Vom Glück des Tagebuch Schreibens

” To be honest.. Do you ever look in your diary again?”

“Of course! When you are on a journey everyday is an adventure and everyday is so fast that you somtimes forget about certain things. That is why I have my diary.”

Tja, solch einen Dialog habe ich tatsächlich erlebt. Ich muss sagen, dass ich doch irgendwie geschockt war. Für mich ist die Sache mit dem Tagebuch schreiben klar. Gehört zum Urlaub, macht Spaß, hat ganz viel Sinn. Punkt. Aber so einfach ist es dann wohl doch nicht und ich habe mir mal so meine Gedanken zu diesem Thema gemacht.

Irgendwie bin ich immer davon ausgegangen, dass jeder ein Urlaubstagebuch führt. Für mich und meine Familie hat das immer zum Reisen dazu gehört. Meine Eltern haben sich Notizen gemacht und ich dann, sobald ich schreiben konnte, auch.

Die Art des Schreibens und die Bücher haben sich natürlich im Laufe der Zeit etwas verändert, aber das Prinzip ist gleich geblieben. Aufschreiben um zu verarbeiten und um zu erinnern.

Ich erlebe täglich beim Reisen soviel, dass es unmöglich ist für mich, das alles zu behalten. So fallen mir beim Lesen wieder Sachen ein, die ich schon wieder völlig vergessen hatte: “Ach so hieß dieses unglaublich gute Restaurant in GruissanAch Quatsch, das habe ich wirklich gemacht…? Und wo ist eigentlich das Tuch abgeblieben, was ich mir damals in Nairobi gekauft habe?”

Tagebuch

Außerdem muss ich Reisen auch immer lange verarbeiten. Irgendwie komme ich nie so richtig an und habe einen starken After Travel Blues. Allerdings bin ich auch der Meinung, das es ohne Tagebuch noch schlimmer wäre. So habe ich jeden Tag ein wenig Zeit, um über vergangenes nachzudenken und es aufs Papier zu bringen. Ich kann die ganzen, wirren Gedankenströme ordnen und nicht mehr alles prasselt auf mich ein. Hinzukommt, dass mir das Schreiben kleine Ruhepausen verschafft. Während ich mich auf Erlebtes konzentriere, blende ich alles andere aus und bin für mich. Manchmal kann dieses Luft holen in großen Gruppen oder chaotischen Städten, sehr erholsam sein. Des weiteren kann sich auch hinter seinem Tagebuch verstecken. Das ist z.B. hilfreich, wenn man mal nicht reden will, oder nicht weiß wo man hinschauen soll ( so geht es mir gerade zufällig. Kopf senken und schreiben).

Andererseits ist es aber auch ein toller door opener. Wenn man mit anderen unterwegs ist, gibt es immer diese eine Person, die wissen will was man schreibt. Wenn es sich dabei um eine Person handelt, die nicht deine Sprache spricht, kann das viel Spaß bringen. Lass sie z.B. versuchen aus deinem Tagebuch vor zu lesen oder erzähl ihr einfach etwas ganz anderes, falls dir deine Worte zu privat sind.

Außerdem wird es auch immer jemanden geben, der nicht mit dem Schreiben hinter her kommt und sich dann freut, wenn du up to date bist.

Das aller schönste am Schreiben ist für mich aber, dass man sein Buch so individuell, wie man nur mag, gestalten kann.
Ich liebe es vor mich hin zu kritzeln, Fahrkarten und Eintrittskarten aufzubewahren, oder auch kleine Anekdoten rein zu schreiben. Ich frage mich immer, wo Menschen ohne Tagebuch all diese kleinen Erinnerungsjuwelen aufbewahren? Oder werden die einfach weggeschmissen? Für mich ein Ding der Unmöglichkeit. Während des Reisens wird jeder noch so kleine Schnipsel zum Schatz und jede gefundene Feder zum Juwel.

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Ich denke, dass viele vom Schreiben abgeschreckt werden, weil sie befürchten ALLES aufschreiben zu müssen. Dabei kann jede noch so kleine Notiz eine spätere Erinnerung sein. Wenn ich z.B. “16.08.2014, 4:45 Uhr, arschkalt, aber voller Freude” lesen würde, würden unendliche viele Erinnerungen hoch kommen.

Aber letztendlich muss das wohl jeder für sich entscheiden. Ich jedoch komme ohne mein Urlaubstagebuch nicht mehr aus. Ich freue mich da drauf, wenn ich alt bin, mir meine Bücher zu schnappen und zu stöbern. So träume ich mich dann wieder an entlegene Orte und exotische Ziele. Und bis dahin schreibe ich fleißig weiter und fülle Seite um Seite.

9 Kommentare

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  4. Hallo Lynn,
    früher habe ich viel Tagebuch geschrieben. Erst durch meine Reisen bin ich wieder zum Tagebuchschreiben gekommen. Ich liebe es Eintrittskarten und andere Kleinigkeiten aufzuheben, die ich hineinklebe. Ohne mein Tagebuch würde ich bei viele Geschichten und Erlebnisse vergessen. Du erlebst so viel unterwegs.

    Es ist immer wieder schön, später darin zu blättern. Außerdem habe ich auch einen Rückkehr-Blues nach dem Urlaub. Da will ich mich an die schönen Tage erinnern.

    Lieben Gruß
    Renate

    • lieschenradieschen

      Hallo Liebe Renate,

      zu Hause habe ich es auch immer wieder angefangen und dann wieder schleifen lassen, aber auf Reisen ist es einfach ein festes Ritual geworden. Genau wie du klebe ich einfach unglaublich gerne kleine Dinge ein, die ich unterwegs gefunden habe.

      Ja, der fiese Rückkehr-Blues… Ein Tagebuch hilft da tatsächlich sehr!

      Vielen Dank für dein Kommentar und liebe Grüße,
      Lynn

  5. Beifall fuer dein page ueber Marrakech , ich hab gerne deinen Reisebericht gelesen bis auf ueber den jardin Majorelle, welche ich bewundert habe.

    Zum Blues nach der Reise ist meine Methode wie folgt: sofort meinen Reisebericht auf meinem Page (wir sagen blog) schreiben und auf Fragen und Kommentaren von internetreisenden antworten. In Frankreich sind es http://www.routard.fr und voyageforum.com

    Existieren solche deutsche Foren? Welche?

    Viele gruesse an dich

    Odile

    • lieschenradieschen

      Hallo Odile,

      freut mich das dir mein Beitrag gefallen hat.
      Ja! Das hilft mir auch immer total mit dem Blues.

      Solche Foren sind mir in Deutschland gar nicht bekannt. Aber die gib es sicherlich auch 🙂

      Liebe Grüße,
      Lynn

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