Diese eine Entscheidung – verdient jede*r eine zweite Chance?

Eine Hand hält das Buch Diese eine Entscheidung gegen eine hellblaue Wand

Alma Revel ist eine Untersuchungsrichterin im vom Terrorismus geplagten Frankreich. Sie steht vor der folgenschweren Entscheidung, ob ein Terrorverdächtiger freigesprochen wird oder weiter festgesetzt werden soll. Diese eine Entscheidung kann entweder dazu führen, dass ein unschuldiger Mensch in Haft gehalten wird oder durch sein Freikommen viele andere Menschen gefährdet werden. Nicht nur die Arbeit fordert die Pariserin, auch ihre Ehe geht in die Brüche und sie stürzt sich in eine Affäre, die ihr nicht gut tun kann. Der Anwalt mit dem sie anbändelt, ist nämlich leider auch noch der Verteidiger des Terrorverdächtigen.

Diese eine Entscheidung
Karine Tuil

Werbung, da Rezensionsexemplar

Wir alle fürchten uns davor, dass irgendwann eine Tragödie in unseren ruhigen Alltag einbrechen könnte. Wir mögen theoretisch auf eine solche Möglichkeit vorbereitet sein, doch wenn sie eintrifft, sind wir hilflos. Unser Leben lang versuchen wir, das Unglück von uns fernzuhalten, vor allem in einer Gesellschaft wie der unseren, in der öffentliche Attrappen des Glücks als Maßstab für eine gelungene soziale Integration gelten, einer Gesellschaft, die ihre Toten, Armen und Kranken versteckt, die nach Vitalität, Jugend und Schönheit giert, die nichts Deformiertes, nichts Bitteres duldet.

Diese eine Entscheidung, Seite 262

Darum gehts in “Diese eine Entscheidung”

Der Inhalt von “Diese eine Entscheidung” liest sich beinahe wie eine romantische Komödie, davon ist der Roman allerdings weit entfernt. Die Autorin Karine Tuil verhandelt darin knallhart sozial-politische, wie auch moralische Fragestellung, die in einer Gesellschaft aufkommen, welche sich einerseits ihre Menschlichkeit bewahren will (und muss!) und andererseits durch die Anschläge der vergangenen Jahre traumatisiert ist. Sich davon nicht beeinflussen zu lassen und nach geltendem Recht zu entscheiden, ist die große Herausforderung für die Richterin Alma Revel. Aber was passiert, wenn die Entscheidung, obwohl sie vom Recht gestützt ist, am Ende die falsche war und auch die eigenen Familie in Gefahr bringt?

“Diese eine Entscheidung” ist ein unglaublich spannender und hochaktueller Roman, der den Zeitgeist trifft, möglicherweise in Frankreich noch mehr, als in Deutschland, aber das tut der Lektüre keinen Abbruch. Ganz im Gegenteil. Die Autorin stellt Fragen danach, ob man einen Menschen vorverurteilen kann und ob nicht jede*r eine zweite Chance verdient? Der Lesefluss ist dabei sehr rund, nicht zuletzt weil man als Leser*innen unbedingt wissen will, wie die Geschichte nun ausgeht.

Die Autorin Karin Tuil nutzt einen sachlichen Ton, der immer wieder durch Protokolle aus den Verhören gespickt ist. Während des Lesens konnte ich mir gut vorstellen, wie die Hauptprotagonistin in ihrer Rolle als Richterin genauso sachlich und so weit wertfrei auftritt, wie es einem menschlichen Wesen eben möglich ist. Das heißt allerdings nicht, dass die Charaktere nicht vielschichtig und interessant gezeichnet werden. Und ein bisschen explosives Liebeschaos gesellt sich auch zwischen die Zeilen.

Alles in allem hat mir “Diese eine Entscheidung” gut gefallen. Ich habe das Buch bereits rund zwei Monaten vor erscheinen der Rezension gelesen und es ist mir immer noch sehr präsent vor Augen. Der Roman ist intelligent, tragisch und ein absoluter Pageturner. Eine klare Leseempfehlung von mir, die sicherlich auch Diskussionsbedarf mit anderen Leser*innen hat.

DIESE EINE ENTSCHEIDUNG

Diese eine Entscheidung
Karine Tuil

Übersetzung durch Maja Ueberle-Pfaff
Gebunden mit Schutzumschlag
352 Seiten | ISBN:  978-3423290364
23€ [D] über Amazon [Affiliate Link]


Disclaimer: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zum Rezensieren zur Verfügung gestellt. Dafür erstmal ein herzliches Dankeschön. Wie immer gilt aber, das Geschriebene spiegelt meine eigene Meinung wieder. Sollte mir etwas nicht gefallen, sage ich das auch. Ansonsten suche ich mir selber aus, welches Buch ich rezensieren möchte. Das heißt du wirst auf Lieschenradieschen nur authentische Leseberichte finden, die meinen eigenen Interessen entsprechen.

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