Trevor Noah: Farbenblind – Rezension

Coverbildes des Buches Farbenblind von Trevor Noah

Farbenblind 

“Ich sah schon, wie ich in der Zelle einen Rassenkrieg vom Zaun brach.
“Hey! Warum hängst du mit den Schwarzen ab?”
“Weil ich schwarz bin.”
“Nein, bist du nicht. Du bist farbig.”
“Ah ja. Ich weiß, das sieht so aus, mein Freund, aber ich kann das erklären. Tatsächlich ist das eine lustige Geschichte. Mein Vater ist weiß und meine Mutter ist schwarz und Rasse ist sowieso ein soziales Konstrukt und daher…”
Oh nein, das würde nicht funktionieren, nicht hier.”

Darum geht´s in Farbenblind

Trevor Noah mag dir vielleicht  ein Begriff sein. Seit 2015 moderiert der Südafrikaner die The Daily Show auf Comedy Central und ist ein international gefeierter Comedian. Was die wenigsten allerdings wissen, ist das er 1984 in Johannesburg als Kind geboren ist, welches eigentlich gar nicht existieren darf. Im Zuge des Apartheid Regimes werden Weiße und Schwarze, Farbige und andere “Rassen” streng unterteilt. Während seine Mutter eine schwarze Xhosa ist, ist sein Vater ein weißer Schweizer. Diese Verbindung dürfte so eigentlich gar nicht existieren und doch wird Trevor Noah als farbiges Kind, geboren. In Farbenblind geht es um das Aufwachsen des Jungen. Er hat es nicht leicht, fühlt er sich doch irgendwie nie zu einer Gruppe zugehörige und gibt nichts auf die verschiedenen Einteilungen der Gesellschaft. Diese Einstellung hat er von seiner resoluten Mutter übernommen, die im Ernstfall auch ihr Kind aus einem fahrenden Auto wirft, um es zu retten. 

Gefällt weil:

Trevor Noah sich in Farbenblind auf eine andere Art und Weise der Apartheid nährt. Natürlich hat man eine wage Vorstellung davon, was die systematische Rassendiskriminierung in Südafrika bedeutet hat, aber wie es sich wirklich anfühlt dort aufzuwachsen, das können Geschichtsbücher nur schwer vermitteln. Um zu verdeutlichen zitiere ich die New York Times. Diese hatte das Buch mit den Worten “Ein fesselndes Buch – aufrüttelnd, traurig, komisch” beschrieben und das trifft den Nagel auf den Kopf. Wer Videos von Trevor Noah kennt, dem ist vielleicht auch seine besondere Art aufgefallen. Er schafft es Menschen auf real weltliche Probleme zu stoßen, die ihnen so vielleicht vorher gar nicht aufgefallen sind. Erst bleibt einem das Lachen im Hals stecken, weil man denkt, dass darf doch nicht wahr sein! Und plötzlich wendet Noah das Ganze und man traut sich doch zu lachen und das dann sogar aus ganzem Herzen.

Genauso erging es mir auch bei der Lektüre von Farbenblind. Manche Sachen sind und waren furchtbar. Damit meine ich in erster Linie die Rassentrennung, aber auch ganz alltägliche Probleme wie die Perspektivlosigkeit der Jugendlichen, Gewalt und der Mangelnde Einsatz (in anderen Fällen auch zu viel Eifer) der Polizei. Und dennoch verliert der Roman aus dem Blessing Verlag nie seinen positiven Unterton. 

Trevors Kindheit und Jugend ist in 18 Kapitel unterteilt. Man wird quasi mit ihm groß und steht jeglichen Unfug durch. Denn er hat nur Flausen im Kopf und bekommt dafür natürlich auch mal ordentlich ärger. Man fragt sich, ob hier die Grundsteine für seine spätere Karriere gelegt wurden? Zwischendurch gibt es immer mal wieder kurze und sachliche Erläuterungen, die sich mit Gesetzen und dem Alltag im Zuge der Apartheid beschäftigen. Ich fand diesen Kontrast zwischen der sachlichen Ebene und dem biografischen Anteil sehr gelungen. Es hat sehr dazu beigetragen, weiter in die Thematik einzutauchen. 

Und irgendwie ist es auch die Geschichte seiner liebevollen und resoluten Mutter. Sie ist es, die ihm viele gute Grundgedanken mit auf den Weg bringt und ihn immer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück holt. Zwar ist das Leben in Townships wie Soweto und später anderen Stadtteilen nicht leicht, aber die beiden haben immer genug zu Essen, Bücher zum Lesen und ein mehr oder weniger gutes Leben. All das ermöglichte sie ihm mit harter Arbeit, aber auch ihrem Dickkopf. Sie hat sich immer wieder über Hindernisse hinweg gesetzt, um ihrer Einstellung treu zu bleiben. Im Laufe des Lesens ist sie mir sehr ans Herz gewachsen und umso berührender ist das Zitat in den Danksagungen von Trevor Noah:

“Meine Mutter hat mich zur Welt gebracht und mich zu dem gemacht, der ich heute bin – diese immense Schuld werde ich wohl nie begleichen können.”

Trevor Noah ist wie viele andere Kinder deren Eltern “Gemischt-Rassig” und in dieser Zeit aufgewachsen sind, ein Beweis dafür, wie absurd die “Rassentrennung” eigentlich war. Seine bloße Existenz hat alles widerlegt, wofür die Apartheid stand und deshalb hat die Regierung solche Ehen gefürchtet. Auch heute noch nimmt er kein Blatt vor den Mund, verhält sich wie ein Chamäleon und springt von Gesellschaft zu Gesellschaft und hilft uns, den eigenen Spiegel vorzuhalten. Für mich eines der stärksten Bücher in diesem bisherigen Jahr 2017. Trotz dem biografischen Charakter, liest sich Farbenblind einfach unglaublich unterhaltsam und ich lege es jedem ans Herz, der sich für Südafrika, die Geschichte der Apartheid aber auch für das Leben eines außergewöhnlichen jungen Mannes, interessiert. 

Farbenblind

Trevor Noah
Farbenblind
336 Seiten | Gebunden
ISBN: 978-3896675903
19,99€ (D) über Amazon*

Lesefieber Südafrika

Diese Rezension ist im Rahmen meiner Reihe zu südafrikanischer Literatur, aus und über das Land, erschienen. Im Sommer 2017 geht es für mich gut 2 1/2 Monate nach Südafrika. So stimme ich mich auf diese Zeit ein und meine Vorfreude wächst mit jeder Seite. Noch mehr Literatur zu Südafrika, findest du hier:

Disclaimer: Dieses Buch wurde mir freundlicherweise vom Verlag zum Rezensieren zur Verfügung gestellt. Dafür erstmal ein herzliches Dankeschön. Wie immer gilt aber, das Geschriebene spiegelt meine eigene Meinung wieder. Sollte mir etwas nicht gefallen, sage ich das auch. Ansonsten suche ich mir selber aus, welches Buch ich rezensieren möchte. Das heißt du wirst auf Lieschenradieschen nur authentische Leseberichte finden, die meinen eigenen Interessen entsprechen

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