Estland: Wo Natur auf Hightech trifft

Strand und spiegelglatter Peipus See in Estland

Bereits der erste Tag in Estland macht deutlich, wie viel Gegensätze dieses kleine Land doch auf sich vereint. Kaum über die Grenze gefahren, sehen wir die ersten Rehe und im Wald kann man frische Beeren ohne Ende pflücken. Abends schlafen wir dann allerdings in der urgemütlichen, aber auch sehr stylischen Stadt Tartu. Dort sind wir überrascht von der Offenherzigkeit der Menschen und ihrer wahnsinnig guten Sprachkenntnisse. Eins ist sicher, in Estland trifft Natur auf Hightech. 

Traumziel Estland

Während die Reise nach Estland geplant wird, scheint es als würde ich nur Menschen kennen, die ebenfalls schon mal in Estland waren oder dorthin wollen. Dieses kleine Land im Nordosten Europas scheint zu begeistern. Und auch wir sind uns einig, zwar freuen wir uns auf Polen, Litauen und Lettland, aber Estland ist unser primäres Ziel. Dort wollen wir so lange wie möglich hin und möglichst viel erleben.

Der Vorteil kleiner Länder ist ja, das man auch mit wenig Zeit im Gepäck, viel erleben kann. Neben der Natur wollen wir natürlich auch etwas von den Städten sehen und so verschlägt es uns für jeweils eine Nacht nach Tartu und natürlich auch nach Tallinn. 

Streetart in Estlands Hauptstadt Tallinn

Estlands Städte

In Tallinn verliebe ich mich auf Anhieb. Es ist wieder dieser Mix zwischen Natur, in diesem Fall eher Tradition, der auf Hightech und Moderne trifft. Eben noch schlendern wir durch die Altstadt und fühlen uns fast wie im Mittelalter und schwups sind wir auf einem hippen Markt, den man so auch in Berlin, Kapstadt oder New York finden könnte. War es in den anderen Ländern schwieriger mit der Kommunikation, so kommen wir hier sofort ins Gespräch mit den Esten. Eigentlich jeder den wir treffen, spricht ein gutes Englisch. Sowieso liebe ich die estnische Sprache. Man kann sich gut vorstellen, wie ein kräftigerer älterer Herr am Kamin Geschichten vorliest – einfach gemütlich!

Aber auch die Studentenstadt Tartu hat es mir angetan. Hier geht alles viel beschaulicher als in Tallinn zu und doch gibt es eine lebendige Barszene. Diese testen wir natürlich auch ausgiebig und werden gleich in die verschiedenen Sorten des lokalen Biers eingeführt.

Theaterschild in der Studentenstadt Tartu

Theaterschild in der Studentenstadt Tartu

Und wo bleibt die Natur?

Natürlich sind die Städte mehr als Sehenswert, vielmehr begeistert uns allerdings die ursprüngliche Natur. Und Estland macht es einem leicht, sie zu erkunden! So gibt es wunderschöne RMK Campingplätze. RMK ist das nationale Forstamt und unterhält die Plätze. Hierbei handelt es sich allerdings nicht um riesige grüne Stellflächen voll mit Wohnwagen und -mobilen, nein! Die Plätze liegen mitten in der Natur, es gibt einfach Trockentoiletten, Feuerholz und das ganze umsonst. Ja, richtig gelesen, man muss keinen Cent dafür zahlen. Und man hat auch noch die schönsten Aussichten überhaupt.

RMK Campingplatz in Estland

Bei Regen wird improvisiert…

Der Lahemaa Nationalpark – mein Favorit

Mein absolutes Highlight in Estland ist sicherlich der Lahemaa Nationalpark. Hier kann man nicht nur am nördlichsten Punkt Estlands übernachten und in der Nordsee schwimmen, man kann auch durch ein wunderbares Moor wandern. Um dem Naturerlebnis nicht im Weg zu stehen, aber auch nichts von dem Moor zu zerstören, würden einfach Planken verlegt. Es ist ein echter Balanceakt, wenn zwei Menschen aneinander vorbei gehen müssen, so schmal sind die Holzbretter. Dafür ist man aber auch wirklich direkt am Moor und bekommt alles hautnah mit. Das umschließt auch leicht faulige Gerüche oder interessante Begegnungen mit Krabbeltieren oder Schmetterlingen und Co.

Moor im Lahemaa Nationalpark in Estland

Regen auf Hiiumaa

Ebenfalls wunderschön sind die Inseln, die rund um das Festland verteilt sind. Vor der Küste liegen 1520 Inseln, allerdings sind nur 19 bewohnt. Wir entscheiden uns nach Hiiumaa rüber zu fahren. Alleine die Fahrt mit der Fähre macht schon Spaß und sobald wir angekommen sind, kommt endgültig das Roadtrip Feeling auf. Auch hier steuern wir einen RMK Platz an und landet fast direkt am Meer – wunderschön! Leider zieht am nächsten Tag dicker Regen auf, aber wir lassen es uns nicht nehmen, die Leuchttürme von Hiiumaa zu erkunden. Und irgendwie passen Nebel, Regen und Leuchtturm ja sowieso zusammen.

Großer weißer Leuchtturm auf Hiiumaa in Estland

Unser Fortbewegungsmittel

Roadtrip ist sowieso ein gutes Stichwort. Unser treuer roter Toyota hat uns den gesamten Weg von Hannover bis nach Estland gebracht und uns tolle Dienste geleistet. Die baltischen Ländern sind ein Traum für Roadtrip Fans. Bis auf die Hauptstraßen ist so gut wie nichts los und manchmal darf man sogar Schotterpiste fahren. Nicht selten begegnen einem außer Kühe und Störche nicht viel mehr. Durch die geringen Distanzen kann man sich einfach treiben lassen und spontan entscheiden, wo es am nächsten Tag hin gehen soll. Wir haben am Abend immer geschaut, wo es am nächsten Tag hin gehen sollte und was für Sehenswürdigkeiten auf dem Weg liegen. So sind wir auch auf mein kulturelles Highlight gekommen, die Burg Rakvere.

Roter Toyota

Ich tausche Neuzeit gegen Mittelalter

Bevor wir nach Laheema gefahren sind, haben wir noch einen Abstecher zur Burg Rakvere gemacht. Eigentlich hatte ich keine hohen Erwartungen, denn auch vorher hatten wir schon Burgen besichtigt. Diese waren zwar auch immer interessant, aber haben uns nicht vom Hocker gehauen. Ganz anders sollte es mit Rakvere sein! Das fängt schon damit an, dass die Burg wirklich imposant ausschaut. Zwischen grünen, sanften Hügeln erheben sich die grauen Mauern. Mit knapp 5€ ist der Eintritt auch noch wirklich günstig und man darf einfach jeden Winkel der Burg erkunden und alles anfassen und ausprobieren. Dazu gibt es noch Shows und Vorführungen. Wir haben uns plötzlich wieder wie kleine Kinder gefühlt, der Hammer! Auch hier bleibt sich also Estland mit dem Motto treu, Natur trifft auf Hightech. 

Weg in der Burg Rakvere in Estland

Blick über grüne Hügel auf die Burg Rakvere in Estland

Ein paar abschließende Worte

Estland ist tatsächlich das Land, welches mich von den drei baltischen Staaten am meisten fasziniert hat. Ich liebe einfach diese Mischung aus Natur, schönen Städten und netten Menschen. Estland ist irgendwie total unaufgeregt, obwohl es so viel zu bieten hat und das überträgt sich auch auf einen selber. Sehr entschleunigt und entspannt bin ich von dieser Reise heim gekommen und das trotz wirklich hoher Kilometerzahl in nur wenigen Tagen!

Mehr zum Roadtrip findest du hier:

Dieser Beitrag ist nimmt teil an der Blogparade von Trip to the Planet. Christina hat diese große Europa Blogparade ins Leben gerufen und Blogger gebeten, zu den 50 europäischen Ländern zu schreiben. Eine wirklich beeindruckende Liste und ich freue mich sehr zu sehen, wie sie stetig wächst. Wenn du sehen möchtest, um welche Länder es sich handelt und wer alles teilnimmt, dann klick hier…

4 Kommentare

  1. Ein toller Artikel. Estland steht auch noch auf meiner Liste. Dieses Jahr wird es wahrscheinlich nichts und mein Fernweh wird durch deinen Text noch größer, aber vielleicht schaffe ich es ja in 2018. Schön, dass du dabei warst 🙂
    Liebe Grüße
    Christina

  2. Das hast du toll zusammengefasst. Hier stimme ich dir absolut zu: “Estland ist irgendwie total unaufgeregt, obwohl es so viel zu bieten hat und das überträgt sich auch auf einen selber”.

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