Lebo´s Backpackers oder wie ich mit dem Fahrrad durch Soweto fuhr

Ich muss mich erstmal auf mein kleines Bett im Lebo´s Backpackers setzten. Noch vor wenigen Stunden bin ich zwischen den majestätischen Berggipfeln der Drakensberge aufgewacht und nun finde ich mich im Moloch von Johannesburg wieder. Genauer gesagt in den South Western Townships, denn Soweto liegt in Johannesburg. Hier will ich die nächsten zwei Nächte verbringen.

Herzlich Willkommen in Lebo´s Backpackers

Als ich den ersten Schock verdaut habe, fange ich neugierig an meine Umwelt wahrzunehmen. Ich befinde mich in einem Backpackers in Soweto. Dieser Zusammenschluss zahlreicher Townshipsiedlungen liegt im Südwesten von Johannesburg und hat eine bewegte Vergangenheit. Darüber möchte ich am nächsten Tag mehr erfahren.

Heute bin ich aber erstmal ganz damit beschäftigt, mein zu Hause für die nächsten zwei Tage zu erkunden. Zusammen mit meiner Mama bin ich in Lebo´s Backpackers eingecheckt. Nachdem wir am Vormittag unseren Mietwagen abgegeben hatten, wurden wir von einem freundlichen Herrn nach Orlando West – einem Stadtteil von Soweto – gefahren. Hier wurden wir gleich herzlich in Empfang genommen und uns unser Zimmer für die kommenden zwei Nächte gezeigt. Das Hostel macht einen sauberen Eindruck und alles ist freundlich eingerichtet, ich fange an, mich richtig wohlzufühlen.

Da wir gut 300 Kilometer gefahren sind und auch noch den Mietwagen abgeben mussten, sind wir gegen späten Nachmittag in Soweto angekommen. Als wir uns endlich fertig eingerichtet haben, ist es bereits dunkel und zeit fürs Abendessen. Dieses findet im Garten des Backpackers statt und nicht selten gibt es einen Braai (südafrikanisch für Grillen). Der Koch umfängt uns nicht nur sofort mit seiner Körpergröße, sondern auch mit seiner guten Laune. Mit einem freudigen ‘Mama’ und ‘Sissi’, werden wir ans Buffet gelockt. Irgendwie habe ich ja in Südafrika immer hunger und auch hier schlage ich mir den Teller voll. Das muss die frische Luft sein!

Nachdem Essen sitzen wir noch zusammen mit anderen Reisenden an einem großen Tisch. Da es Juli ist, kann es nachts auch schon mal empfindlich kalt werden und ich freue mich über die Feuertonnen. Etwas skurril ist sicherlich, dass im Garten von Lebo´s Backpackers Kaninchen und Hühner frei herumlaufen. So sorgt es für allgemeines Gelächter, als ein Huhn sich in der Nähe des Buffet verirrt und alle sich erstmal ordentlich erschrecken, über diesen kleinen schwarzen Schatten.

Mit dem Fahrrad durch Soweto

Am nächsten Morgen ist es endlich soweit. Wir haben uns vor allem in dem Backpackers in Soweto eingebucht, weil von hier aus die bekannten Fahrradtouren durch Soweto starten. Natürlich kann man an diesen aber auch teilnehmen, wenn man von außerhalb kommt. Uns hat allerdings die Idee gefallen, die lokale Community zu unterstützen. Zu Beginn der Tour stellt sich Lebo dann auch persönlich vor. Er erzählt uns, dass er das Backpackers in dem ehemaligen Haus seiner Großeltern eingerichtet hat. Zunächst fing er mit einigen wenigen Fahrrädern die Touren durch Soweto an, ehe er immer mehr dazu kaufte. Heute bietet er diese alternative Township Tour an, um Leuten seine Heimat zu zeigen. Denn Soweto ist nicht nur Armut und Wellblechhütten, sondern auch junge kreative Menschen und eine aufstrebende Mittelschicht. 

Lebo kauft alle Fahrräder in Soweto und stellt Menschen aus seiner Community ein. Dies hat nicht nur den Vorteil, dass das Geld in Orlando West bleibt, sondern gleichzeitig kreiert er auch ‘Role Models’, also Vorbilder. Wie wichtig das ist, verstehe ich erst später in meinem Praktikum. Denn häufig haben Kinder nur Erwachsene als Vorbilder, die mit den Gangs zu tun haben oder Drogen- oder Alkohol Missbrauchen. Umso wichtiger ist es zu sehen, dass Leute aus ihren Reihen ein geregeltes Einkommen haben und Wertschätzung erfahren.

Auf Tour durch Soweto

Soweto hat so unglaublich viele Facetten und hier von einer einfachen Township Tour zu sprechen, wäre zu kurz gegriffen. Nachdem wir unsere Fahrräder bekommen haben, radeln wir ganze vier Stunden durch Soweto. Natürlich gibt es hier viel Armut und auch die obligatorischen Wellblechhütten. Besonders bitter wird es, wenn man realisiert das direkt dahinter die Skyline von Johannesburg zu sehen ist. 

Aber es gibt auch andere Seiten. Ebenso wie einfach zusammengeschusterte Hütten, gibt es auch Einfamilienhäuser, die mehr oder weniger so bei uns stehen könnten. Soweto besteht aus vielen Facetten und wir bekommen nur einen Bruchteil davon zu sehen. So passieren wir ‘typische’ Haarsalons und kehren in eine Sheben ein und kosten sämtliche Innereien von Tieren. Genauso passieren wir aber auch gerade neu gebaute Highschools und Cafés und Restaurants. Eins wird aber sofort deutlich: Soweto ist bunt und aufregend!

Zufälligerweise ist heute auch noch ein ganz besonderer Samstag. Zum einen ist Pay-Day gewesen und die Menschen deshalb in besonders guter Laune. Und zum anderen spielen die zwei Soweto Fußballclubs Kaizer Chiefs und Orlando Pirates gegeneinander. Wir kreuzen also Menschen in Fußballtrikots, die Fahnen schwenkend ihrem Club zu jubeln. Eine phantastische Stimmung!

Viel, viel Geschichte

Sowetos Geschichte ist wahnsinnig spannend. Hier gab es nicht nur den Soweto Aufstand, bei dem Schüler*innen protestierten, weil Afrikaans statt Englisch als Unterrichtssprache eingeführt werden sollte. Auch Nelson Mandela und Desmond Tutu haben hier gelebt. Das sogar in einer Straße! Damit ist die Vilakazi Street die einzige Straße der Welt, wo zwei Friedensnobelpreisträger gelebt haben. Wenn du noch mehr über die Geschichte über Soweto wissen willst, kannst du dich hier… weiter schlau machen. 

Woher kommen eigentlich die Townships? Dies hat unterschiedliche Hintergründe. Ein fadenscheiniges Argument der Apartheid Regierung war die Hygiene. In den Innenstädten vor allem in Kapstadt und Johannesburg, kam es immer wieder zu Ausbrüchen von unterschiedlichen Krankheiten. Aus diesem Grund wurden die Townships außerhalb der Stadt gegründet. Hinzukam aber natürlich auch die “Rassentrennung”, die in der Zeit der Apartheid praktiziert wurde und auch heute noch tief in der südafrikanischen Gesellschaft verankert ist. Am liebsten wäre es dem Unrechtsregime gewesen, hätte die schwarze Bevölkerung außerhalb ihrer Sichtweite in den Homelands gelebt. Allerdings wurde sie immer noch zum Arbeiten benötigt, weswegen ebenfalls die Townships gegründet worden sind.

So hat sich nach und nach ein immer perfideres System entwickelt, um Menschen mit unterschiedlicher Hautfarbe auseinander zu halten. Wenn du mehr darüber wissen willst, lege ich dir sehr das Buch Farbenblind von Trevor Noah ans Herz. Dieser südafrikanische Comedian wuchs als Sohn eines Schweizers und einer Xhosa Frau auf. Ein hochbrisante Mischung zur Apartheid! 

Mein Fazit zu Lebo´s Backpackers und die Radtour durch Soweto

Es ist fast unmöglich wieder zu geben, wie spannend für mich die Radttour in Soweto war. Ich habe nicht nur das Gefühl unglaublich viel gelernt, sondern eben auch unglaublich viel gesehen zu haben. Eine tolle Erfahrung und vor allem auch ein unterstützenswertes Projekt, welches Lebo´s da auf die Beine gestellt hat. Im Lebo´s Backpackers gibt es übrigens nicht nur Radtouren, sondern auch viele andere Aktivitäten. Ein Aufenthalt lohnt sich auf jeden Fall. Hier… ist der Link zur Website vom Backpackers in Soweto.

Ich habe nach wie vor gemischte Gefühle zu Township Touren. Dies war meine erste in Südafrika, nachdem ich schon mal das Township in Swakopmund in Namibia, besuchen durfte. Bei Lebo´s hat es mir um einiges besser gefallen, da ich weniger das Gefühl hatte ein Eindringling zu sein. Dennoch stelle ich mir immer wieder die Frage, wie meine Gegenüber wohl über Township Tourismus denken. Ist es ihnen egal? Ärgern sie sich über die Besucher? Oder freuen sie sich, das andere Menschen sich für ihr Leben interessieren? Manchmal fehlt mir in der Hinsicht der direkte Kontakt mit den Menschen und ich hoffe in Zukunft in einen Dialog treten zu können.

Alles in allem war es aber eine großartige Erfahrung. Im Backpackers hatte ich mehr als genug Zeit mich mit den Mitarbeiter*innen zu unterhalten und so einen kleinen Eindruck davon zu bekommen, wie das Leben im South Western Township ist. Gerne komme ich nochmal nach Soweto zurück, um noch mehr in das alltägliche Leben in Orlando West einzutauchen.

Mehr Informationen zu Johannesburg findest du übrigens bei meinen Blogger Kolleg*innen:

Hast du schon mal an einer Township Tour teilgenommen? Wie waren deine Gefühle dazu? Oder würdest du gerne mal an einer Tour teilnehmen? Ich bin gespannt auf deine Meinung.

8 Kommentare

  1. Hi Lynn,

    Hier ist Flo – du hast bei uns vor einiger Zeit einen Kommentar auf unserem Blog hinterlassen (180daysafrica.ch), den ich zwar mehrheitlich als, naja, billige Werbung taxieren würde. Trotzdem wollte ich mir ein wenig Zeit nehmen und mich hier bei dir mal ein wenig Umschauen.
    Gefällt mir ganz gut was du machst, ziemlich viel und sehr bemüht auf jeden Fall. Und das schon länger, Respekt für den Durchhaltewillen. Den ganzen Networking- und Werbeaufwand, den du hier betreibst muss einiges an Zeit und Aufwand kosten, ich hoffe es lohnt sich für dich auch.

    Falls du ernsthaft sonst an Südafrika – insbesondere Johannesburg und dem Nordosten – interessiert bist, so meld dich doch bei Gelegenheit. Sei es für einen allgemeinen Austausch oder für Tipps und Touren. Du hast ja vielleicht auch schon die Bicycle Tour in Alex gesehen, die wir gemacht haben (zumindest hast du unter dem Artikel kommentiert), aber es gibt noch sooo viel mehr wirklich tolle Sachen in der Stadt!
    Und nimm dir das nächste Mal unbedingt einen halben Tag Zeit für das Apartheidmuseum. Das ist mir extrem eingefahren (nicht nur im negativen Sinne) und hat durchaus geprägt, sehr eindrücklich!

    Viel Vergnügen weiterhin beim Reisen und falls du mal in der Schweiz bist, dann meld dich doch, ich lade dich zum Trinken ein!

    Gruss,
    Flo

    • lieschenradieschen

      Hi Flo,

      schade das du mein Kommentar als solches abgetan hast. Ich habe mich ehrlich gefreut euren Blog zu entdecken und dachte es wäre schön, in einen Austausch zu kommen, aber den haben wir ja nun auch so :)

      Lieben Dank für deine Nachricht. Es ist wirklich viel Arbeit und durchhalte Vermögen. Eigentlich will man ja nur schreiben und seine Fotos zeigen und dann kommt noch so viel drumherum… aber das muss ich dir wahrscheinlich nicht erzählen.

      In Johannesburg habe ich noch so viel nicht gesehen. Ins Apartheid Museum möchte ich zum Beispiel schon seit meinem ersten Besuch, aber es hat sich leider zeitlich nie ergeben. Dafür habe ich eben einen interessanten Einblick in Soweto bekommen. Auch hier hat mir die Radttour sehr gut gefallen.

      Dein Angebot nehme ich natürlich gerne an! Vielleicht sieht man sich ja wirklich mal in der Schweiz :)

      Euch weiterhin viel Freude beim Reisen und Bloggen.

      Liebe Grüße,
      Lynn

      • Hi Lynn,

        Na dann entschuldige ich mich für mein Vorurteil – ich habe das wohl zu gesucht aufgefasst. Darf ich dich denn fragen, wie du überhaupt auf unsere Seite gekommen bist? Wir machen ja schliesslich kaum Werbung dafür.
        Und ich denke eines meiner (unserer) Hauptziele ist nicht nur von unseren Geschichten zu erzählen, sondern vor allem auch andere Leute damit zu begeistern, Vorurteile abzubauen und dazu ermutigen, selber solche Reisen zu machen – in welcher Art auch immer. Es freut mich immer sehr zu hören, wenn andere dieselbe Freude daran haben.

        Ja, dann unbedingt das mit Johannesburg nachholen, ich kann es wie gesagt nur empfehlen und gerade wenn man solche Erlebnisse wie z.B. deine Radtour schätzt, dann bietet Johannesburg soviel!

        Gruss,
        Flo

        • lieschenradieschen

          Hi Flo,

          ist nicht schlimm. Tatsächlich nutzen viele das Kommentarfeld ja nur, um ihre Links zu verschleudern. Das kenne ich auch nur zu gut. Und dem geschriebenen Wort fehlen dann manchmal doch die Emotionen :)
          Ehrlich gesagt kann ich mich jetzt gar nicht so richtig daran erinnern. Kann es sein, dass du oder ihr in einer der zahlreichen Kapstadt oder Südafrika Gruppen auf Facebook seid und dort etwas gepostet habt? Oder ich habe für einen Südafrika Artikel recherchiert und bin so auf euch gekommen. Eins von beiden wird es auf jeden Fall gewesen sein.
          Ich denke andere Leute zu begeistern schafft ihr auf jeden Fall! Ganz besonders gefallen mir auch eure Fotografien, da bekomme ich gleich immer wieder Fern(oder Heim-)weh.

          Johannesburg schreib ich mir auf jeden Fall auf die Fahne. Kommenden Dienstag geht es auch schon wieder nach Südafrika. Allerdings werde ich dieses Mal “nur” in der Kapregion bleiben. Trotzdem freue ich mich natürlich sehr.

  2. Monika Fuchs

    Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Radtour durch Soweto spannend ist. Dort war ich immer entweder zu Fuß oder mit Einheimischen unterwegs. Mich hat immer beeindruckt, welch unterschiedliche Viertel es dort gibt. Sicher gibt es die Squatter Camps, die sich auch nach der Apartheid bilden, und in denen sich die Leute wild ansiedeln, die frisch vom Land oder aus anderen Ländern Afrikas kommen. Es gibt aber auch – wie Du sagst – die Regionen, in denen sich Künstler niederlassen, oder die Villenviertel der reichen Bewohner von Soweto. Es ist ein hochspannender Mix.

    • lieschenradieschen

      Genau wie du sagst, es ist ein hochspannender Mix! Was für mich auch ein echtes AHA-Erlebnis war, zu merken, dass die Menschen mit Stolz sagen, dass sie aus Soweto kommen. In diesem Viertel entstehen so hochspannende Dinge, das es interessant ist, dort zu leben (natürlich auch mit Ausnahme der Squatter Camps, etc.)

      Vielen Dank für deinen Besuch und liebe Grüße,
      Lynn

  3. Das klingt wirklich echt spannend. Ich muss zugeben, dass ich noch nie in Afrika war und bei mir immer ein bisschen Angst mit im Spiel ist. eine Arbeitskollegin von früher stammt aus Südafrika und berichtete immer sehr trocken, dass ein Teil ihrer Familie auf offener Straße einfach erschossen wurde und das keine große Sache sei. Da mein Mann aber den großen Traum hat, mal für längere Zeit karitative Arbeit an verschiedenen Orten auf diesem Kontinent zu arbeiten, hoffe ich, dass ich meine Angst überwinden kann.

    Dein Bericht ist auf jeden Fall ein Grund, das Ziel demnächst in Angriff zu nehmen. Danke für diese schönen Worte und Bilder, ich fand, es wirkt sehr schön und einladend dort.

    Liebe Grüße
    Bettina von nonsoloamore.net

    • lieschenradieschen

      Hallo liebe Bettina,
      danke für dein Kommentar und deine lieben Worte, vielleicht dienen sie ja auch als Inspiration.
      Was deiner Kollegin passiert ist, ist natürlich grausam und leider auch die Realität in Südafrika. Trotzdem werden Reisende davon vermutlich nichts mitbekommen, da ein großer Teil der Gewalt sich in den Townships abspielt. Es ist ein wunderschönes Land, welches man mal besuchen sollte :) Noch schöner finde ich allerdings Namibia. Vielleicht eine schöne Alternative zu Südafrika.

      Viele liebe Grüße,
      Lynn

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