Annis Zeit auf La Réunion

“Wenn man da dann drauf beißt, dann macht das so schmatz”

Mit 15 Jahren auf eine ferne Insel mitten im Indischen Ozean? Dort drei Monate bei einer Gastfamilie leben und zur Schule gehen? Klingt mutig? Finde ich auch und deshalb habe ich mir Anni von Annis Voyage geschnappt und sie zu ihrer Zeit und ihrem Schüleraustausch auf La Réunion, zwischen Chamäleons, falschen Macarons und allerhand anderen, spannenden Erlebnissen, ausgefagt.

Stell dich nochmal kurz vor. Wie heiß du? Wo kommst du her?

Ich heiße Anni, bin 15 Jahre alt und komme vom Bodensee. Da gehe ich auch auf ein Gymnasium und lerne seit ungefähr 4 Jahren Französisch als 2. Fremdsprache.

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Wie kam es dazu, dass du einen Schüleraustausch nach La Réunion gemacht hast?

Das war ehrlich gesagt Zufall. Am Anfang dachte ich sogar, “die Insel” von der meine Austauschschülerin geschrieben hatte, wäre in Küstennähe des Festlands. Dass sie dann aber doch in den Tropen zwischen Madagaskar und Mauritius liegt, hat mich etwas überrascht. Das war aber auch der Moment ab dem ich pausenlos davon geschwärmt habe und gar nicht richtig daran geglaubt habe, dass das alles klappen könnte. Letztendlich war das allerdings der Fall und mein kleines Abenteuer war fertig geplant!

Was wirst du zu Hause vermissen?

Hmmm… auf jeden Fall das frische Baguette! Und dann noch ganz klar das Meer oder allein die Aussicht auf das Meer. Ich weiß nicht, das hat so eine beruhigende Wirkung…!

Freust du dich denn wieder daheim zu sein?

Ja, auf jeden Fall. Es war… ein wenig schwierig in einer Gastfamilie zu leben. Es ist als wärst du Teil der Familie, hast aber nur die Rechte eines Gasts, wirst allerdings nicht wie einer behandelt. Ich denke, das beschreibt es ganz gut. Es ist auf jeden Fall ein tolles Gefühl zu Tür zu gehen, sie selbst aufzumachen, rauszugehen und einfach irgendwohin zu laufen.

Was war das Verrückteste, was du erlebt hast?

Schwer zu sagen. Mir sind viele verrückte Sachen begegnet. Von deutschen an einem einsamen Strand, rosanen Bananen, ganze Säcke Reis,… Aber Krebsi war wirklich verrückt. Als ich einmal am Strand Muscheln gesammelt habe, fand ich eine besonders Schöne. Hab ich natürlich mitgenommen. Aber nur um wenige Sekunden später aufzuschreien und die Muscheln von mir zu schmeißen, weil sich etwas in meiner Hand bewegt hat. Tote Muscheln bewegen sich nicht! Wie sich dann herausgestellt hat, lebte in der hübschen Muschel ein glubschäugiger Einsiedler-Krebs!

Und was war das verrückteste Essen?

Da gibt es eigentlich vor allem 3 Sachen. Einmal das gebratene Huhn an Ostern und die damit verbundene Kralle, die mein Gastvater genüsslich abgeschleckt hat und das darauf folgende Gespräch dadrüber, das Gehirn wohl auch ganz lecker sei… Lässt sich, fürchte ich, drüber streiten.
Das zweite waren die Wespenlarven, die Leute für ziemlich viel Geld kaufen. Einmal kam der Nachbar un hat ein kleines Wespennest aus dem Gestrüpp geholt. Ich kann mir ja noch nicht einmal vorstellen die Dinger frittiert zu essen. Aber der hat das einfach lebendig in den Mund genommen! (Kommen wir zurück zum Ostergespräch: “Wenn mn da dann drauf beißt, dann macht das so schmatz”).
Und das dritte waren die Vanille-Macarons auf einer Hochzeit, die keine Vanille-Macarons waren. Uh, allein bei dem Gedanken daran, wird mir immer noch schlecht! Meine Gastmutter meinte anfangs es wären welche, also habe ich mir als Macarons-Fan schlecht hin eins genommen. Nach dem ersten Bissen stellte es sich heraus, dass die Füllung salzig ist. Und später am Abend habe ich herausgefunden, dass es Gänse-Leber war! Seitdem bin ich vorsichtig, was “Vanille”-Macarons angeht.

Kein Heimweh gehabt?

Heimweh würde ich das nicht unbedingt nennen. Ich wollte nur unbedingt wieder mit jemanden ein richtiges Gespräch führen und selber entscheiden können, was ich mache.

Ich liebe ja Chamäleons, wie war deine Begegnung mit einem?

Das erste Mal habe ich eins am Straßenrand gesehen. Das war wirklich surreal. Ein echtes Chamäleon, nicht hinter dicken Glasscheiben im Zoo! Und es war so wunderschön!

Mein Gastvater hat es dann in die Hand genommen und ich konnte es anfassen. Diese Füßchen sind erstaunlich stark und vom mangogelben Mund mit den scharfen Zähnchen ganz zu schweigen!
Kurz drauf war dann ein Chamälein-Paar im Garten. Und bei dem Sonnenschein habe ich gleich die Chance zum Fotografieren genutzt.
Aber einmal habe ich sogar vor Freude geschrien! Da saß ein BABY-CHAMÄLEON im Busch am Straßenrand. Das war wie ein großes Chamäleon, aber in Miniatur und nicht bissig. Meine Freundin hat es dann auf die Hand genommen und dann ist es von ihrer Hand auf meine Hand und so weiter gelaufen.

 
Was unterscheidet die Schule auf La Réunion zu Deutschland?
Ich gebs zu, die Schule dort ist wirklich unnötig lange. Ich habe ein Lyceé besucht, also die Oberstufe sozusagen und hatte jeden Tag außer Mittwochs bis um 17 Uhr Schule. Da bleibt wirklich keine Zeit für Hobbies. Und dabei haben sie letztendlich nicht viel mehr Schule als wir. Sie haben nämlich wirkliche viele und längere Pausen als wir.
Und dann gibt es noch die Fächerkombinationen wie Physique-Chimie oder Histoire-Géo, bei denen ich immer noch nicht verstehe, wie man diese Fachbereiche mischen kann.

 

 Wahrscheinlich sprichst du jetzt fließend Französisch, oder?
Mein Französisch ist auf jeden Fall besser geworden. Ich konnte schon davor ganz gut sprechen, aber jetzt verstehe ich wirklich (fast) alles. Es gibt immer noch Vokabellücken, die man in 3 Monaten nicht füllen kann, aber es reicht aus.
Aber was mir noch aufgefallen ist, ist dass ich mir der deutschen Sprache jetzt um einiges bewusster bin und ziemlich viele Fremdwörter gefunden habe, die dem Französischen extrem nahe liegen oder die man nur ein wenig umformen muss. Zum Beispiel, Kapitel und Chapitre, oder vielleicht etwas eindeutiger observation und das deutsche Observation.

Und nun zum Schluss: dein allerliebstes Foto?

Ich habe über 35 GB Fotos gemacht. Da wir es sehr schwer, das “schönste” rauszusuchen. Aber zu meinen Favoriten gehört dieses Bild mit Sonnenuntergang an einem der schwarzen Sandstrände dort.

Liebe Anni, vielen Dank für das tolle Interview! Ich freue mich sehr von deinen kommenden Reisen zu lesen.
Wenn ihr die Geschichte rund um Anni und ihren Schüleraustausch lesen wollt, schaut doch mal auf ihrem Blog vorbei.

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