Grenzen abbauen

Nach einem ersten, anstrengenden Wandertag genießen meine Gruppe und ich die Aussicht und kühle Getränke auf der Dachterrasse unserer Unterkunft. Plötzlich kommt ein älterer Herr um die Ecke und fängt an zu beten.

Szenenwechsel

Es ist 5 Uhr morgens und ich wurde durch den Muezzin geweckt, dessen Stimme durch das Tal halt. Ich schaue liegend durch das offene Fenster meines Zimmers. Der Vollmond strahlt den Berg gegenüber an und ich lausche den Koranversen, obwohl ich kein Wort verstehen. Und ich weiß nicht ob es der kühle Lufthauch ist der herein kommt, oder die Worte des Mannes, aber ich bekomme Gänsehaut.

Marrakech Moschee

 

Ich habe lange überlegt, wie ich anfangen soll meine Erlebnisse und Eindrücke von Marokko mit euch zu teilen. Es ist schwer für mich das Ganze zu sortieren und in Worte zu fassen.
Nachdem ich aber wieder zu Hause war und Zugang zu Nachrichten und Internet hatte, wurde mir eins schnell klar: Ich kann die Politik nicht mehr außen vor lassen!
Zu sehr haben mich die Erlebnisse und Begegnungen mit dem Islam geprägt, um mich nicht zum Weltgeschehen zu äußern.
Deshalb möchte ich euch heute daran teilhaben lassen, was ich in Gesprächen und Beobachtungen in diesem muslimischen Land erlebt habe. Mein Fazit möchte ich dabei aber schon mal mit auf den Weg geben: Wir sind alles Menschen und als solche appelliere ich auch an die Menschlichkeit. Es ist egal an welchen Gott wir glauben, denn ich bin mir sicher: kein Gott würde solch eine Gewalt gut heißen.

Zusammen mit unserem Guide sitzen wir beim Abendbrot. Unsere Gruppe besteht aus drei Amerikanern, zwei Deutschen und einem Marokkaner. Zu unserer Schande haben wir nur ein sehr kleines Randwissen über den Islam. Zu gut, das unser marokkanischer Freund von sich aus mit dem erzählen beginnt.

Er formt mit den Armen ein großes Kreuz:

„Das was in manchen Teilen der arabischen Welt passiert, das hat nichts mit dem Glaube zu tun. Der Islam ist nicht gewalttätiger als irgendeine andere Religion. Nur werfen diese Kämpfe ein schlechtes Bild auf uns alle.“

Und Recht hat er. Wie häufig hörte man in den vergangenen Monaten Parolen wie: „Gegen eine Islamisierung des Abendlandes“ und so etwas kann doch nur aus Unwissenheit entstehen oder? Menschen reagieren mit Angst und Ablehnung, wenn sie sich vor etwas fürchten. Aber wie kann man jemanden die Furcht nehmen? Mit Begegnungen und Austausch! Meiner Meinung sind dies die Schlüssel zu einem besseren Miteinander. Je mehr man voneinander erfährt, desto mehr bringt man auch Verständnis für einander auf und baut Vorurteile ab.

Koranschule, Marrakech, Marokko

 

Und Reisen ist der beste Weg, um Grenzen (im Kopf) abzubauen. Ich muss zugeben das ich beim ersten Mal hören der Worte „Inschallah“ (so Gott will) innerlich zusammen gezuckt bin, so groß waren dann doch die Vorurteile in mir. Bis mir dann plötzlich aufgefallen ist, wie oft ich doch „Oh mein Gott“ sage und das hat wenig mit meinem eigenen Glauben zu tun, als mit einer Floskel. Und genau aus diesem Grund nehmen sich „Inschallah“ und „Oh mein Gott“ doch recht wenig. Beides ist einfach im Sprachgebrauch der jeweiligen Kultur verankert.

Je länger ich in Marokko war und desto mehr ich in die Kultur eingedrungen bin, habe ich festgestellt wie ähnlich wir uns doch alle sind. Fremde wurden zu Freunden und sobald ich die Flüchtlingsbilder nun sehe, sehe ich auch keine Fremden mehr. Es könnte auch genau andersrum sein. Was wäre, wenn wir auf der Flucht wären? Würden wir nicht auch Hilfe erwarten? Menschlichkeit? Wir haben einfach nur Glück und das Privileg in einer stabilen Gesellschaft zu leben. Und dieses Glück sollten wir mit anderen Teilen, denn noch hat jeder von uns die Kapazität dazu!

Ich möchte mit meinen Reisen Grenzen abbauen. Ich will so viel wie möglich von anderen Kulturen lernen und mit nehmen. Und jedes mal komme ich etwas dankbarer zurück. Daran möchte ich euch teilhaben lassen und ich bin mir sicher, jeder kann mit seiner noch so kleinen Hilfe etwas bewirken.

Imlil, High Atlas, Marokko

 

Gerne möchte ich euch auf die Initiative Blogger für Flüchtlinge aufmerksam machen. Auf dieser Seite werden Blogbeiträge zum Thema gesammelt, es gibt Tipps und Infos wie auch du helfen kannst und es gibt aktuelle Informationen zur Flüchtlingssituation.

 

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3 Kommentare

  1. Pingback: Die Sache mit den Ländergrenzen - ein paar Gedanken

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