Ein Krankenhaus im Kongo – Robert Kösch

Hand die das Buch ein Krankenhaus im Kongo von Robert Kösch hält.

Ein Krankenhaus im Kongo – Wie ich bei einem Hilfseinsatz versuchte, die Welt ein bisschen besser zu machen, und warum das gar nicht mal so einfach ist
Rezension

Werbung, da Rezensionsexemplar

Als wir aufgelegt hatten, begann es wieder leicht zu schneien, und der Kongo war unendlich fern. Ich konnte kaum glauben, dass ich es war, der all das erlebt haben sollte. Ich hatte es immer wieder vor mir hergeschoben, einen Strich unter die Zeit im Kongo zu ziehen und zu rekapitulieren. Denn eine Frage stand im Raum und wurde immer lauter: Hatte es sich gelohnt?

Ein Krankenhaus im Kongo, Seite 274 – 275

Darum gehts in Ein Krankenhaus im Kongo

Robert hat im Leben im Grunde alles erreicht, was ihn glücklich machen sollte. Er hat nicht nur seinen Master in der Tasche sondern auch einen guten Job und in einer glücklichen Beziehung. Als er jedoch bei einem Gleitschirmflug lebensbedrohlich verletzt wird und sich langsam zurück ins Leben kämpft, steht für ihn fest, Träume sind dafür da, um sie so schnell wie möglich zu realisieren.

Bei seiner Rettung nach dem Unfall, beeindrucken ihn vor allem die Ärzt*innen, die um sein Leben kämpfen. Er will etwas zurück geben und schließt sich einer großen Organisation an, die in der Entwicklungszusammenarbeit tätig ist. Als Allround-Manager soll er beim Bau eines großen Krankenhaus im Osten der Demokratischen Republik Kongo helfen. Dabei ist nicht nur der Abschied von seiner Freundin, der Familie und den Freund*innen herausfordernd, sondern auch die zahlreichen neuen Eindrucke im Kongo und guter Letzt auch die Frage, was kann Entwicklungszusammenarbeit eigentlich leisten?

“Ein Krankenhaus im Kongo” lässt sich gut in einem Stück weg lesen und ist der gut erzählte Tatsachenbericht von Robert Kösch. In chronologischer Reihenfolge nimmt er die Leser*innenschaft mit, von seinem Unfall, über die ersten Tage im Kongo bis hin zum Ausbrauch des damals noch neuartigen Corona-Viruses.

Damit ist “Ein Krankenhaus im Kongo” nicht nur brandaktuell, sondern bietet auch einen interessanten Einblick in den Umgang mit dem Virus in einem anderen Land. Als wäre Corona allerdings nicht schon herausfordernd genug, werden die internationalen Helfer*innen auch immer wieder mit Gewalt und Entführungen konfrontiert.

Gleichzeitig merkt Robert aber auch schnell, dass der Kongo noch so viel mehr ist als all die Gewalt, die meist als einzige Nachricht aus diesem riesigen Land zu uns rüber schwappt. Er verliebt sich in träge Sonntage auf dem Tanganjikasee, tanzt und lacht mit seinen Kolleg*innen, den Einheimischen Kräften und Locals aus der nahen Umgebung.

Zwischen diesen beiden Extrem stellt sich Robert allerdings auch immer wieder die Frage, was Entwicklungszusammenarbeit eigentlich leisten kann und wo die Grenzen sind. Denn nicht alles, was auf den ersten Blick glänzt, ergibt auch wirklich einen Sinn oder hilft denen, wo es ankommen soll.

All diese ungeschönten Einblicke, machen “Ein Krankenhaus im Kongo” für mich zu weit mehr als einem bloßen Reisebuch, dass der Unterhaltung dient. Ich habe Eindrücke von einem Land erhalten, dass ich höchstens für seine Gorillas, Gewalt, Armut, Vulkane und Sapeurs kennen. Darüber hinaus fand ich das Hinterfragen der eigenen Arbeit und der, der Hilfsorganisationen äußerst interessant.

Ich selber habe viele Fragen an die Entwicklungszusammenarbeit (an dieser Stelle nicht zu verwechseln mit humanitärer Hilfe in Krisensituationen, die ich nicht hinterfrage und vollkommen gutheiße). Wie kann es sein, dass es schon so lange die Zusammenarbeit gibt und dennoch ändert sich in vielen Ländern wenig? Gibt es nicht auch ein Interesse, den Status Quo beizubehalten, wenn sich beim Erreichen der Ziele, die Organisationen selbst überflüssig machen würden? Inwiefern können sich Staaten und die Bewohner*innen selbst regulieren und einen eigenen Weg finden? Gleichermaßen müssen wir als Staatengemeinschaft zusammen halten, alte Wunden heilen und dafür sorgen, dass keine neuen aufreißen. Es ist eine schwierige Situation.

Um einen Blick hinter die Kulissen zu bekommen, kann ich “Ein Krankenhaus im Kongo” nur empfehlen. Gleichermaßen ist es auch ein spannender Erfahrungsbericht für alle, die nach Unterhaltung suchen.

EIN KRANKENHAUS IM KONGO

Ein Krankenhaus im Kongo – Wie ich bei einem Hilfseinsatz versuchte, die Welt ein bisschen besser zu machen, und warum das gar nicht mal so einfach ist
Robert Kösch
Softcover
288 Seiten | ISBN: 978-3958893993
16,95€ [D] über Amazon (Affiliate Link)


Disclaimer: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zum Rezensieren zur Verfügung gestellt. Dafür erstmal ein herzliches Dankeschön. Wie immer gilt aber, das Geschriebene spiegelt meine eigene Meinung wieder. Sollte mir etwas nicht gefallen, sage ich das auch. Ansonsten suche ich mir selber aus, welches Buch ich rezensieren möchte. Das heißt du wirst auf Lieschenradieschen nur authentische Leseberichte finden, die meinen eigenen Interessen entsprechen.

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