qual. Aber auch wir quälen uns den Berg runter. Der erste Teil ist noch wunderschön. Schafe verfolgen interessiert unserem Weg und fragen sich sicherlich, was die komischen Zweibeiner dort machen. Auch sieht man noch viele Überreste von menschlichen Spuren. So haben dort früher Menschen den Schnee gesammelt und bis in den Sommer hinein gelagert, wirklich beeindruckend!

Schafe auf der 6.Etappe des GR221

Überreste einer Schneehütte auf der 6.Etappe des GR221

Sobald allerdings die Baumgrenze beginnt, macht es keinen Spaß mehr. Der Weg bietet wenig fürs Auge und wir müssen uns sehr konzentrieren, auf dem Weg nicht auszurutschen. Umso erleichterter sind wir, als wir endlich in Lluc ankommen.

Absteig zum Kloster Lluc auf der 6.Etappe des GR221

Es heißt Abschied nehmen

Auch wird das Wetter langsam schlechter und das erstmal überhaupt auf dem GR221 ist es nicht mehr so schön sonnig. Wir finden kurz vor dem Kloster Zuflucht in einem kleinen Bistro und bestellen erstmal Getränke. Mir ist klar, eigentlich haben wir den Weg schon hinter uns. Wir haben die härtesten Anstiege geschafft und morgen ist nur noch Metern angesagt. Wir stoßen alle an und der Abschied wird unvermeidlich. Núria und ihr Freund lassen sich abholen, das sie mit ihrem Knie keinen Zentimeter mehr gehen kann. Wir verabreden uns für den übernächsten Tag in Palma und ich freue mich schon sehr, die beiden wieder zu sehen. Die anderen beiden Mallorquiner gehen tatsächlich noch weiter und müssen ebenfalls aufbrechen, um den Weg noch zu schaffen.

Kloster Lluc auf der 6.Etappe des GR221

Es ist ein komisches Gefühl wieder alleine zu sein. Gleichermaßen freue ich mich aber auch darauf, den Weg den wir zusammen begonnen haben, auch zusammen zu beenden. Da mein Freund und ich noch relativ fit sind beschließen wir, nach einer kleinen Sightseeing Tour im Kloster, noch weiter zu gehen.

Die 6.Etappe des GR221 führt uns dann schließlich noch gut 5 Kilometer hinter Lluc, ehe wir unser Nachtlager aufschlagen. Wir sind beide etwas wehmütig, denn es ist unsere letzte Nacht im Zelt. Umgeben von Steineichen, auf einem ehemaligen Köhlerplatz, lassen wir die letzten Tage Revue passieren. Obwohl es nur 6 Tage waren, fühlt es sich an wie eine halbe Ewigkeit. Der Weg hat uns wunderbar entschleunigt und wir wissen, so etwas wollen wir häufiger machen!

Wanderweg auf der 6.Etappe des GR221

Unser Zeltplatz auf der 6.Etappe des GR221

Ein paar Fakten zur 6.Etappe des GR221

Kilometer: Von unserem Nachtlager an der Font des Prat sind es bis nach Lluc knapp 13,6 Kilometer. Anschließend sind wir nochmal gut 5 Kilometer gegangen und haben hinter der Finca Binifaldó geschlafen.

Höhenmeter: Die Font des Prat befindet sich bereits auf knapp 750 Meter, von dort sind wir aber nochmal auf den ca. 1200 Meter hohen Coll des Prat aufgestiegen. Lluc wiederum liegt auf knapp 500 Meter Höhe. Alles in allem ging es 835 Meter hoch und 881 Meter runter. Bis zu unserem Schlafplatz sind wir dann nochmal gemütliche 300 Meter angestiegen.

Orientierung: Auf der 6.Etappe des GR221 findet man eine komplette Beschilderung des Weges. Zusätzlich hatten wir immer GPS, die Karte von Map.Solutions* und den Wanderführer aus dem Conrad Stein Verlag*. Damit hat die Navigation wunderbar funktioniert.

Übernachtung: In Lluc gibt es – das erste Mal auf dem Weg – einen Campingplatz. Wir haben uns dagegen entschieden, denn es hätte kein warmes Wasser für die Duschen gegeben und insgesamt war es uns auch zu voll. Außerdem gibt es in Lluc auch ein Refugi. Das Refugi Son Amer ist es etwas außerhalb und wohl sehr schön gelegen.

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