Ein Meer aus Sand und ein Berg aus Kreuzen: Sehenswürdigkeiten in Litauen

Panorama über die Sanddünen der Kurischen Nehrung, eine der Sehenswürdigkeit in Litauen

In meinem Reiseführer wurde zweimal der Satz erwähnt:“Wenn sie einen Litauer nach Sehenswürdigkeiten in Litauen fragen, nennt er ihnen…” und die Antwort war entweder den Berg der Kreuze oder die Kurische Nehrung. Beides Attraktionen, die ich unter die Lupe genommen habe. 

Sehenswürdigkeiten in Litauen

Der Berg der Kreuze

Direkter Blick auf ein Meer aus Kreuzen beim Berg der Kreuze, eine der Sehenswürdigkeit in Litauen

Der Berg der Kreuze liegt eigentlich auf fast jedem Weg, wenn man eine Litauen Reise unternimmt. Knapp 12 Kilometer vom kleinen Örtchen Siauliai, direkt an der viel befahrenen A2 (wobei viel befahren in den baltischen Staaten relativ ist), ist der Berg der Kreuze gelegen. Grund für uns, einen Abstecher dorthin zu unternehmen.

Ich seh´ den Berg vor lauter Kreuzen nicht

Eigentlich war mein ursprünglicher Gedanke, den Berg bei Sonnenaufgang zu bestaunen. Leider hat sich das nicht ergeben. Ich stelle mir das allerdings wahnsinnig stimmungsvoll vor. Dennoch hat sich der Besuch für mich sehr gelohnt. Schon von weitem konnten wir den kleinen Hügel mit den tausenden Kreuzen sehen. Am Anfang ließ sich nur erahnen, wie viele Kreuze da stehen könnten. Allerdings stellten wir bald fest, dass es zig tausende sein müssen. Anfang der 1990er Jahre, haben Studenten aus Litauens Hauptstadt Riga begonnen, die Kreuze zu zählen – bei 50.000 haben sie aufgehört und dabei waren noch nicht einmal die Kruzifixe mit einbezogen. Es scheint mir aber auch fast ein Ding der Unmöglichkeit zu sein, genau zu sagen, wie viele Kreuze dort tatsächlich stehen.

Detailaufnahme der Kreuze beim Berg der Kreuze, eine der Sehenswürdigkeit in Litauen Ein knallgelbes Kreuz beim Berg der Kreuze, eine der Sehenswürdigkeit in Litauen

Der Ort hat eine unglaubliche Stimmung. Trotz der vielen Besucher, schließlich ist es eine DER Sehenswürdigkeiten in Litauen, habe ich mich nicht gestört gefühlt. Vielmehr bin ich gebannt durch die Reihen der Kreuze gelaufen. Ich habe sie mir alle genau angestaut und die besondere Stimmung in mich aufgenommen. Immer weiter hinauf schlängeln sich die Pfade, ehe man an einem kleinen Altar ankommt. Von dort hat man ebenfalls einen sehr guten Blick auf alles.

Ein Zeichen des Widerstands

Immer wieder musste ich mich erinnern, das der Berg der Kreuze kein negativer Ort ist. Zum Einen ist er beliebt bei Menschen, die ein freudiges Ereignis feiern. Das kann eine Hochzeit oder eine Taufe sein. Letzteres konnten wir auch beobachten. Zunächst haben die festlich gekleideten Gäste ein Holzkreuz aufstellten. Anschließend begossen sie die Feier mit Hochprozentigem und leckeren Schnittchen.
Zum Anderen ist es auch ein Symbol des Widerstandes. Der Berg der Kreuze bei Siauliai war zur Zeiten der kommunistischen Herrschaft der Kommunistischen Partei Litauens, ein Dort im Auge. In einer Nacht und Nebel Aktion plätteten sie mit einem Bulldozer die gesamte Anlage. Doch schon in der nächsten Nacht, wurden einige Kreuze wieder aufgestellt. Anschließend lieferte sich beide Seiten ein Katz und Maus Spiel. Bis zur Unabhängigkeit Litauens, wiederholte sich das Ganze mehrfach.

Ein hölzener Jesus breitet seine Arme aus auf dem Berg der Kreuze eine der Sehenswürdigkeit in Litauen Aufnahme von Kreuzen auf dem Berg der Kreuze, eine der Sehenswürdigkeit in Litauen

Heute soll an dieses Ereignis erinnert werden. Aus diesem Grund ist es auch ausdrücklich erlaubt Fotos zu machen, zu filmen, sich alles anzuschauen und zu lachen. Eine schöne und rührende Geste, wie ich finde!

Allgemeine Informationen

  • Anreise: ca. 1,5 Kilometer östlich der A2 in Richtung nach Riga führend. Schilder weisen auf den Abzweig hin
  • Adresse: Jurgaičių, Meškuičių, Šiauliai 81439, Litauen
  • Öffnungszeiten: durchgehend geöffnet
  • Detail: obwohl der Ort allen zugänglich ist, sollte man sich bewusst machen, das es sich um einen katholischen Wallfahrtsort handelt. Ein gewisses Maß an Respekt, gegenüber den Gläubigen ist daher selbstverständlich

Kurische Nehrung

Blick auf die Ostsee mit Sanddünen eine der Sehenswürdigkeit in Litauen

Die Kurische Nehrung ist die wohl am meisten bekannte Sehenswürdigkeit in Litauen. Selbst wenn die meisten meiner Bekannte nicht genau zuordnen konnten, was das Baltikum eigentlich ist, die Kurische Nehrung kannten sie alle. Diese Landzunge trennt das Kurische Haff von der Ostsee. Deshalb ist eine Überfahrt auch nur mit der Fähre möglich. Aber das verdoppelt auch den Spaß. Auch von der Nehrung an sich war ich mehr als positiv überrascht. Normalerweise stehe ich hoch angepriesenen Sehenswürdigkeiten skeptisch gegenüber. Hier wurde ich allerdings sehr positiv überrascht.

Wandeln auf Thomas Manns Spuren

Die Kurische Nehrung ist charakteristisch für die Landschaft in Litauen. Wunderschöne Wälder, herrliches Licht und dann der mit Abstand schönster Ostseestrand. Entlang der Bernsteinküste zieht sich die Nehrung wie ein Band. Der litauische Teil reicht bis Nida. Von dort aus kann man quasi schon nach Russland schauen. Ich kann schon gut verstehen, warum Thomas Mann sich dort ein Haus zugelegt hat.

Fährüberfahrt auf die Kurische Nehrung eine der Sehenswürdigkeit in Litauen

Die Fähren fahren von Klaipéda aus rüber. Da wir etwas spät dran waren, hatten wir Sorge keine mehr zu erwischen. Diese Sorge hat sich dann aber als völlig falsch herausgestellt. Die Fähren verkehren fast bis 2:00 Uhr nachts. Da die Überfahrt auch nur knapp 5 Minuten dauert, “vergeudet” man keine Zeit. Angekommen auf der anderen Seite wird man sofort von herrlichen Tannenwäldern begrüßt. Zwischen der Vegetation blitzen auch immer mal wieder die berühmten Sanddünen auf. Nach einem kurzen Stück Fahrt, kommt dann die Mautstelle. Dies hat ehrlich gesagt etwas unsere Stimmung getrübt. Einer der Mitreisenden meinte noch aus Spaß, das kostet jetzt bestimmt 20€. Darauf meinten wir, dass ist kann doch nur Quatsch sein. Pustekuchen! Als wir dann wirklich 20€ zahlen mussten, ist uns das Lachen im Hals stecken geblieben. In meinen Augen hat es sich aber trotzdem sehr gelohnt.

Ich war noch “Nida”

Wir sind dann gleich weiter nach Nida gefahren. Dort findet man nämlich die größten Sanddünen. Der Ort selber erinnert an einen Küstenort bei uns an der Nord- oder Ostsee. Die Stimmung schreit nach Urlaub und die kleinen Holzhäuschen tun ihr übriges.

Touristeninformationen mit Statur aus Elch davor in Nida, eine der Sehenswürdigkeit in Litauen Fischerbot im Hafen von Nida, eine der Sehenswürdigkeit in Litauen Holzhäusschen in Nida auf der Kurischen Nehrung, eine der Sehenswürdigkeit in Litauen

Als wir endlich in Nida ankamen war es bereits 18:00 Uhr. Das war allerdings insofern klasse, als das die Farben perfekt waren.  Alles wurde in ein goldenes Licht getaucht. Zunächst sind wir durch einen kleinen Nadelwald gegangen, ehe es immer sandiger wurde und wir schließlich die Dünen erreichten. Was für ein wunderschöner Ausblick! Die Weite des Sandmeeres lässt sich fast gar nicht in Worte fassen. Und neben dem Staunen hatten wir auch noch ordentlich Spaß. Das erklimmen der Dünen ist gar nicht so leicht. Aber ich kann nur jedem empfehlen, sie barfuß wieder hinab zu laufen. Ein riesen Spaß!

Zum Glück wurde die gesamte Kurische Nehrung zum Nationalpark erklärt. So kann man mit etwas Glück auch Füchsen oder anderen Wildtieren begegnen. Außerdem ist die Sicht nicht durch riesige Hotelburgen verschandelt. Selbst UNESCO Weltkulturerbe ist es!

Holzweg über die Dünen der Kurischen Nehrung bei Nida, eine der Sehenswürdigkeit in Litauen Blick auf Nida auf der Kurischen Nehrung eine Sehenswürdigkeit in Litauen Blick auf die Sonnenuhr auf der Kurischen Nehrung eine der Sehenswürdigkeit in Litauen Sonnenuhr auf der Kurischen Nehrung eine der Sehenswürdigkeit in Litauen Treibholz gefunden auf der Kurischen Nehrung eine der Sehenswürdigkeit in Litauen Blick über die großen Dünen bei Nida bis nach Russland eine der Sehenswürdigkeit in Litauen

Ich konnte gar nicht anders als sofort meine Schuhe auszuziehen. Es gibt nichts schöneres, als Barfuß durch warmen Sand zu laufen!
Neben den ganzen Sanddünen ist die Sonnenuhr, ein weiteres Highlight. Ehrlich gesagt habe ich nicht verstanden, wie genau man sie liest. Aber auch so ist sie einfach toll anzuschauen.

Allgemeine Informationen

  • Anreise: Von Klaipéda aus mit der Fähre und dann bis zum Ort Nida fahren. Alles ausgeschildert
  • Adresse: Taikos g. 4, Nida 93121, Litauen (Adresse der Touristen Information mitten im Ort)
  • Öffnungszeiten: die Fähren fahren sehr regelmäßig am Tag bis ca. 2 Uhr in der Nacht (am besten vorab nochmal informieren). Wenn man im Park ist, kann man natürlich zu jeder Tag und Nachtzeit unterwegs sein
  • Detail: Gerade in der Hauptsaison sollte man frühzeitig eine Unterkunft reservieren. Auch eine Weiterreise nach Russland ist möglich, wenn man das entsprechende Visum beantragt hat

Fazit:

Wenn man in Litauen Urlaub macht, sollte man beides nicht auslassen. Sowohl der Berg der Kreuze als geschichtsträchtiger Ort und die Kurische Nehrung mit der einmaligen Landschaft haben mich sehr beeindruckt. Natürlich gibt es noch viel mehr zu sehen im ganzen Land, aber diese Sehenswürdigkeiten in Litauen sind ein guter Anfang. Zwar darf man sich nicht der Illusion hingeben, dort alleine zu sein. Allerdings ist es im Vergleich zu anderen Sehenswürdigkeiten in Südeuropa doch ruhiger. Und sobald man davon wegkommt, hat man die Wälder und Seen sowieso wieder für sich alleine.

Noch mehr Interessante Infos zu den Sehenswürdigkeiten oder Infos zu deiner eigenen Litauen Reise findest du auch auf der offiziellen Tourismus Seite von Litauen.

Blick über die Ostsee und die Kurische Nehrung bei Nida eine der Sehenswürdigkeit in Litauen

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4 Kommentare

  1. Da bekomme ich sofort Sehnsucht nach Litauen! Wir sind vor ein paar Jahren mehr oder weniger nur durchgedüst, auf dem Weg nach Estland, und haben weder den Berg der Kreuze noch die Nehrung mitgenommen. Dafür waren wir in Kaunas im Freilichtmuseum, das ist auch sehr schön.
    Ach Mensch, ich muss da unbedingt noch mal hin. 🙂

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    • lieschenradieschen

      Das glaube ich dir 🙂
      Ich muss aber auch ganz ehrlich sagen, das mir Estland am besten von den drei baltischen Staaten gefallen hat.

      Liebe Grüße,
      Lynn

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  2. Pingback: Baltikum Roadtrip Tag für Tag - Teil 2 - Lieschenradieschen Reist

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