Bushmans Walk in Namibia: eine moderne Reise in die Vergangenheit

Ebene des Namib Rand Naturereserve auf dem Bushmans Walk

Wir brausen über die staubigen, namibischen Straßen. Plötzlich bremst unser Fahrer abrupt ab, fährt ein gutes Stück rückwärts, ehe er auf einen kleinen Pfad abbiegt. Kein Wunder das er ihn übersehen hat! Nur zwei paar Schuhe über einem kleinen Gestell wehen leicht im Wind und markieren die Einfahrt zum Grundstück. Hier sollen wir also die nächste Nacht verbringen. Noch mehr als auf die Ruhe freue ich mich allerdings auf den angekündigten Bushmans Walk. 

Eine aufregende Nacht und ein noch aufregender Morgen

Die San sind ein Volk die im südlichen Afrika beheimatet sind und auch heute noch zum Teil sehr traditionell Leben. Wir sind die Nacht im Bushmans Camp am Rande der Namib-Wüste untergekommen. Eigentlich wollten wir alle draußen schlafen. Nachdem ich am Lagerfeuer allerdings den einen oder anderen Skorpion gesehen hatte und dann im dunkeln Geräusche einfach nicht zu definieren sind, habe ich mich aus Angst ins Zelt zurück gezogen. Ich Großsstadtkind! Dafür konnte ich am nächsten Morgen früh aufstehen und erhohlt den Bushmans Walk genießen.

Der Bushmans Walk beginnt

Ich weiß das es Streitigkeiten wegen der korrekten Bezeichnung für die Völkergruppe der San gibt. Da sich unser Guide Francis, selbst als Bushman bezeichnet hat, werde ich ebenfalls dabei bleiben. Als sich Francis uns vorstellt verspüre ich sofort Erleichterung. Mir graut es ehrlich gesagt immer etwas davor, das Menschen nur für Besucher ihre traditionelle Kleidung anziehen und dann vor einem Singen und Feuer machen. Francis entpuppte sich aber als total normaler Kerl, wie du und ich, der eben nur ein bisschen viel mehr über die Wüst weiß, als wir alle zusammen.

Francis-der-Guide-auf-dem-Bushmans-Walk

Die Wüste lebt

Zunächst fahren wir mit einem offenen Geländewagen etwas in die Namib rein. Hier sind die Dünen noch sanft und von kleinen Gräsern bewachsen. Diese wiegen sich sanft im Wind und die Postkartenidylle ist perfekt, als noch eine Herde von Oryxen auftaucht. Francis stellt den Motor ab und wir haben Zeit, diese wunderschönen Tiere zu beobachten. Zwischen den Erwachsenen, tollen auch 2-3 jüngere, noch ganz braune,Kälber. Nachdem wir einige Zeit so standen und sich beide Parteien angeschaut hatten, wenden sich die Oryxe ab. Sobald sie langsam verschwinden, startet Francis auch wieder den Motor.

Herde-von-Oryxen-in-der-Namib- Zwei-Oryxe-in-der-Namib

Wir fahren noch etwas über das Gelände, ehe der Wagen ein zweites Mal zum stehen kommt. Dieses Mal stehen wir auf einer der roten Dünen und dürfen auch aussteigen.

Der Bush als Klassenzimmer

Was dann folgte war einfach unbeschreiblich. Francis konnte wie in einer Zeitung aus den Spuren im Sand lesen. “Hier ist ein Käfer gekrochen, dort hat der Gecko angefangen zu rennen, etc.” Er hat eine Spinnenhöhle entdeckt, die ich allenfalls für einen kleinen Sandhügel gehalten hätte. Natürlich musste diese auch ausgegraben werden. Bei meiner Angst vor den 8-beinigen Lebewesen, habe ich mich erstmal hinter meinen Mitreisenden versteckt. So schlimm sah die Spinne allerdings gar nicht aus. Eigentlich sah sie sogar ganz niedlich aus, mit ihrem ärgerlichen Gesichtsausdruck (wenn man bei Spinnen davon spreche kann). Fast so als wolle sie uns fragen, was das bitte soll, dass sie nun hier ausgegraben wurde.

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Francis-zeigt-uns-einen-Käfer-auf-dem-Bushmans-Walk Francis-zeigt-uns-ein-Spinnennest-auf-dem-Bushmans-Walk

Spinne im Namib Rand Nature Reserve gesehen auf einem guided Bushmans Walk

Besonders faszinierend fand ich allerdings die Erzählungen zu Francis uns seiner Vergangenheit. Im Zuge der Apartheid wurden die San Kinder von ihren Eltern getrennt. So sind die Eltern von Francis gänzlich ohne das alte Wissen aufgewachsen. Erst durch den Großvater von Francis, hat dieser wieder alles erlernt. Mittlerweile kann er in der Wüste überleben. Anhand der Form der Dünen kann er erkennen, in welche Himmelsrichtung er läuft. Dies hängt mit unterschiedlichen Winden zusammen, die je nach Jahreszeit aus einer bestimmten Richtung kommen. Er weiß wie man Wasser findet und er kann sogar anhand von Fußabdrücken feststellen, wer wo lang gelaufen ist (und wer bei wessen Frau geschlafen hat…).

Lagerfeuergeschichten

Auch über die Gepflogenheiten der San weis er viel zu erzählen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Geschichte. Wenn Frauen ihr Kind zurück lassen mussten, weil es krank oder zu schwach zum Folgen war, durfte sie sich diese Nacht in den Rauch des Feuers setzen. Nur so konnte sie ihre Tränen zeigen. So krass das für uns klingen mag, nur so konnten die San in den Halbwüsten des südlichen Afrikas überleben.

Blick über die roten Dünen des Namib Rand Nature Reserve auf einem guided Bushmans Walk

Eine andere spannende Geschichte hängt mit der Nahrungsaufnahme zusammen. Da die Gruppe nie wusste, wann es wieder etwas zu Essen gab, haben sie bis zum Umfallen Erlegtes gegessen. Sie haben gegessen, etwas geschlafen, weiter gegessen, etc. bis das gesamte Fleisch weg war. In der Hitze ist es nämlich fast unmöglich länger Fleisch zu konservieren und es mit sich herum zu tragen, wäre den nomadisch lebenden Jägern und Sammlern nur im Weg gewesen.

Viel zu schnell vorbei

Mit den Worten:“Ich hätte euch noch so viel mehr erzählen können”, endet unser Bushmans Walk. Und ich glaube Francis aufs Wort! Zu gerne hätte ich mich mit ihm noch länger über die Lebensart der San informiert. Besonders interessant finde ich den Konflikt mit der Gegenwart. Entwurzelt greifen heute viele Angehörige dieser Bevölkerungsgruppe zur Flasche. Es ist nicht leicht den Spagat zwischen der vermeintlichen Moderne und ihrer Vergangenheit zu schaffen. Anscheinend ist es zumindest Francis gelungen. Er hat meine größte Hochachtung, dass er sich das Wissen wieder angeeignet hat und es nun auf so eine spannende und informative Art und Weise weitergibt.

Blick über die Dünen im Namib Rand Nature Reserve im Hintergrund die Berge auf unserem guided Bushmans Walk

Hier könnte ich bleiben…

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4 Kommentare

  1. Wow, das war bestimmt eine unglaubliche Erfahrung.
    Besonders interessant finde ich, dass er anhand der Dünenform weiß, wo er hinlaufen muss. Wirklich unglaublich!
    LG, Monique

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    • lieschenradieschen

      Ja, das war wirklich große Klasse. Da wird man fast “neidisch”. So gut kenne ich mich in der heimischen Flora und Fauna nicht aus.

      Liebe Grüße,
      Lynn

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  2. Pingback: Achtung: Fernweh-Gefahr! – aequilibrist

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