Gedanken einer Busfahrt

Gedanken einer Busfahrt – 10 Stunden Fahrt über Marokkos höchsten Pass, vorbei an alten Kasbahs bis hin zur Wüste

Um Punkt 7 klingelt es an der Tür des Riads. Ein gut gekleideter Herr holt uns ab und wir laufen durch Marrakeschs Gassen. Die Stadt ist gerade im Inbegriff zu erwachen. Händler schieben ihre Waren vor ihre Läden, Menschen sitzen vor dampfenden Tassen mit Minztee.

Ein Bus wartet auf uns und wir steigen ein. Er fährt wenige Minuten, eher wir anhalten und in den nächsten Bus steigen. Die Straße sind noch leer. Einige Schulkinder laufen entlang der Straße und eine Katze räkelt sich in der Sonne.

Gedanken einer Busfahrt

Gedanken einer Busfahrt

 

Wieder müssen wir den Bus verlassen und steigen in einen dritten, wesentlich volleren Bus. Ich sitze am Fenster und sehe einen älteren, unglaublich sympathisch dreinblickenden Mann direkt davor sitzen. Er verkauft Zigaretten und hat anscheinend  eine Einschränkung am rechten Fuß. Zu gerne würde ich ihn porträtieren, aber ich traue mich nicht.

Wir verlassen die Stadt. Vorbei an den neueren Gebäuden Marrakesch, vorbei an Menschen die sich zu viert einen Motorroller teilen, vorbei an Hirten und ihren Ziegenherden. Ein letztes Mal halten wir an einer großen Hotelanlage, die letzten Mitreisenden steigen ein. Wir kommen alle ins Gespräch. 14 Menschen die nun für 10 Stunden in einer Sardinenbüchse gefangen sind.

Gedanken einer Busfahrt

Es wird unglaublich heiß. Anscheinend ist die Klimaanlage ausgefallen. Serpentine um Serpentine schleichen wir die Pässe des Hohen Atlas hoch. 100 Kilometer und wir haben 3 Stunden gebraucht. Steile Schluchten fallen entlang der Route ab. Bisweilen kann man Autowracks im Abgrund sehen. Eigentlich sollte ich Angst haben, aber ich bin eher fasziniert.

Gedanken einer Busfahrt

Irgendwann erreichen wir den Tizi´n´Tichka Pass, den höchste Pass Marokkos. Ab hier geht es nur noch bergab bis zur Sahara. Vorbei entlang alter Kasbahs, spielenden Kindern und Dattelpalmen.

Zum Mittag halten wir in Ait Ben Haddou. Eigentlich möchte ich den Bus gar nicht verlassen. Mittlerweile habe ich mich eingerichtet, in diesem warmen Kokon. Aber es hilft nichts, alle müssen aus dem Bus raus. Ein Mann in meinem Alter stellt sich als Fremdenführer heraus. Die Gruppe folgt ihm. Zunächst durch die schattigen und kühlen Mauern der Gebäude, ehe es immer weiter hoch geht.

Mir ist so heiß! 100 Dirham für das Tuch? Egal. Ich will nicht handeln, will nur meinen Kopf abkühlen. Für das Geld bindet mir der Verkäufer auch noch einen Turban wie man ihn von zahlreichen Fotografien der Berber kennt.  Jetzt sehe ich ziemlich nach Touri aus. Jungs gehen an mir vorbei, tuscheln und lachen. Alles Egal, Hauptsache es wird kühler.

Gedanken einer Busfahrt

Zurück im Bus. Es ist schon spät und der Fahrer gibt noch mehr Gas. Für einen letzten Minztee an einem Kiosk mitten im Nirgendwo, ist allerdings noch Zeit. Anschließend sind wir noch flotter unterwegs. Ein Kind läuft unerwartet auf die Straße! Der ganze Bus hält den Atem an, oder schreien wir doch? Ich kann mich nicht mehr erinnern.

Gedanken einer Busfahrt

Gerade noch so kommt der Bus zum Stehen. Der Junge hat von dem Schrecken nichts mitbekommen und läuft zurück zum Haus. Hinter ihm der ärgerliche Busfahrer. Zwar verstehe ich kein Arabisch, aber ich kann mir denken, was er den Eltern gerade erzählt.

Nach dem Schreck müssen wir zum Glück nicht mehr weit. Im untergehenden Licht der Sonne sehe ich unsere Kamele. Nun heißt es “Fahrzeug” wechseln. Eine “Hürde” gilt es allerdings doch noch zu nehmen. Sobald die Türen sich öffnen kommen von allen Seiten Kinder und Fragen nach “Manger, Manger. Essen, Essen?” Mir fällt es unglaublich schwer “Nein” sagen zu müssen, aber ich habe noch nicht mal einen Bonbon dabei.

Zu Anfangs war ich noch ganz euphorisch auf dem Rücken des Kamels, nun merke ich die Busfahrt und das sanfte Schaukeln macht mich schläfrig. Endlich erreichen wir das Wüstencamp, für das ich 10 Stunden im Bus verbracht habe.

Und morgen erwartet mich das gleiche Schauspiel.

Gedanken einer Busfahrt

Gedanken einer Busfahrt.

 

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2 Kommentare

  1. Hey Lynn,

    mit deinem Artikel hast du gerade derbe mein Fernweh geweckt! Ich durfte auch mal in den Genuss der marokkanischen Fahrkunst kommen – bei einer Taxifahrt von Marrakesch nach Agadir. Ziemlich abenteuerlich. 🙂
    Marokko hat mich verzaubert, so gerne möchte ich nochmal dahin.

    LG
    Elisa

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    • lieschenradieschen

      Hallo Elisa,

      Das glaube ich dir!

      Marokko lässt mich irgendwie auch nicht mehr los und ich könnte sofort wieder hin reisen… Vielleicht ja nächstes Jahr 🙂

      Liebe Grüße und schön das du vorbei geschaut hast,
      Lynn

      1+

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