Camping Roadtrip entlang der polnischen Ostseeküste

Strandaufgang an der polnische Ostseeküste

Tipps, Sehenswürdigkeiten und eine Portion Meeresrauschen

Das man sich die schönsten Strände erarbeiten muss, merke ich spätesten, als meine Mama und ich völlig verschwitzt den letzten Dünenkamm erklimmen und sich vor uns endlich das tiefe Blau der polnischen Ostsee zeigt. Kontrastiert wird es vom hellen Sand des Strandes, der sich vor uns ausbreitet. Spätestens jetzt muss man die Schuhe ausziehen, denn die feinen Sandkörner sind eine wahre Wohltat an den Füßen, genauso wie das Meeresrauschen Balsam für die Seele ist.

In diesem Blogbeitrag nehme ich dich mit zu meinen persönlichen Lieblingsorten entlang der polnischen Ostseeküste, die ich auf einem Camping Roadtrip im Sommer 2021 erleben durfte. Eine fabelhafte Zeit mit bädern in der Ostsee, frischem Fisch und Leuchttürmen.

Wanderwege entlang des Strands im Slowinzischen Nationalpark

7 Tage polnische Ostseeküste – Unterwegs zwischen Szczecin (Stettin) und Gdańsk (Danzig)

Unser Campingplatz am Nationalpark Wolin

Von Hannover aus sind wir den ersten Tag quer durch die Uckermark gefahren, haben Szczecin zunächst „links liegen gelassen“ und sind in Dziwnówek, direkt an der polnischen Ostseeküste, angekommen. Hier auf dem Wikinger Camping, waren wir nur wenige Minuten von der See entfernt und konnten das Rauschen der Wellen im Zelt hören.

Apropos Zelt, dieses wurde nach langer Zeit mal wieder genutzt und dementsprechend schwerfällig war das Spannen der Stangen. Dies war aber nicht die eigentliche Herausforderung, sondern dass eine Stange meiner Pritsche fehlte und ich deshalb die nächsten Tage auf einer knallpinken Luftmatratze für 4€ aus dem Campingplatzshop verbringen durfte. Diese war allerdings überraschend gut und im Shop konnten wir uns auch noch mit kleinen Snacks, Bier und Frühstück für den kommenden Tag ausstatten. Alles halb so wild und obendrauf das Learning, das Material einfach vorab nochmal zu checken. Lektion gelernt.

Der Campingplatz war sehr ordentlich, wenn auch relativ eng. Allerdings sind wir auch mitten in die polnischen Sommerferien gekommen und viele Familien haben Urlaub im eigenen Land gemacht. Überraschenderweise war es gegen 22 Uhr aber immer ruhig und gefühlt wurde in den sanitären Anlagen nach jedem Dusch- oder Toilettengang geputzt. Auch das angegliederte Restaurant war überraschend gut.

Natürlich sind wir auch gleich abends noch zum Strand und durften die letzten Ausläufer eines Sturmtiefs beobachten, welches eine einmalige Stimmung zauberte. Dziwnówek hat uns allerdings nicht vom Hocker gehauen. Wie in vielen anderen Städten auch, die wir noch besuchen sollten, gab es viel Halligalli in Form von kleinen Buden und Spielautomaten (es ist eben auch eine bei Tourist*innen beliebte Gegend). Auch mussten wir hier feststellen, dass die Restaurants früh schließen und es schwierig ist nach 20 Uhr etwas zu essen zubekommen.

Stürmische Ostsee mit wolkenverhangenem Himmel und Rettungsboot und Ausguck.

Tagesausflug in den Nationalpark Wolin

Nach einer überraschend guten ersten Nacht sind wir in Richtung Westen in den Nationalpark Wolin aufgebrochen. Hier sind wir zunächst nach Miedzyzdroje gefahren, um uns die Stadt anzuschauen. Es gibt überall privatbetrieben Parkplätze und es sollte kein Problem sein, mit dem PKW irgendwo unterzukommen. Auch in Miedzyzdroje war unglaublich viel los und wir haben uns beinahe auf die Seebrücke gerettet, um dem Trubel zu entkommen. Mit Blick auf die höchsten Klippen Polens, sie fallen hier zum Teil mehr als 90 Meter in die Tiefe, verspeisten wir ein ausgesprochen gutes Fischbrötchen. Dies hebt die Stimmung ungemein und wir brachen zur Aussichtsplattform von Gosań auf. Hier gibt es eine gute Parkmöglichkeit und nach einem schönen Weg durch die naturbelassenen Wälder des Nationalparks, erstreckt sich vor einem ein schöner Panoramablick über die Küste. Stichwort Wälder, diese haben es mir immer wieder auf unserer Reise angetan, so schön und wild sind sie zum Teil.

Weiter ging es zu meinem absoluten Highlight, welches wir eher per Zufall entdeckten. Da wir die Abzweigung nach Wolin irgendwie verpassten, sind wir bis nach Lubin gefahren, wo die Straße dann auch endet. Hier überblickt man das Stettiner Haff und schaut von der Grodzisko Tarasy Widokowe auf ein wahres Paradies für Vögel. Als wir dort ankamen, sahen wir gerade zwei Seeadler in der Ferne verschwinden. Gänsehaut pur! Neben einigen historischen Erklärung zu Lubin und der besagten Aussichtsterrasse, gibt es dort auch ein tolles Café. Auf Liegestühlen und bei lecker Limo und Waffel mit Früchten, genießen wir hier den Blick aufs Haff. Auch ein leicht einsetzender Nieselregen kann uns dabei nicht die Stimmung vermiesen.

Über Wolin, das uns leider enttäuscht hat, treten wir den Heimweg an und haben am Nachmittag noch genug Zeit, um ein erstes Bad in der Ostsee zu nehmen. Wunderbar!

Wunderbare Aussicht aufs Stettiner Haff von Lubin aus

Łeba als Basis für Ausflüge in den Slowinzischen Nationalpark und darüber hinaus

Für die nächsten fünf Nächte schlugen wir dann unser Lager in Łeba auf, das als Eingangstor zum Slowinzischen Nationalpark gilt. Łeba ist ebenfalls sehr trubelig und unser Campingplatz war so lange schön, bis zwei Busladungen mit Jugendlichen ankommen, die im Party Modus waren. Im Rückblick würde ich vermutlich einen Campingplatz oder eine Unterkunft in Smołdziński Las empfehlen, dass mir wesentlich ruhiger und sympathischer vorkam.

Generell kann ich vielleicht an dieser Stelle auch ein Zwischenfazit für die polnische Ostseeküste ziehen. Die Natur ist einfach einmalig und ohne Abzüge eine Reise wert. Umgekehrt waren mir die Orte, die wir gesehen haben, mit einigen wenige Ausnahmen einfach zu viel. Es mag an den Menschenmassen liegen, der Hitze oder das ich mit falschen Erwartungen gereist bin, aber sie haben mich nicht wirklich getouched.

Dennoch war auch der Campingplatz in Łeba sehr ordentlich, es gibt süße kleine Holzhütten, ein Schwimmbad und eine gute Infrastruktur in unmittelbarer Nähe. Unser Campingplatz gehörte auch noch zu den kleineren in der Region und die Partytourist*innen waren wohl einfach auch ein bisschen Pech. Łeba eignet sich hervorragend für Ausflüge in den nahegelegenen Slowinzischen Nationalpark und darüber hinaus auch nach Gdańsk und die Halbinsel Hel.

Fischereihafen von Leba

Baden rund um Łeba – meine Lieblingsstrände

Besagte Eingangsszene spielte sich im Slowinzischen Nationalpark ab. Eigentlich wollten wir eine kleine Runde über einen Leuchtturm gehen, um zum Strand zu gelangen. Leider wurde dieser Weg umgeleitet und da wir die Umleitung nicht verstanden, sind wir einen deutlichen längeren Weg gegangen, der uns mitten in die berühmte Dünenlandschaft des Nationalparks brachte. Einerseits natürlich eine wahnsinnig beeindruckende Landschaft, andererseits waren wir nur bedingt drauf eingestellt und wollten eigentlich baden. Aber wie bereits erwähnt, die schönsten Strände muss man sich erarbeiten und der Strand bei Smołdziński Las gehört sicherlich dazu. Auf dem Rückweg sind wir auch noch am Leuchtturm vorbeigekommen und konnten die Verwirrung aufklären.

Im Slowinzischen Nationalpark gibt es offizielle Parkplätze der Nationalparkbehörde, wo man in den Sommermonaten eine Schutzgebühr bezahlt, die zum Erhalt des Nationalparks beiträgt. Dort kann man auch Kartenmaterial erwerben. Generell an dieser Stelle der Hinweis, dass vieles in Polnisch ausgeschildert ist und nicht in Englisch. Auch sprechen viele Menschen kein bis wenig Englisch. Irgendwie klappt es aber trotzdem doch immer mit der Kommunikation.

Strandaufgang an der polnischen Ostseeküste

Ein weiterer schöner Strandabschnitt ist von Łeba aus deutlich einfacherer zu erreichen. Am Parkplatz Rąbka geht man rund 1 Kilometer geradeaus, ehe man wieder an einem sehr schönen Strandabschnitt rauskommt. Ich bin immer noch total erfüllt vom feinen und hellen Sand, dem malerischen Strandhafer und natürlich der einmaligen Ostsee.

Von dem Parkplatz kann man außerdem in E-Autos umsteigen, die einen näher an die beeindruckenden Wanderdünen bringen, für die der Slowinzische Nationalpark so bekannt ist. Noch einfacher und günstiger ist es, wenn man mit dem Rad fährt.

Weiße Dünen im Slowinzischen Nationalpark
Wunderschöne Wälder im Slowinzischen Nationalpark

Fisch essen in Łeba

In Łeba kann man ausgesprochen gut und vor allem auch frischen Fisch essen. Hier gibt es immer noch einen kleinen Fischereihafen, wo drumherum Buden stehen, an denen man sich geräucherten Fisch kaufen kann. Mein persönliches Highlight allerdings ist Smazalnia Ryb Stawros, ebenfalls am Hafen. In diesem Imbiss wird Fisch gegrillt und frittiert und ich habe lange nicht mehr so guten Zander gegessen. Dazu sitzt man auch noch schön im freien und kann die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Sehr schön ist auch das Cafe N 5 Palarnia Kawy, etwas weiter im Stadtzentrum.

Bestes Fischrestaurant in Leba

Tagesausflüge nach Gdańsk und Hel

Von Łeba aus haben wir zwei Tagesausflüge gemacht, die uns nach Gdańsk und zur Halbinsel Hel geführt haben. Dies war vom Fahraufwand absolut in Ordnung und für uns stressfreier, als nochmal den Campingplatz zu wechseln.

Für beide Orte kann ich nur empfehlen, lasst euch treiben. Die Altstadt von Gdańsk wurde im Krieg beinahe vollständig zerstört und danach zu über 90% wieder restauriert. An jeder Ecke gibt es deshalb scheinbar historische Gebäude, die unglaublich fotogen sind. Durch Gdańsk fließt die Motława, die von einigen Hebe- und Drehbrücken überspannt wird. Diese öffnen in regelmäßigen Abständen, um Boote durchzulassen. Für uns war diese eine willkommene Pause, um die Stadt und das rege Treiben auf sich wirken zu lassen.

Wir haben hervorragend Pizza bei OSTRO. Gegessen, die ich nur empfehlen kann. Man kann dort entweder mit Blick auf die Motława sitzen oder etwas abseits des Trubels auf der anderen Seite. Nicht nur die Pizza war hervorragend, sondern auch die Getränke, der Service, das Ambiente, ach einfach alles…

Panorama der Altstadt von Gdansk
Restaurant OSTRO in Gdansk

Auch auf Hel kann man nicht viel falsch machen. Auf der 34 Kilometer langen Landzunge gibt es eine Straße, die auf der einen Seite von der Frische Nehrung begrenzt wird und auf der anderen Seite von der Ostsee. Vor allem die ruhige Nehrungsseite ist bei Kitesurfer*innen beliebt. Ich hatte vorab viel von den schönen Stränden dort gelesen, muss allerdings sagen, dass mich die Strände im Slowinzischen Nationalpark deutlich mehr begeistert haben. Für einen Tagesausflug kann man aber ruhig das bunte Treiben auf sich wirken lassen, einen der Leuchttürme besuchen, im Meer baden und auf jeden Fall bei Dorsz I Spółka essen. Die Speisen sind im Vergleich zu anderen Restaurants etwas teurer, aber absolut raffiniert und köstlich! Eine Oase der Ruhe inmitten des Trubels von Hel.

Raffinierte Küche auf Hel
Leuchtturm auf Hel

Der letzte Stopp entlang der polnischen Ostseeküste – Szczecin

Auf dem Heimweg haben wir nochmal eine Nacht in Szczecin verbracht, ehe es wieder in Richtung Hannover ging. Ein wenig wehmütig war ich schon, als wir die schönen Ostseestrände verlassen mussten. Um die Städte war ich mit wenigen Ausnahmen eher nicht traurig. Irgendwie hatte ich mir das alles etwas ruhiger und pittoresquer vorgestellt. Umgekehrt steht Camping natürlich auch nicht unbedingt für Ruhe, vor allem nicht wenn Party-Jugendlich um einen herum wohnen und in Polen waren außerdem Sommerferien.

Mit Szczecin ging es uns dann ähnlich. Wir hatten uns leider zu wenig informiert und wusste nicht, dass die Altstadt durch den Krieg so stark zerstört wurde. Auf den zweiten Blick hat die Stadt allerdings mit Streetart, dem französischen Viertel (absolute Empfehlung), Blick auf die Oder und architektonischen Gegensätzen ihren Charme entfaltet.

Altes Rathaus in Stettin

Fazit zur polnischen Ostseeküste

Nach unserer Heimreise wurde ich natürlich auch gefragt, wie es mir gefallen hat und hier muss ich zweigeteilt mein Fazit ziehen. Die Natur war einmalig und ich glaube ich habe noch nie so schöne Strände gesehen, wie rund um den Slowinzischen Nationalpark. Mit den Orten hatte ich, abgesehen von Gdańsk, falsche Vorstellungen. Vielleicht würde ich nächstes Mal mehr recherchieren, wo mein Wohlfühlort sein könnte.

Was mich überrascht hat ist außerdem das gute Essen. Egal ob typisch deftige Küche entlang der Straße, wo sich ein Halt definitiv lohnt, oder kulinarischen Genüssen auf Hel und in Łeba, eigentlich haben wir nie schlecht gegessen. Und trotz mancher Sprachschwierigkeiten, haben wir uns immer irgendwie verständigen können.

Warst du schon mal an der polnischen Ostseeküste? Wie hat es dir gefallen?

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