Schlagwort: Buch

Kreiseziehen – Über den Traum einer Frau vom Fliegen

Ein Hand hält den Roman Kreiseziehen von Maggie Shipstead vor eine hellblaue Wand

“Kreiseziehen” ist ein wunderbarer Roman über eine Frau Anfang des 20. Jahrhunderts, die nicht nur ein echter Wildfang ist sondern ihren Traum vom Fliegen verfolgt. Rund 100 Jahre später stößt die skandalumwitterte Schauspielerin Hadley Baxter auf die Pilotin Marian Graves und ist von ihrer Geschichte faszinierend. Ein Roman über Frauen, die sich keine Grenzen setzen lassen wollen und ihren Weg gehen.

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Die letzten Strahlen eines Sterns

Hand hält das Buch "Die letzten Strahlen eines Sterns" von Amanda Lee Koe gegen eine blaue Wand

Die letzten Strahlen eines Sterns
Amanda Lee Koe

Werbung, da Rezensionsexemplar

Das hier war ihre Welt, nicht die dort unten. Jeden Morgen summte Leni ihre Tonleiter, spürte das kitzelnde Murmeln ihrer eigenen Stimme in den Ohren, an den Wangen. Das Leben ist kurz, brummte sie, die Kunst ist lang. Bis die Tonleitern und Worte nur noch Luft waren, die durch den Kehlkopf vibrierte, und kein Zweifel mehr bestand, nur das eine klare Ziel: Ars longa – sie war für nichts anderes verantwortlich als dafür, den bestmöglichen Film zu machen – vita brevis.

Die letzten Strahlen eines Sterns, Seite 141
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Und Jetzt Du. Rassismuskritisch leben – Tupoka Ogette

Hand hält das Buch "Und jetzt du." von Tupoka Ogette gegen eine blaue Wand

Und Jetzt Du. Rassismuskritisch leben von Tupoka Ogette

Ich freue mich, nun immer wieder in Räume zu kommen, in denen Menschen Unsicherheiten spüren, weil sie es besser machen wollen. Weil sie begonnen haben zu reflektieren und den Status Quo hinterfragen wollen. Die Unsicherheit gehört zu der Auseinandersetzung dazu. Es sollte nicht das Ziel sein, sie loswerden zu wollen, sondern mit ihr leben zu können, sie aushalten zu lernen.

Und Jetzt Du., Seite 106
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Reise ohne Wiederkehr – ein Naturforscher im Senegal

Hand, die das Buch Reise ohne Wiederkehr von David Diop gegen eine Wand hält.

Reise ohne Wiederkehr oder die geheimen Hefte des Michel Adanson
David Diop

Werbung, da Rezensionsxemplar

Ich glaubte nicht an diese Kindereien. Aber sie zeigten mir, dass Menschen überall dort, wo sie ihre Macht erhalten wollen, Mittel und Wege finden, den Untergebenen eine heilige Furcht einzuflößen. Hinsichtlich ihrer Macht verhält sich der verbreitete Schrecken proportional zu ihrer Angst, die Macht zu verlieren.

Reise ohne Wiederkehr, Seite 90

Darum gehts in Reise ohne Wiederkehr

Als erster weiße Naturforscher reist der Botaniker Michel Adanson in den Senegal. Er verliebt sich in Land und Leute und erlebt seinen Aufenthalt als intensivste Zeit in seinem Leben. Nach seinem Tod hinterlässt er seiner Tochter Aglaia nicht nur allerhand Kuriositäten sondern sie findet auch seine versteckten Notizhefte. In diesen berichtet er seiner Tochter von der mysteriösen Maram, in der sich der junge Mann unsterblich verliebt hatte und dessen kurzes Aufeinandertreffen tragisch enden sollte.

Zunächst hat Adansons Reise in den Senegal das Ziel eine umfassende Enzyklopädie der afrikanischen Fauna zu erstellen. Als er allerdings von einer Frau erfährt, die der Sklaverei entkommen sein soll, macht er sich auf die Suche nach ihr. Er findet die Frau in Gestalt von Maram, die als Heilerin in einem Dorf lebt. Sofort verliebt sich Adanson in Maram und sieht gleichzeitig sein gesamtes, eurozentristisches Weltbild hinterfragt. Schließlich wird Maram von den französischen Sklavenhändler*innen doch entdeckt und Adanson begreift mit Schrecken, dass er sie nicht vor ihrem Schicksal retten kann.

“Reise ohne Wiederkehr” ist ein interessanter Roman über die Schrecken des Kolonialismus, der sich nicht scheut in die Abgründe zu blicken. Was die Lektüre so besonders macht ist einerseits, dass David Diop als französisch-senegalesischer Schriftsteller eine ganz eigene Stimme findet und sowohl europäische als auch afrikanische Akzente einfließen lassen kann. Andererseits handelt es sich bei “Reise ohne Wiederkehr” um eine wahre Geschichte, die lediglich durch die literarischen Freiheiten des Autors ausgeschmückt worden sind.

Trotz dieser Aspekte hatte ich meine Schwierigkeiten mit “Reise ohne Wiederkehr”. Ich finde die deutsche Übersetzung hat es sich zu leicht gemacht, dass “N-Wort” im Text beizubehalten und dies damit zu rechtfertigen, dass der Roman im 18. Jahrhundert spielt und der Begriff “nègre” eine andere Bedeutung hatte, als heutzutage. Dieses Argument habe ich schon zu oft gehört und sehe darin nach wie vor keine Ermächtigung, dass Wort weiter zu nutzen.

Hinzukommt, dass David Diop im Original zumeist in einem anderen kulturellen und sozialen Kontext gelesen wird, als seine deutsche Übersetzung für den deutschen Markt. Wörter behalten nun mal nicht die gleiche Bedeutung, wenn man sie übersetzt, sondern müssen auch in ihrem jeweiligen Kontext gesehen werden und für mich ist das “N-Wort” ein absolutes No-Go. Für viele Menschen ist es zutiefst belastend und triggernd, immer wieder in einem Text damit konfrontiert zu werden und somit auch ein Ausschlusskriterium, um “Reise ohne Wiederkehr” überhaupt zu lesen.

Abgesehen von der sprachlichen Kritik war mir “Reise ohne Wiederkehr” auch nicht rund genug. Zunächst handelt der Roman von Aglaia, die die Notizhefte ihres Vaters findet. Sobald sie in diese eintaucht, begleiten wir als Leser*innen Michel Adanson auf seiner Reise durch den Senegal. Hier ist der Roman recht kurzweilig und nach einiger Zeit bin ich in den Flow gekommen. Gerade die botanischen und kulturellen Beschreibungen fand ich interessant. Das der Bogen zurück zu Aglaia geschlagen wird und wir erfahren, was sie von den Notizen ihres Vaters hält, darauf wartete ich allerdings vergeblich.

Zu guter Letzt habe ich mich gefragt, was Maram wohl zu diesem Roman und insgesamt zu den Notizen von Adanson sagen würde. Ist die unsterbliche Liebe des Botanikers nur einseitig? Ist sie vielleicht die exotisch-kolonial geprägte Fantasie eines Mannes und projiziert er möglicherweise eine unbestimmte Sehnsucht nach Freiheit oder anderes auf Maram? Marams Stimme wird für immer ungehört bleiben und im Roman spricht sie weiterhin durch einen Mann zu uns Leser*innen.

Insgesamt war die Lektüre von “Reise ohne Wiederkehr” nicht schlecht, aber eben auch nicht herausragend. Vielleicht habe ich von David Diop, immerhin Preisträger des “International Brooker Prize 2021”, mehr erwartet oder ich habe mir vom Thema mehr erhofft. Der durch den Schmerz verursachten Kolonialismus wird zwar deutlich und doch ist der Roman für mich einfach nicht rund. Auch die viel zitierte Liebesgeschichte hat mich nicht wirklich berührt.

Vielleicht erging es dir ja ähnlich oder du hast eine ganz andere Meinung. Lass es mich gerne in den Kommentaren wissen. Ich bin gespannt.

REISE OHNE WIEDERKEHR

Reise ohne Wiederkehr oder die geheimen Hefte des Michel Adanson
David Diop

Übersetzung durch Andreas Jandl
Gebunden mit Schutzumschlag
238 Seiten | ISBN:  978-3351039615
22€ [D] über Amazon (Affiliate Link)


Disclaimer: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zum Rezensieren zur Verfügung gestellt. Dafür erstmal ein herzliches Dankeschön. Wie immer gilt aber, das Geschriebene spiegelt meine eigene Meinung wieder. Sollte mir etwas nicht gefallen, sage ich das auch. Ansonsten suche ich mir selber aus, welches Buch ich rezensieren möchte. Das heißt du wirst auf Lieschenradieschen nur authentische Leseberichte finden, die meinen eigenen Interessen entsprechen.

Die Lüge – Homosexualität in Russland

Hand die das Buch "Die Lüge" von Mikita Franko hochhält.

Die Lüge
Mikita Franko

Werbung, da Rezensionsexemplar

“Sag ihm, er soll aufhören, seine Komplexe wegen der männlichen Geschlechtsstereotypen, die ihm aufgezwungen werden, auf so einen netten Menschen, wie dich auszulagern.”
Ich blinzelte.
“Was?”
“Sag ihm einfach, er ist ein Idiot”, rief Slawa aus dem Nebenzimmer.

Die Lüge, Seite 56
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Die junge Frau und das Meer – Aufwachsen in Ostfriesland

Hand die das Buch "Die junge Frau und das Meer" hält

Die junge Frau und das Meer
Ostfriesland, das Wasser und ich

Werbung, da Rezensionsexemplar

Ich hatte an dem Tag gleich mehrere Aspekte gelernt: Nicht alle Opas operten. Es war schön einmal wie eine Erwachsene behandelt zu werden. Und wenn ich investierte, musste es immer antizyklisch sein. Was auch immer das heißen sollte.

Die junge Frau und das Meer, Seite 76
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