Lohnt sich eine Reise nach Skopje in Nordmazedonien?

Gasse im alten Basar von Skopje

Lohnt sich eine Reise nach Skopje in Nordmazedonien? Ein Städtetrip nach Skopje

Skopje, die Hauptstadt von Nordmazedonien, ist sicherlich keine klassische Schönheit. Brutalistisch anmutende Gebäude wechseln sich ab mit Sowjet chic und Barocken Staturen. Wer sich allerdings ein wenig mit der Geschichte dieser Stadt auseinander setzt, findet hinter dieser Fassade eine äußerst spannende Mischung der unterschiedlichsten Kulturen, die sich in Skopje die Klinke in die Hand gedrückt haben. Ich nehme dich mit auf den alten Basar von Skopje, zu Mutter Theresa und der Roma-Siedlung Shutka. Im Abschluss meines Artikels kannst du dir hoffentlich die Frage selbst beantworten, ob sich eine Reise nach Skopje lohnt.

Brücke in Skopje über den Fluss Vardar

Anreise nach Skopje

Die billig Fluggesellschaft WIZZ-Air fliegt kostengünstig von deutschen Flughäfen Skopje an. So habe ich im Mai 2019 einen Flug von Bremen nach Skopje für 43€ ergattern können. Zwar ist in diesem Preis nur das Handgepäck enthalten, für einen zwei- bis drei-tägigen Städtetrip ist dies allerdings mehr als ausreichend. Der Flughafen von Skopje liegt etwas außerhalb der Stadt, wunderschön umrahmt von hohen Bergen, die auch im Mai noch schneebedeckte Gipfel haben.

Es fährt ein Shuttle Bus für wenige Euros in die Innenstadt von Skopje. Für ein Taxi solltest du nicht mehr als 20€ bezahlen. Im Flughafen gibt es ausreichend Geldautomaten, die dich mit mazedonischen Denar versorgen. Nordmazedonien gehört nämlich nicht zur EU. Allerdings benötigst du als deutsche/r Staatsbürger*in kein Visum, sondern kannst so einreisen (Stand Juni 2019).

Statue in der Innenstadt von Skopje

Unterkunft in Skopje – Home far away from home

Da ich einen kostengünstigen Städtetrip unternehmen wollte, habe ich mich für das Get Inn Skopje Hostel entschieden. Ein echter Glücksgriff, wie sich herausstellen sollte. Ich habe mich auf anhieb sehr wohl gefühlt in dem kleinen Hostel und habe viele nette Gespräche mit den Hosts und anderen Gästen führen dürfen. Jeden Tag gibt es eine kostenlose Sache. Das rangiert vom kostenlosen Fahrradverleih, über ein super Abendessen oder eine Rakija Nacht (das Nationalgetränk, wenn man so will).

Das Hostel liegt in unmittelbarer Nähe zur Innenstadt, dem Busbahnhof und dem Bahnhof. Direkt nebenan befindet sich eine Bäckerei und ein schönes Café, wo man gemütlich sitzen kann.

Sightseeing in Skopje – Free Walking Tour

Ich persönlich bin ein großer Fan von Free Walking Tours und habe mich auch in Mazedonien einer angeschlossen. Diese startet jeden Tag um 10:00 Uhr von dem großen Platz mit dem Reiterdenkmal und die Guides sind an ihren blauen Regenschirmen zu erkennen.

Tatsächlich dauert die Tour satte drei Stunden. Aber keine Angst, die Guides verpacken die Free Walking Tour so spannend und unterhaltsam, dass die Zeit wie im Fluge vergeht. Zunächst besucht man den neueren Teil der Innenstadt von Skopje und anschließend den alten Basar. Auch wenn der alte Basar mit seinen kleinen Gassen und Moscheen für mich persönlich visuell ansprechender ist, ist die Geschichte des neuen Teils ebenfalls sehr faszinierend.

Herstellung von Börek in einer kleinen Bäckerei

Moschee im alten Basar von SkopjeDas große Erdbeben von Skopje

1963 kam es in Skopje zu einem schlimmen Erdbeben, welches auch heute noch ihre Spuren hinterlassen hat. Zum einen sind die barock anmutenden Gebäude alle im Zuge einer Renovierungskampagne des Präsident 2014 erstanden und zum anderen sieht man auch immer noch Folgen des Erdbebens. So ist zum Beispiel die Uhr am alten Bahnhof genau zum Zeitpunkt des Erdbebens stehen geblieben und ist so ein stummes Mahnmal für die Urgewalten unserer Erde.

Alter Bahnhof in Skopje, der durch das Erdbeben 1963 schwer beschädigt wurden ist

Neben dieser traurigen Geschichte erfährt man aber auch einiges über Land und Leute. So wandelt man ein Stück auf Mutter Theresas Spuren, probiert leckeren Börek (unbedingt einen Joghurt dazu trinken) und kann die Guides alles Fragen, was einen interessiert.

Nach diesen drei Stunden hat man einen wirklich wunderbaren Überblick über Skopje bekommen und kann sich auf den Weg machen, die Stadt selber zu erkunden. Zu meinen Highlights gehört:

  • Die Aussicht vom Museum für zeitgenössische Kunst und ein Besuch des selbigen
  • Der Public Room
  • Mit der Seilbahn zum Vodno Berg fahren (dort wo das große Kreuz steht)
  • Versuchen alle Staturen zu zählen
  • Sich durch das kulinarischen Angebot des Basars zu futtern
  • Falls Zeit bleibt ein Besuch zum Matka Canyon (Fahrt ca. 1 Stunde mit dem Bus Nummer 60)

Ein kleiner Hinweis: Was man allerdings noch beachten muss ist, dass die Skopje Free Walking Tour häufig durch Straßenhunde begleitet wird. Diese habe ich als absolut freundlich empfunden, allerdings ist es sicherlich eine Herausforderung für Menschen, die Angst vor Hunden haben.

Streunende Hunde unter einem Feigenbaum in Skopjes Altstadt

Shutka Tour – Ein Besuch in der größten Roma Siedlung der Welt

Für mich wäre ein Besuch in Skopje nicht vollständig, ohne Shutka gesehen zu haben. Dieser Stadtteil von Skopje ist die größte Roma Siedlung weltweit und so ganz anders, als die Innenstadt von Skopje. Zwar kann man auch mit dem Bus nach Šuto Orizari, wie es offiziell heißt, fahren, ich möchte aber mehr über die Menschen erfahren und nehme mir einen Guide.

Diese Entscheidung entpuppt sich als goldwert, denn Vasilka von HAEMUS Travel ist wirklich unglaublich herzlich und weiß vermutlich mehr über Land und Leute als die meisten Mazedonier*innen zusammen. Sie ist im Land so etwas wie eine kleine Berühmtheit und hat es sich auf die Fahne geschrieben, die Kultur Nordmazedoniens zu promoten und zu bewahren.

Selfie mit Vasilka von HAEMUS Travel und mir

Sie holt mich mit ihrem Auto vom Hostel ab und zusammen tuckern wir nach Shutka. Dort tauchen wir in eine andere Welt ein. Protzige Häuser wechseln sich mit mehr als ärmlichen Behausungen ab, Kinder spielen auf der Straße neben trägen Katze und achtlos weg geworfenen Müll. Neben Bekleidungsständen wird auf Holzkohlegrills Fleisch gegrillt und neben an wird einer Frau im Friseursaloon die Friseur gerichtet.

Kleiner Kiosk in Shutka, der größten Roma Siedlung der Welt

Straßenszene in Shutka, der größten Roma Siedlung der Welt

Straßenzug im Stadtteil Shutka, der größten Romasiedlung der Welt

Ich fühle mich sofort wohl und kann meinen Blick von alldem nicht abwenden. Wie ein Schwamm sauge ich diese völlig fremde Kultur in mir auf. Immer wieder werden wir freundlich begrüßt, während das Hupkonzert auf der Hauptstraße die Hintergrundmelodie bildet.

Die eigenen Vorurteile herausfordern

Es stimmen viele Vorurteile über die Bevölkerungsgruppe der Roma. Nicht wegzuwischen ist der Müll, die bettelnden Menschen und leider sehe ich auch schon Kinder an Klebstoff schnüffeln. Aber Shutka ist auch so viel mehr und dies ist nur eine Seite der Medaille. Ich sehe Menschen, die uns offen und herzlich begegnen. Ich sehe Menschen, die sich mit wenig Kapital versuchen ein auskommen zu schaffen. Und ich sehe die Herausforderungen, mit noch weniger überleben zu müssen.

Viele Menschen haben keinen Ausweis, ohne Ausweis kann man allerdings nicht zur Schule gehen. Um einen Ausweis zu bekommen bedarf es einen festen Wohnsitz, den man wiederum fast nur mit einem Ausweis bekommt. Das Einkommen ist extrem niedrig und viele besitzen kein Konto. Der Bus in die Innenstadt, wo die Arbeit ist, kostet Geld und Fahrkarten lassen sich nur noch mit einer Prepaidkarte kaufen, die man per Konto aufladen muss.

Blick auf die Hauptstraße, die von Skopje nach Shutka führt

Auf den ersten Blick ist es einfach diese Menschen für ihr Schicksal schuldig zu machen, auf den zweiten Blick gibt es Faktoren, die es ihnen erschweren, ihr eigenes Schicksal in die Hand zu nehmen. Es gibt viele Vorurteile seitens der Mazedonier*innen, die Roma nur für die einfachsten Jobs anstellen. Das darunter irgendwann das Selbstwertgefühl leidet, ist verständlich.

Mir hat der Besuch auf jeden Fall sehr die Augen geöffnet und ich freue mich, auch diesen Teil von Skopje kennengelernt zu haben.

Lohnt sich also eine Reise nach Skopje?

Wenn du mich also nun abschließend fragst, ob sich eine Reise nach Skopje lohnt, so kann ich nur mit ja antworten. Diese Stadt ist eine Herausforderung und sicherlich keine klassische Schönheit wie Rom oder Paris, aber dafür bekommt man hier etwas ganz anderes und das ist Geschichte zum Anfassen.

Ich vor einer Moschsee in Shutka

2 Kommentare

  1. Warum Mazedonien jetzt Nordmazedonien heißt, habe ich mich schon gefragt. Denn das griech. Makedonien heisst ja nicht Mazedonien, sondern Makedonien.
    Aber wie zitiere ich immer: durch Eintracht wachsen die kleinsten Dinge, durch Zwietracht zerfallen die größten.
    Bei mir kommt bald der einhundertste (kein einfaches Wort)…

    • lieschenradieschen

      Die Frage kann man wahrscheinlich nur beantworten, wenn man sich lange in die Thematik einliest. Nicht wenige Mazedonier*innen sind auch mit der Umbennenung unzufrieden und nennen das Land auch weiter Mazedonien.
      Ihr Zitat ist deshalb vermutlich sehr richtig an dieser Stelle.

      Puh, dann sind Sie ja wirklich fleißig!

      Mit lieben Grüßen,
      Lynn Benda

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