Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime

Meine Versuche, Israel zu verstehen

 

Gut gesagt:

“”Mose hat uns vierzig Jahre durch die Wüste wandern lassen (…), nur um uns an diesen krisengeplagten Ort zu führen.” Levanon seufzt. “Es wäre besser gewesen, wenn er uns in die Schweiz gebracht hätte – warst du schon mal dort?” Ich nicke, “so ein hübsches, harmonisches Land”, murmelt sie.”

Getrieben von der Frage, ob sich Herzls Traum von einem Judenstaat wie in “Altneuland” erfüllt hat, begibt sich der Autor Johannes C. Bockenheimer auf den Weg nach Israel. Er spricht mit allerlei Menschen die repräsentativ für das Land sind, von Managern, über Pornostars, Politikern und Rabbis. Dabei macht er interessante Entdeckungen (z.B. warum Regeln in Israel eher Handlungsempfehlungen sind, über den Stolz auf die israelische Küche und warum sich ein arabischer Autor, jüdisch ausgibt.) und bereits im Klappentext erfährt der Leser: “Die Revolution ist (vorerst) gescheitert – aus anderen Gründen allerdings, als man denken könnte.”

Gefällt weil: der Schreibstil und der dem Autor ganz eigene Humor einfach herrlich sind. Zuweilen habe ich mich schon gefragt ob man einen Anklang von israelischem Humor raus lesen kann (was genau das bedeutet, steht im Buch “Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime Aber so viel sei verraten, es gibt keine Tabus!). Vor allem die Gesprächspausen in den Interviews sind wunderbar illustriert. Die Aquariumpumpe blubbert so vor sich hin oder die Uhr tickt und beide sind sich ihrer symbolischen Wirkung nicht bewusst.

Außerdem finde ich es interessant, das ein Deutscher auf Spurensuche nach der israelischen Identität geht. Vermutlich sind aber unsere Geschichten auf ewig verknüpft und somit ist es wiederum nicht weiter verwunderlich.

“”Wir Juden haben eine Menge gelitten in der Vergangenheit, weißt du?”
Ich nicke heftig. Wenn ein Deutscher etwas weiß, dann das.” (S.119)

Am liebsten würde ich aber das ganze Buch für euch zitieren. Selten hatte ich so viele Textausschnitte für “Gut gesagt” wie bei “Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime”
Deshalb kann ich euch nur sagen, lest das Buch und freut euch über eine kurze Exkursion zu jüdischen Müttern, den Liebestipps eines schwulen “Künstlers” oder über Diskussionen in der Israelischen Armee.

Dabei vergisst Bockenheimer aber auch nie den eigentlichen Grund seines Besuches. Im Laufe der Gespräche zeichnet sich ein immer klareres Bild von Israel ab und man entdeckt viele kleine Parallelen zwischen der Bevölkerung, die sich ihren Alltag zwischen Kontroversen und Bombenangriff einrichten und dem zerrissenen Staat. Und deshalb ist die Revolution nach Herzls Vorstellungen auch nur vorerst gescheitert.

Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime

Johannes C. Bockenheimer
Chuzpe, Anarchie und koschere Muslime
Meine Versuche, Israel zu verstehen
208 Seiten | Klappenbroschur 
ISBN 978-3-570-55276-6
14,99€ (D) über Randhomhouse

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