Das Mountain Kingdom: über den Sani Pass nach Lesotho

Der höchste Pub Afrikas am Sani Pass in Lesotho

Nahezu mystisch erheben sich die Berge über uns. Irgendwo dort oben verbirgt sich ein mir unbekanntes Land. Wir wollen über den Sani Pass nach Lesotho und einen kleinen Teil dieses Königreichs in den Bergen erkunden. Dazu müssen wir allerdings erstmal 1330 Höhenmeter auf 6,5 Kilometer überwinden – das macht den Sani Pass zur drittsteilsten Passstraße der Welt!

Eines der letzten automobilen Abenteuer in Südafrika

Es ist Winter in Südafrika. Morgens und Abends ist es bitter kalt und wir freuen uns, über jeden wärmenden Ofen im Nacken. Besonders in den Drakensbergen können die Temperaturen nachts um den Gefrierpunkt fallen und nicht selten fällt Schnee. Kommt es zu so einem Wintereinbruch, wird der Sani Pass nach Lesotho für Reisende gesperrt. Zum Glück ist dieser Winter 2017 ein sehr milder und für uns ist die Straße frei.

Da wir zum einen kein Allrad Fahrzeug haben und zum anderen uns auch die nötige Erfahrung fehlt, buchen wir uns in eine der Touren ein, die von Underberg starten. Neben einem belgischen Pärchen sind wir die einzigen Gäste und ich kann neben unserem Guide William vorne Platz nehmen. Von hier aus habe ich eine wunderbare Aussicht auf die Straße, die vor uns liegt.

Blick über das Auto von Sani Pass Tours auf den Sani Pass

Auf geht´s über den Sani Pass nach Lesotho!

Zunächst fahren wir einige Kilometer bis zum eigentlichen Pass. Schon hier erheben sich die Berge spektakulär und ich kann mir kaum vorstellen, wie sich ein Auto dort seinen Weg suchen soll. Aber es gibt ihn, den Sani Pass. Versteckt zwischen zwei Bergen können wir ihn am Horizont erahnen. Mich packt die Vorfreude auf dieses kleine Abenteuer!

Zu Beginn ist die Straße sogar noch etwas asphaltiert, das hört allerdings schnell auf und spätestens nach dem südafrikanischen Grenzposten wird es abenteuerlich. Es ist schwer in Worte zu fassen, wie mächtig diese Bergwelt auf mich wirkt. Das Auto in welchem wir sitzen hat ordentlich zu tun und ich höre den Motor brummen. Serpentine um Serpentine schlängeln wir uns nach oben. An einem gefrorenen Wasserfall halten wir für Fotos. Kaum zu glauben, dass wir uns gerade in Afrika befinden! Die Bilder die man zu diesem Kontinent im Kopf hat, sehen meist doch anders aus.

Südafrikanischer Grenzposten am Sani Pass

Gefrorener Wasserfall am Sani Pass

Es dauert eine gute Stunde, bis wir den Pass hinter uns lassen und auf dem Hochland Lesothos ankommen. Die Grenzkontrollen verlaufen sehr unproblematisch, man ist schließlich an Touren aus Südafrika kommend, gewöhnt. Ich für meinen Teil fühle mich so weit von Südafrika entfernt, ich könnte auch auf dem Mond sein. Und so sieht es in diesem Teil Lesothos auch aus. Eine karge Felslandschaft, unterbrochen von einigen kleinen Hüten und dem höchsten Pub Afrikas.

Gebäude am Sani Pass in Lesotho

Toilettengebäude am Sani Pass in Lesotho

Besuch in einem Basotho Dorf

Für mich kommt nun der unangenehme Teil der Tour. Bevor wir nämlich in den Pub einkehren, besuchen wir noch ein kleines Dorf der hiesigen Bevölkerung. Ich bin kein Fan dieser Besuche. Wenn möchte ich komplett in das dörfliche Leben eintauchen und nicht nur für wenige Minuten “die Anderen” beäugen. Dementsprechend unwohl fühle ich mich auch. Hinzukommt, dass ich mich den ganzen Tag schon nicht gut fühle, eine Erkältung ist im Anmarsch. Nachdem wir in einer Hütte das typische Brot probieren, welches wirklich überraschend lecker ist, baut mein Kreislauf ab. Schnell flüchte ich mich ins warme Auto, trinke erstmal etwas und nehme eine Tablette.

Hütte der Basotho am Sani Pass

Basotho Pony am Sani Pass in Lesotho

Der höchste Pub Afrikas

Nicht unweit vom Sani Pass befindet sich der höchste Pub Afrikas. Leider geht es mir immer noch nicht besser und ich verziehe mich wie ein kleines Häufchen Elend in das Gebäude. Hier finde ich einen Ofen an dem ich mich wärmen kann. Zum Mittag gibt es nur ein kleines Süppchen und ich fühle mich auch nicht danach, das lokale Bier zu probieren. Schade, denn das hätte ich wirklich gerne gemacht!

Zum Glück fängt dann die Tablette doch an zu wirken und ich kann nach dem Essen noch etwas die Gegend erkunden. Wie herrlich doch diese endlosen Weiten sind und vor allem diese Ruhe. Bald müssen wir leider wieder los, aber ich probiere alles auf einmal in mich einzusaugen. Ich kann einfach nicht genug bekommen, dass ist Afrika für mich!

Karges Grasland am Sani Pass in Lesotho

Runter über den Sani Pass

Der Sani Pass ist tatsächlich die einzige Straße, die Lesotho und die südafrikanische Provinz KwaZulu/Natal verbindet. Und aus diesem Grund nehmen wir natürlich auch den gleichen Weg wieder zurück. Bergab finde ich das Fahren sogar noch aufregender, als den Pass hoch. Wahnsinn wie tief es hier runter geht.

Auch haben wir noch eine für mich sehr berührende Begegnung, mit einem Mann, der mehrmals in der Woche den Pass geht, um Feuerholz zu sammeln. Dort oben in Lesotho gibt es so gut wie keine brennbaren Materialien und er muss immer erst bis zur Baumgrenze gehen. Wie gut wir es doch in unserem Leben haben, denke ich mir…

Schild am Sani Pass

Serpentinen am Sani Pass

Nachdem wir die Serpentinen hinter uns lassen, fallen mir immer wieder die Augen zu. Leider geht es mir nicht besser und ich bin einfach total erschlagen von dem Tag. Wach werde ich nur, als wir vereinzelt Wildtiere sehen, wie kleine Klippspringer, Paviane, Elenantilopen und viele bunte Vögel.

Zurück mache ich dann drei Kreuze und danke meinem Körper. Ich falle nämlich sofort aufs Bett und merke, wie schlecht es mir eigentlich geht. Danke das ich doch den Tag so gut durchgehalten habe und es sogar genießen konnte.

Rund um den Sani Pass

Übernachtet haben wir in der Elgin Farm in der Nähe von Underberg. Auf dieser Farm, die immer noch einen Milchviehbetrieb hat, haben die Besitzer eine wunderbare Oase geschaffen. Man blickt von den gemütlichen Cottages direkt auf den See und vor allem die drei super lieben Schäferhunde haben es mir angetan. 

Von dort wurden wir auch von Sani Pass Tours abgeholt. Unsere Tour hat knapp 55€ gekostet und war wirklich jeden Cent wert.

Gut Essen gehen kann man übrigens in der Old Hatchery. Hier gibt es vor allem gute Forelle und es ist gerade im Winter sehr gemütlich, mit dem Bollerofen. 

Grenze zu Lesotho am Sani Pass

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