Die Farbe meines Blutes

Eine Hand hält das Buch Die Farbe meines Blutes" gegen eine hellblaue Wand.

“Die Farbe meines Blutes” ist ein drei Generationen umfassender Roman, in dem sich die Autorin Denene Millner der Frage nach Familie, Zugehörigkeit und Heimat stellt. Sie ist selbst als Baby adoptiert worden und kennt ihre leiblichen Eltern nicht. Diese Familiengeschichte verarbeitet sie brilliant in ihrem Debütroman, der im Mai 2023 nun auch auf Deutsch erschienen ist.

Die Farbe meines Blutes

Werbung, da Rezensionsexemplar

Seelen, die jeden Morgen ihr fragiles Ich neu zusammenfügen mussten, um die Körper davon zu überzeugen, sich wieder und wieder der Arbeit zu unterwerfen. Ohne Nutzen, ohne Pause, ohne Klage.

Die Farbe meines Blutes, Seite 69

Darum geht’s in Die Farbe meines Blutes

Die Südstaaten der USA in den 1960er Jahren sind ein grausamer Ort für Schwarze US-Amerikaner*innen. Obwohl die Jim Crow Gesetzte offiziell ihr Ende fanden, ist der Rassismus allgegenwärtig. In mitten dieser Zeit wächst Grace behütet durch ihre Großmutter auf. Diese ist nicht nur Hebamme und gibt ihr Wissen an Grace weiter, beide eint auch die Fähigkeiten in Träumen zu sehen, wie es anderen Menschen gerade ergeht oder in der Zukunft ergehen mag.

Durch zwei direkt aufeinander folgende Schicksalsschläge verliert Grace nicht nur ihre Mutter, sondern auch ihre Großmutter kann das Sorgerecht nicht mehr erfüllen. Es setzt sich eine Geschichte in Gang, die in ihrem Verlauf bis in die jüngste Gegenwart führt und eine junge Frau hinterlässt, die sich mit ihrer Adoption auseinandersetzen muss.

Mit 12 Jahren findet die Autorin Denene Millner heraus, dass sie adoptiert ist. Sie traut sich aus unterschiedlichen Gründen nicht, ihre Eltern darauf anzusprechen. Erst als ihre Mutter stirbt, gibt ihr Vater die wenigen Informationen weiter, die er über ihre leiblichen Eltern weiß. “Die Farbe meines Blutes” ist ein in Teilen autobiografischer Roman, in welchem die Autorin nicht nur ihre eigene Lebensgeschichte aufarbeitet, sondern auch einen fiktiven Blick in die Vergangenheit wirft und sich ausmalt, wie das Leben ihrer leiblichen Mutter ausgesehen haben mag und was möglicherweise zur Adoption geführt haben kann. Denn in einem sind sich Denene Millner und die Protagonistin Rae sicher, eine Adoption kann nur der ultimative Liebesbeweis sein.

Von der ersten Sekunde hat mich die Geschichte rund um die Adoption in “Die Farbe meines Blutes” fasziniert. Sie ist gleichermaßen erschreckend, wie aber auch durch Liebe geprägt. Ebenso spannend ist die Zeitspanne des Romans, die von den 1960er Jahren bis in die 2000er reicht und so einen spannenden Abschnitt der US-Amerikanischen Geschichte skizziert. Während Graces Großmutter noch während der Sklaverei großgeworden ist, lebt ihre Ur-Enkelin Rae mittlerweile in einer ganz anderen Zeit. Verbunden sind sie nur durch ihre Blutslinie, von der Rae als Adoptivkind jedoch nur weniges weiß.

Wie bereits erwähnt, scheint Denene Millner in dem Roman ihre eigene Geschichte zu verarbeiten. Für mein empfinden ist “Die Farbe meines Blutes” an einigen Stellen jedoch zu deskriptiv und ausschweifend und eine Verknappung der Geschehnisse hätte mir gut gefallen. Manchmal ist weniger eben doch mehr und dies hätte dem Roman vielleicht gut getan. An einigen Stellen sind meine Gedanken abgeschweift und ich konnte der Geschichte nicht mehr folgen. Nichtsdestotrotz würde ich das Buch weiter empfehlen. Der Plot ist einfach zu spannend und man möchte als Leser*in unbedingt mehr erfahren. Dafür nehme ich einige weit ausholenden Passagen gerne in Kauf.

Ich fand außerdem den Ansatz interessant, problematische Wörter mit einem Sternchen (*) zu kennzeichnen. Dies habe ich in dieser Form noch nicht gesehen und kenne es eher von der genderneutralen Sprache. Ich finde es keine ganz ideale Lösung, da das Sternchen beim Gendern eine Bedeutung hat, die in diesem Fall nicht passend ist, dennoch stolpert man über die Wörter und wird zum Nachdenken angeregt. Generell finde ich es wichtig, verschiedene Lösungsansätze zu suchen, auszuprobieren und so in der Zukunft vielleicht einen Konsens herstellen zu können, dem weitere Verlage folgen. In diesem Sinne, danke für diesen Lösungsvorschlag und das sich die Übersetzerin Henriette Zeltner und der Verlag Gedanken gemacht haben.

Denene Millner
Die Farbe meines Blutes

Übersetzung durch Henriette Zeltner
Gebunden mit Schutzumschlag
656 Seiten | ISBN: 978-3442316410
24€ [D] über Amazon [Affiliate Link]


Disclaimer: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zum Stöbern und Rezensieren zur Verfügung gestellt. Dafür erstmal ein herzliches Dankeschön. Wie immer gilt aber, das Geschriebene spiegelt meine eigene Meinung wieder. Sollte mir etwas nicht gefallen, sage ich das auch. Ansonsten suche ich mir selber aus, welches Buch ich rezensieren möchte. Das heißt du wirst auf Lieschenradieschen reist nur authentische Leseberichte finden, die meinen eigenen Interessen entsprechen.

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2 Kommentare
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Gast
Blumentopf
4 Monate zuvor

Wow, was für eine mitreißende Rezension! 😍 Dieser Artikel hat mein Interesse an ‘Die Farbe meines Blutes’ definitiv geweckt. Ich liebe es, wenn Bücher so spannend und fesselnd sind, dass man sie kaum aus der Hand legen kann. Vielen Dank für diese inspirierende Rezension, LieschenRadieschen-Reist!
LG,
Sandra