Sheperds Shelter: Der Schäfer vom Psiloritis

Der aus Stein gebauter Sheperds Shelter am Fuße des Psiloritis auf Kreta.

Groß ist er. Mit einem dichten, schwarzen Bart. In der Hand hält er einen großen Hirtenstab und hinterm Ohr klemmt ein Stück wilder Basilikum. Um seine Beine läuft aufgeregt ein auffallend schöner Hund herum, der wie aufs Kommando gehorcht. Eben hat er noch Ziegen und Schafe zusammen getrieben, die nun gemolken werden. Schon ab der ersten Sekunde bin ich beeindruckt vom Schäfer vom Psiloritis.

 Der Schäfer vom Psiloritis 

Gut zwei Stunden sind wir von unserem beschaulichen Dorf Plakias gefahren, nur um in einem noch beschaulicheren Dorf am Fuße des Psilorits zu landen. Fast währen wir an dem Schild mit der Aufschrift “Sheperds Shelter” vorbei gefahren, aber nun sind wir hier, beim Schäfer vom Psiloritis.

Der Schäfer vom Psiloritis beim Melken einer Ziege

Der Psiloritis ist eines der drei hohen Gebirgsmassive auf Kreta und erstreckt sich auf eine Höhe von über 2000 Meter. Wir sind zwar nur auf knapp 800 Meter, aber es reicht um zu beeindrucken. Besonders beeindruckt bin ich allerdings als ich feststelle, dass man beide Meere sehen kann. Im Norden sehe ich das Mittelmeer und im Süden das Lybische Meer. Wahnsinn!

Ziegen melken und Käse machen

Beim Schäfer vom Psiloritis blühen wir so richtig auf. Hier können wir all das machen, was für Stadtkinder eigentlich unmöglich ist. Zunächst probieren wir es, die Ziegen zu melken. Ehrlich gesagt kommt bei mir nur ein kümmerlicher Strahl, der nicht mit dem vom Schäfer zu vergleichen ist. Kein Wunder. Später erzählt er uns, dass er täglich 500 Ziegen und Schafe melkt. Dafür stelle ich fest wie warm und lecker die frische Ziegenmilch ist, das hätte ich wirklich nie gedacht!

Eine der Hütehunde vom Schäfer des Psiloritis

Im Sheperds Shelter

Mit der frischen Ziegenmilch geht es in den original Sheperds Shelter. Dabei handelt es sich um ein Steingebäude, welches im Sommer schön kühl ist und im Winter warm hält. Hier gibt es auch den ersten Tsikoudia. Ein Schnaps der mit Ouzo zu vergleichen ist und ordentlich in der Kehle brennt (ein weiterer Grund, warum es im Winter so warm ist?). Auch erfahren wir hier viel von der Lebensweise vom Schäfer vom Psiloritis. Leider spricht er weder Englisch, noch wir Griechisch, aber dank Übersetzung durch unsere Reisebegleitung, klappt es schon irgendwie.

Goldgelber Essig wird in die frische Ziegenmilch gegossen, die gleich zu Käse stockt

Lynn mit selbstgemachtem Käse in der Hand

Ganz nebenbei verarbeiten wir die Ziegenmilch mit einfachen Gewürze zu einem leckeren Käse. Nur Essig und Salz werden dazu gegeben und er schmeckt einfach himmlisch. Jeder darf sich “seinen” Käse schnappen und wir machen uns auf, zu einer gedeckten Tafel.

Trinksprüche und ein sich biegender Tisch

Na gut, der Tisch war aus massivem Stein, aber er war so voll, dass jeder normale Tisch gebrochen wäre. Nachdem wir quasi zur Vorspeise unseren Käse mit Brot und Salat verspeisten, kamen nach und nach mehr Speisen. Diese wären gefüllte Weinblätter, Davos, Käseschaum (schmeckt tausend Mal besser, als es klingt), frisches Ziegenfleisch, Kartoffeln, Tsikoudia, mehr Salat, mehr Tsikoudia, süßer Wein, mehr Tsikoudia…

Gedeckter Tisch mit griechischen Spezialitäten

Nachdem wir am Anfang noch mit einem zackigen “Yammas” angestoßen hatten, wurden die Sprüche des Schäfers immer länger und länger. So lang, das sie Elena (die Reisebegleitung) nicht mehr übersetzt hat. Zwischendurch hat er uns nach unseren Berufen gefragt und diese mit einem freundlichen Lächeln zu Kenntnis genommen.

Hilfe, ich bin ein Drache!

Nachdem wirklich sehr üppigen, aber grandiosen Mahl, ging es noch zur Destillier-Anlage. Dort wurde gerade frischer Tsikoudia gebrannt, den wir alle probieren mussten. Und ich sag´s dir, das war eine der schlimmsten Alkohol Erfahrungen in meinem Leben. Ich habe mir extra nur einen kleinen Schluck genommen. Dieser ist aber so die Kehle und schlussendlich den Magen entlang gerinnt, das ich dachte, ich müsse gleich feuerspeien. Unglaublich! So etwas habe ich noch nie im Leben gespürt. 

Lynn beim Abzapfen des Tsikoudias direkt aus der Destille

Noch ahne ich nicht, WIE schlimm es gleich wird…

Tsikoudia Flasche im Hintergrund die Berge Kretas

Du willst da auch mal hin?

Wir haben die Tour über Elena Tours gebucht. Von April bis Oktober bietet sie individuell geführte Touren über die Insel. Dabei ist ihr Anspruch abseits von den typischen Attraktionen zu sein und das ist ihr auch wirklich gut gelungen. Die Tour hat 65€ gekostet und in meinen Augen war sie jeden Cent wert. Es war eine tolle Erfahrung mehr über die Lebensweise der noch traditionell arbeitenden Schäfer zu erfahren. Außerdem ist der Schäfer vom Psiloritis ein echtes Original. 

Informationen zum Sheperds Shelter gibt es hier…

Schäfer pausieren auf einer Steinmauer beim Sheperds Shelter auf Kreta

Hundwelpe vom Schäfer des Psiloritis

Darf ich den bitte mit nehmen?

Wunderschöne Aussicht vom Sheperds Shelter über das Psiloritis Massiv und das Mittelmeer

8 Kommentare

    • lieschenradieschen

      Ich hätte auch nie gedacht, das ich das mag, aber frische Ziegenmilch gar nicht so verkehrt 🙂

      Danke dir und liebe Grüße,
      Lynn

  1. Hi Lynn,
    so kleine, individuelle Touren sind immer toll 🙂 Käse selber machen und dann essen ist natürlich noch toller! Schöner Bericht – vielleicht sollte ich Griechenland auf die Wishlist für 2017 setzen…

    Liebe Grüße
    Imke

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