Swakopmund Townshipwalk

Ich lese immer wieder Diskussionen um den Nutzen von Townshipwalks in Afrika. Die Einen sehen da drin eine reine Zurschaustellung der dort lebenden Menschen, die Anderen einen großen Wert in diesem Zusammentreffen.

Da ich in Namibia ebenfalls einen Townshipwalk mit gemacht habe, möchte ich gerne meine Erfahrungen mit euch teilen.

Wir fahren ins Township

Als ich und meine Gruppe vom Hotel abgeholt werden, ist mir schon etwas mulmig zu mute. Wie werden die Menschen im Township auf uns reagieren, wie gehe ich damit um und vor allem, ist das überhaupt richtig?

Einige Minuten später gibt es aber kein zurück mehr, wir lassen die Stadt hinter uns und fahren in das Township rein. Zunächst bin ich überrascht, zwar sieht es schon arg trostlos aus, aber immerhin stehen überall noch Steinhäuser. Je weiter wir jedoch fahren, desto mehr Wellblechhütten tauchen auf und ganz am Rande des Townships, sieht man sie nur noch.

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Im Vergleich jedoch zu Nairobis Slum, geht es den Menschen hier noch “gut”. Jeder hat ein wenig Privatsphäre und wie ich mir erklären lasse, gibt es Bemühungen, jedem Bewohner in den kommenden Jahren ein Steinhaus zu bauen. Inwiefern dies stimmt, kann ich nicht beurteilen, aber es klingt erstmal gut. Soweit ich weiß, gibt es so ein Vorhaben nicht in Kenia. Außerdem, so wird mir weiter erklärt, leben viele Menschen auf dem Land und haben sozusagen ihren Zweitwohnsitz in der Hauptstadt. Dies gilt eigentlich nur den Hauptaspekten,eine bessere medizinische Versorgung zu haben und den Kindern eine Schulbildung zu ermöglichen. So weit auch ein guter Gedanke.

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Historischer Hintergrund

Interessant ist auch der Unterschied zwischen einem Slum und einem Township. Dieser lässt sich in der kolonialen Geschichte des jeweiligen Landes finden. Ein Slum ist tatsächlich eine informelle Armensiedlung, während ein Township ein reines Schwarzenviertel ist. Während der kolonial Politik wurden diese, aufgeteilt nach ethnischer Zugehörigkeit, in verschiedene Bereiche des Townships gesteckt.

Gefühlschaos

Jetzt aber zu meinem persönlichen Eindruck. Irgendwie habe ich immer zwischen peinlich berührt und interessiert hin und her geschwankt.
Während der Tour wurden uns verschiedene Ethnien innerhalb des Townships vorgestellt, von Owambo, über Himba bis Nama. Diese wurden aller auf Grund der Kolonialpolitik dort angesiedelt und hatten keine Möglichkeit wo anders hin zu gehen.

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Einige haben uns etwas erklärt, andere haben für uns gesungen. Ich persönlich mag ja dieses Singe nicht, da ich immer das Gefühl habe, das jemand zur Schau gestellt wird.
Allerdings war es bei dieser Tour etwas anders. Es schien mir, als würden die Kinder für uns singen wollen und spätestens als wir ein Lied anstimmen mussten (Twinkle, twinkle, little star…), wurde es für uns peinlich.

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Neben einer kurzen Einführung in die Klicksprache (wo sich auch köstlich über uns amüsiert worden ist), gab es noch Erklärungen zu verschiedensten Heilpflanzen und eine Herero Frau hat uns Rede und Antwort gestanden. Dies hat mir wiederum nicht so gut gefallen, da wir alle im Halbkreis um sie herum standen und sie etwas verloren gewirkt hat. Ich habe sie dann gefragt, was ihre “Kuhhörner” (diese symbolisieren die tiefe Verbundenheit der Herero zu ihren Tieren, aber auch einen sozialen Status) zum halten bringt und sie meinte da drauf:“Das geht nur die Frauen etwas an, selbst ihr Mann wisse das nicht. Aber wir können gerne in ihre Hütte kommen”. Und ab da wurde es dann wieder besser und lockerer. Sie weihte uns in ihr Geheimnis ein (an alle Frauen: wenn ihr neugierig seid, schreibt mir ruhig eine Mail, dann verrate ich es euch) und erzählte aus ihrem Leben. Ihre Hütte war auch verhältnismäßig groß und schön eingerichtet. Aber auch sie erzählte uns, dass sie eigentlich auf dem Land wohnt und nur wegen den Kindern in der Stadt ist, also keine Bleibe auf Dauer…

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Zu guter Letzt waren wir noch in einer Bar. Dort gab es Bier (das gute Windhoek Lager) und dort musste ich wieder denken, dass ich keine Lust hätte, von einer Horde von Touristen bei meinem Feierabendbier gestört zu werden.
Anschließend ging es dann in ein Hinterzimmer, wo wir etwas Essen bekamen. Da gab es dann auch die viel beschworenen Mopanewürmer und anderes, regionales Essen. Nach dem Essen kam eine weitere Musikgruppe und das mochte ich dann wieder nicht so. Der Raum war sehr eng und zum Schluss wurden noch CDs verkauft. Ich fühle mich dann immer so schlecht, wenn ich keine kaufe, andererseits will ich auch nichts aus falscher Scharm unterstützen, wenn ich nicht dahinter stehe. Anderen hat es zum Glück besser gefallen und die haben dann welche gekauft.

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Fazit

Alles in allem bin ich immer noch zwiegespalten was solche Touren angeht. Ich denke mit einem schwarz, weiß Denken da ran zu gehen ist falsch. Es gibt viele Vorteile die auf der Hand legen. Townshipwalks kosten Geld und bringen somit auch Geld zu den Menschen, außerdem habe ich ein viel besseres Bewusstsein für die verschiedenen Ethnien entwickelt und viel gelernt. Ich wäre ansonsten auch niemals in diese Gegend der Stadt gekommen und bin froh auch den “schwarzen Teil” gesehen haben, denn nun kann ich mir ein viel differenzierteres Bild über Swakopmund bilden.
Andererseits fehlt mir irgendwie die Transparenz. Kommt das Geld wirklich bei den Menschen an? Was passiert damit? Das sind alles Fragen, die ich mir gestellt habe. Außerdem spulen diese Menschen immer wieder ihr Programm ab. Ich weiß nicht, ob das nicht irgendwann lästig wird. So wird zum Beispiel Kleidung angezogen, die normalerweise Festtagen vorbehalten ist und das finde ich irgendwie nicht so gut.

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Dennoch ist es eine Erfahrung die ich nicht missen möchte und bin froh, das ich dabei war. Ich würde allerdings jedem empfehlen, der ebenfalls so eine Tour machen möchte, sich genau zu erkundigen, wer der Anbieter ist, was man sieht etc.

Kleiner Hinweis am Rande

Mir wurde gesagt, bettelnden Kindern nichts zu geben. Also auch keine Süßigkeiten, da dies nicht wirklich hilft. Lieber soll man an eine Organisation spenden, die man kennt und die in medizinische und schulische Versorgung investiert. Außerdem sollte man auch nicht alleine in das Township gehen. Wie auf jedem Fleckchen Erde auf der Welt, gibt es auch hier Menschen, die einem eventuell böses wollen.
Ich persönlich fand es auch unpassend mit der dicken Spiegelreflexkamera dorthin zu fahren, aber das muss jeder für sich wissen…


Hinweis: Die Fotos auf dieser Seite sind analog und können vielleicht mit der Qualität der anderen nicht mit halten. Allerdings macht diese Art der Fotografie für mich einen ganz besonderen Reiz aus und spiegelt manche Stimmungen einfach besser wieder, als jedes digitale Bild.

3 Kommentare

  1. Pingback: Namibia Tag für Tag Teil II

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