Südafrikas Northern Cape – Weshalb sich ein Besuch dieser abgelegenen Region lohnt

Ob es das Meer ist oder die roten Dünen der Kalahari, im Northern Cape von Südafrika findet man beides. Hier gibt es menschenleere Weiten, rote Dünenmeere und einmalige Sternenhimmel. Mächtige schwarzmähnige Löwen ziehen durch den Kgalagadi Transfrontier Nationalpark, Wassermassen donnern rauschen die Augrabies Falls hinunter und mit etwas Glück überzieht im Frühjahr ein buntes Blütenmeer das sonst so karge Namaqualand.

Das Northern Cape ist mit seinen rund 360 000 Quadratkilometern die größte Provinz Südafrikas und beherbergt einige meiner Lieblingslandschaften im südlichen Afrika. Nicht ohne Grund wirbt das Tourismusbüro des Northern Capes damit, die „Provinz der Extreme“ zu sein. In diesem Blogbeitrag nehme ich dich mit zu meinen Lieblingsorten – aber Achtung! Nicht nur Fernweh ist nach dem Lesen garantiert sondern es folgt auch eine wahre Bilderflut.

Die schönsten Sehenswürdigkeiten im Northern Cape in Südafrika

Südafrikas schönster und abgelegenster Nationalpark – der Kgalagadi Transfrontier Park

Seit langer Zeit habe ich davon geträumt, einmal in meinem Leben den Kgalagadi Transfontier Park zu besuchen. Zu einmalig klangen in meinen Ohren die Beschreibungen des Nationalparks: eine hohe Raubtierdichte, abgelegen, inmitten der roten Dünen der Kalahari, unendliche Sternenhimmel… Ich könnte ewig weiter machen. Als ich das erste Mal von diesem grenzübergreifenden Nationalpark zwischen Südafrika und Botswana hörte, war es um mich geschehen. Stunden um Stunden schaute ich Dokumentationen und las alles, was ich in die Hände bekommen.

Zwei Oryx vor den roten Dünen der Kalahari im Kgalagadi Transfrontier Park im Northern Cape von Südafrika.

Nun war es im März 2022 so weit und ich betrat das erste Mal den Kgalagadi Transfrontier Park. Eigentlich war der Plan von Namibia kommend über Mata Mata einzureisen und dann den Park in Richtung Twee Rivieren zu kreuzen. Leider machte uns die anhaltende Pandemiesituation einen Strich durch die Richtung, da damals die Grenze bei Mata Mata noch nicht offen war. So fuhren wir über Karasburg, nahmen den Grenzübergang über Nakop/Aramsvlei in Richtung Upington und wendeten uns dort wieder in nördliche Richtung. Insbesondere die rund 260km lange Strecke zwischen Upington und Kgalagadi Transfrontier Park ist einmalig schön, denn bereits hier fährt man durch die roten Dünen der Kalahari.

Gewitterwolke über den Weiten der Kalahari auf der Fahrt zwischen Upington und Kgalagadi Transfrontier Park.

Der Kgalagadi Transfrontier Park ist eines der größten Wildschutzgebiete Afrikas und entstand aus dem Zusammenschluss des südafrikanischen Kalahari Gemsbok Nationalpark und Schutzgebiete auf botswanischer Seite. Im Park selbst wechselt man deshalb auch häufig unbewusst zwischen Botswana und Südafrika.  

Kgalagadi bedeutet übrigens übersetzt „Platz ohne Wasser“. Kein Wunder, ist die Kalahari doch eine Halbwüste mit wenig Niederschlägen. Das es so grün ist, wie bei unserer Reise, ist eher die Außnahme.
Hauptgebäude am Eingang Twee Rivieren im Kgalagadi Transfrontier Park.

Wir haben zwei Nächte im Twee Rivieren Camp geschlafen, welches von SAN-Parks betrieben wird. Die Chalets waren zweckmäßig und im Camp bekommt man alles, was man braucht. Es gibt im Kgalagadi Transfrontier Park aber noch viel mehr Übernachtungsmöglichkeiten, die sich insbesondere auch an Camper richten und es so ermöglichen, nah an der Natur zu sein. Über die Parkverwaltung haben wir an unserem ersten Abend auch einen Night Game Drive gebucht. Bei dieser Aktivität fährt man mit einem erfahrenen Guide zum Sonnenuntergang in den Park. Zu dieser Zeit ist er für alle anderen Fahrzeuge gesperrt und man kann mit etwas Glück zahlreiche nachtaktive Tiere wie Löffelhunde, Eulen oder Wildkatzen beobachten.

Family Chalet im Twee Rivieren Camp im Kgalagadi Transfrontier Park.
Springböcke liegen im grünen Gras des Kgalagadi Transfrontier Park. Im Hintergrund sind die roten Dünen der Kalahari zu sehen.

Am nächsten Tag haben wir dann einen ausführlichen Game Drive auf eigene Faust unternommen. Die Straßen sind in einem recht guten Zustand, ich würde dennoch die Fahrt mit einem Geländewagen empfehlen. Es lohnt sich direkt nach Öffnung des Gates zum Sonnenaufgang loszufahren, da dann die Tiere am aktivsten sind. Unsere Bilanz nach einem Tag Game Drive kann sich sehen lassen, wie ich finde: Oryx, Springbok, Gnu, Karakal, Kapkobra, Erdhörnchen, um nur ein paar zu nennen, – und dann noch die wunderschönen, schwarzmähnigen Kalaharilöwen.

Das Buch zur Reise: Cry of the Kalahari von Mark & Delia Owens

Keine Straßen, keine Menschen und kaum Wasser. Das Leben in der Kalahari fordert von Mensch und Tier alles. Dennoch verlieben sich die Owens in diese unwirtliche Gegend und erforschen mitten in einer der damals abgelegensten Regionen der Welt das Verhalten der Kalaharilöwen, braunen Hyänen und anderen Wüstenbewohnern.

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Auf Tuchfühlung mit Erdmännchen – Das Meerkat Sancturay von Kalahari Trails

Einer unser größten Wünsche für die Kalahari war es, einmal Erdmännchen zu sehen. In dem hohen Gras, welches auf Grund des vielen Regens so schön spross, war das aber beinahe unmöglich. Bereits auf der Hinfahrt hatten wir kurz vor Twee Rivieren ein Schild zu einem Meerkat Sanctuary gesehen und entschlossen uns, auf dem Rückweg dort zu halten. Eine großartige Idee!

Auf dem Gelände von Kalahari Trails ↗ lebt nicht nur eine wilde Erdmännchen Familie sondern auch verwaiste Erdmännchen werden dort aufgepäppelt und wieder in die Freiheit entlassen. Außerdem kann man dort auch übernachten und an anderen spannenden Aktivitäten wie Scorpion Hunts oder unterschiedlichen Game Drives teilnehmen.

Zunächst haben wir mit einer Rangerin die wilden Erdmännchen gesucht. Allerdings war die Familie gerade auf Nahrungssuche ausgeflogen. Nicht so schlimm! So ist es eben mit der Natur. Da wir kein Glück hatten, zeigte die Rangerin uns dann drei von vier Erdmännchenweisen, die sie gerade betreut. Eins davon, Einstein, durften wir dann tatsächlich auch auf dem Arm halten, als sie uns mehr über das Leben dieser putzigen Tierchen erzählte.

Zwei Frauen halten in einer Erdmännchenauffangstation im Northern Cape Erdmännchen auf dem Arm.

Die größte Überraschung für mich – die Augrabies Falls

Der Augrabies Falls Nationalpark ist rund 820 Quadratkilometer groß und ist vor allem für die Augrabies Fälle bekannt. Hier donnern in wenigen Minuten gewaltige Wassermassen des Orange Rivers hinab und lassen sich von unterschiedlichen Aussichtspunkten aus beobachten. Wir haben im staatlichen Camp zwei Nächte verbracht und hatten so die Möglichkeit zu jeder Tages- und Nachtzeit zu den Fällen zu gehen und sie zu bestaunen. Es gibt außerdem mehrere Pools, einen Birdhide und ein Restaurant inklusive Shop.

Ich stehe auf einer Aussichtsplattform mit Blick auf die Augrabies Fälle im Augrabies Falls Nationalpark.

Was mich allerdings noch mehr überrascht hat als die Fälle war der eigentlich Nationalpark. Die Landschaft ist einmalig schön und kaum mit Worten zu beschreiben. Wir sind zum Sonnenaufgang rein gefahren und konnten nicht nur das wunderschöne Farbenspiel der goldenen Stunde genießen sondern auch Giraffen beim Frühstück beobachten.

Giraffen im Augrabies Falls Nationalpark im Northern Cape von Südafrika.
Die Khoi nannten die Fälle „aukoerebis“, was übersetzt Platz des großen Lärms bedeutet. Ein treffender Name, wie ich finde!

Innerhalb des Augrabies Falls Nationalpark gibt es unterschiedliche Aussichtspunkte, die man mit einem Geländewagen anfahren kann. Ich würde hier unbedingt raten mit einem geländetauglichen Fahrzeug zu fahren, da einige der Aussichtspunkte doch anspruchsvoll anzufahren waren. Dies war aber sicherlich auch den vorausgegangenen Regenfällen geschuldet.

Im Nationalpark leben außerdem Spitzmaulnashörner, die sehr schwer zu finden sind, Oryx, Springböcke, Bärenpaviane, Klippspringer- und schliefer und die obligatorischen Leoparden (sie gibt es ja beinahe überall, aber einen zu Gesicht zu bekommen ist eine ganz andere Geschichte).

Der Orange River sorgt in dieser sonst so kargen Gegend für Fruchtbare Landschaften und so werden rund um den Nationalpark diverse Obst- und Gemüsesorten angebaut. Charakteristisch sind vor allem Weintrauben, die in der warmen Sonne Südafrikas zu Rosinen getrocknet werden.

Es sich gut gehen lassen im Namaqualand – Das Naries Namakwa Retreat

Im südlichen Afrika gibt es Unterkünfte von bis. Eine der schönsten im Namaqualand rund um Springbok, ist sicherlich das Naries Namakwa Retreat ↗. Hier kann man es sich so richtig gut gehen lassen und die Seele baumeln lassen. Zum Frühstück blickt man bei Kaffee und leckeren Spezialitäten auf den Garten des historischen Gebäudes und den dahinterliegenden Spektakel-Pass (der heißt wirklich so), unternehmt so gestärkt eine Wanderung über das schöne Gelände, lässt danach die Seele am Pool baumeln und rundet das Ganze abends mit einem 3-Gänge Menü ab. Einfach schön!

Frau die von hinten fotografiert wurde und ihren Hut hält. Sie guckt in die Weiten der Landschaft des Namaqualands.

Obwohl die Landschaft die meiste Zeit karg und verbrannt aussehen mag, erwacht im Frühjahr die Natur zu einem wahren Blütenmeer.  Nach guten Regenfällen, keiner kann genau sagen wann, blühen hier die unterschiedlichsten Blumen und machen das Namaqualand zu einer der Hauptattraktionen in Südafrika. Die Chancen stehen zwischen Anfang August und Mitte Oktober am besten. Wer keine passende Unterkunft in der Zeit findet, kann aber von Kapstadt aus auch einen Tagesausflug in den West Coast Nationalpark unternehmen.

Tipp: Kaffeestopp in Springbok
Anfang März 2022 hat der Mac E Dean Coffeeshop in Springbok aufgemacht. Er liegt in westlicher Richtung an der Voortrekker St. Wir hatten Glück einen Tag vor Eröffnung des Ladens einen Eiskaffee und Sandwichs zu bekommen, während wir auf unseren PCR-Testtermin warteten. Ein schöner Stopp mit gutem Kaffee und herzlichen Inhabern.

Willkommen auf dem Mond – der ǀAi-ǀAis Richtersveld Transfrontier Park

Wer es noch etwas abgelegener mag, besucht den ǀAi-ǀAis Richtersveld Transfrontier Park. Er umfasst seit 2013 Teile von Namibia und Südafrika und schützt den Fishriver Canyon, den zweitgrößten Canyon der Welt, und angrenzende Landschaften. Als natürliche Grenze dient der Orange River, auf dem man unter anderem auch gut paddeln kann.

Hier gibt es endemische Pflanzen wie die Halfmens und zahlreiche Tierarten fühlen sich in dieser kargen Mondlandschaft wohl. Auch wenn die Gegend sehr trocken ist kann man hier Bergzebras, Klippspringer oder Springböcke beobachten. Wer tiefer in den ǀAi-ǀAis Richtersveld Transfrontier Park reinfahren möchte, braucht unbedingt ein Geländefahrzeug.

Empfehlenswert ist „The Growcery Camp“ ↗. In diesem Eco Camp kann man direkt am Orange River übernachten und an unterschiedliche Aktivitäten, wie paddeln oder Wanderungen, teilnehmen. Um dorthin zu gelangen ist nicht zwingend ein Geländewagen notwendig. Außerdem ist die Lage perfekt, um am nächsten Tag die Grenze nach Namibia zu überqueren und dort zum Fishriver Canyon zu fahren.

Das wunderschöne Northern Cape

Ich hoffe dir hat mein Ausflug ins Northern Cape genauso gut gefallen wie mir? Mich haben die Weite der Landschaft, die einmaligen Tierbeobachtungen und die freundlichen Menschen entlang des Weges begeistert. Zuvor hatte ich so viel gelesen und recherchiert und doch wurden meine Erwartungen übertroffen. Das Northern Cape verdient vermutlich eine eigene Rundreise, um alle Naturschätze zu erkunden. Aber auch mit einige Nächten an den unterschiedlichen Sehenswürdigkeiten bekommt man schon einen guten Eindruck von Südafrikas vielleicht spektakulärster Provinz.

Übrigens gehören die Cederberge bereits ebenfalls zum Northern Cape. Falls du diese einmalige Gegend mal besuchen möchtest, findest du hier eine tolle Rundreise von Kapstadt ↗ aus.

Hast du noch Fragen zum Northern Cape? Ich beantworte sie dir sehr gerne. Hinterlass einfach ein Kommentar oder schreib mir eine Nachricht.

Schildkröte im Kgalagadi Transfrontier Park.
3 Kommentare
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Gast
4 Monate zuvor

Hi Lynn,

was für ein schöner, ungewöhnlicher Eindruck von Südafrika. Mir gefiel die Story und das Foto vom Erdmännchen Einstein am besten. Für eine Tierliebhaberin wie mich ist Südafrika bestimmt ein perfektes Ort. Vielleicht kann ich meine Reise eines Tages nachholen.

Liebe Grüße
Julia

[…] Mehr dazu findest du ebenfalls in meinem Northern Cape Blogbeitrag ↗. […]