Lahemaa Nationalpark: eine Nacht am nördlichsten Punkt Estlands

Blick über das Moor im Lahemaa Nationalpark

Rund 70 Kilometer von Estlands Hauptstadt Tallinn entfernt, liegt der wunderschöne Lahemaa Nationalpark. Der Parkt bietet zahlreichen Wildtieren wie Bären, Füchsen, Elche und Luchsen ein zu Hause. Neben dem wunderschönen Moor, durch welches ein Naturpfad führt, liegt die Ostsee direkt vor der Tür und Findlinge aus der letzten Eiszeit liegen wie von einem großen Riesen verstreut, überall in der Landschaft.

Der Lahemaa Nationalpark

Lahemaa Nationalpark

Für viele Reisende bietet sich ein Abstecher in den Lahemaa Nationalpark von Tallinn aus an. Der Nationalparkt liegt zwar nur 70 Kilometer von der Großstadt entfernt, aber näher dran an der Natur kann man sich kaum fühlen. Wir sind allerdings aus südöstlicher Richtung angereist. Die Nacht davor hatten wir am Peipus See, einem der größten Seen Europas und direkt an der Grenze zu Russland, verbracht. Wenn man von dort anreist, empfiehlt sich ein Abstecher nach Rakvere. Dort steht eine alte Burg, die heute mit Statisten und vielen Tieren zu neuem Leben erweckt wird. Nicht nur für Kinder ist die Besichtigung ein riesiger Spaß!

In der Touristeninformation in Palmse erhält man viele Informationen über den Park. Auch die angegliederte Ausstellung ist alles andere als langweilig gestaltet. Für 1,90€ habe ich mir eine detaillierte Karte über den Park gekauft. Eine nicht ganz so aufwendig gestaltete, aber genauso hilfreiche Karte, gibt es auch umsonst. Auf beiden sind RMK Campingplätze verzeichnet. Diese sind oftmals sehr einfach, aber alle mit Feuerstelle und Trockentoiletten ausgestattet. Da wir sowieso nah an der Natur sein wollten, kamen uns diese Plätze sehr gelegen. Auch hat es RMK einem sehr leicht gemacht, abends ein Plätzchen zum Schlafen zu finden. Gerade in Litauen und Lettland war dies viel schwieriger.

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Positiv aufgefallen ist, dass der Weg bis zum Klohäuschen inklusive Toilette behindertengerecht ist

Lahemaa Nationalpark

Zelten mit Meerblick am nördlichsten Punkt Estlands

Schnell viel unsere Wahl auf den RMK Platz direkt an der nördlichsten Spitze von Estland. Unsere Fahrt von Palmse führte uns bei aller schönstem Sonnenschein durch lichtdurchflutete, dichte Wälder und immer mal wieder konnten wir einen Blick auf die Ostsee erhaschen. Als wir am Platz ankamen, stand dort bereits ein riesiger Unimog, den ein junges Pärchen mit Baby aus Deutschland für das Reisen ausgebaut hatte. Ein absoluter Traum!

Auch der Platz selber war sehr leer, neben zwei anderen Campern waren wir die einzigen Menschen. Immer wieder musste ich mir vor Augen halten, das dies eigentlich die Hochsaison in Estland ist. Wie muss es dann in der Nebensaison sein?

Von unserem gewählten Platz aus, konnten wir direkt auf die Ostsee blicken. Ein kleiner Pfad hat direkt zum Strand geführt, an dem einige wenige Einheimische schwimmen waren. Nachdem wir so schnell wie möglich die Zelte aufgebaut hatten, haben wir uns natürlich sofort unsere Schwimmsachen gepackt und sind zum Meer gelaufen. Eigentlich wollten wir ja schwimmen, aber das die Ostsee dort so flach ist, das man gefühlt bis nach Finnland laufen kann, war uns nicht klar… Trotzdem war es ein riesen Spaß. Das Wasser hatte eine angenehme Temperatur und immer wieder sind kleine Fische um uns herum geschwommen, die sogar ab und zu an unseren Zehen geknabbert haben.

Lahemaa Nationalpark

Am Abend haben wir uns und die Sachen am Feuer getrocknet, während auf dem Trangia unser Abendessen köchelte. Zuvor waren wir noch die schmale Landzunge entlang gewandert, die tatsächlich den nördlichsten Punkt von Estland kennzeichnet. Von dort hatte man einen grandiosen Blick auf das Meer und die herumliegenden Findlinge.

Lahemaa Nationalpark

Am Ende der Welt aka der nördlichste Punkt Estlands

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Eine Wanderung im Moor

Am nächsten Morgen haben wir früh die Zelte abgebaut, denn ehe es nach Tallinn gehen sollte, wollten wir natürlich noch etwas vom Moor im Lahemaa Nationalpark sehen. Das Viru Raba liegt in der Nähe von Kolga und ist von zwei Seiten aus mit dem Auto zu erreichen. Im frühen Licht der Sonne hatte der Wald eine zutiefst magische Wirkung und bis auf ein Pärchen, das vermutlich einen Fernwanderweg ging, waren wir die einzigen Menschen auf dem Pfad.

Lahemaa Nationalpark Lahemaa Nationalpark

Mir war bis dahin nicht bewusst, wie viele verschiedene Farben, ein Moor haben kann! Von Rot, über Blau und Grün bis hin zu Gelb war alles dabei. Der Pfad hat sich perfekt in die Landschaft eingefügt und es war ein tolles Erlebnis auf ihm zu gehen. Eigentlich wollten wir den knapp 3,9 Kilometer langen Rundwegen wandern. Leider hatten wir komplett unterschätzt, wie warm es bereist am Morgen werden kann und dummerweise hatten wir auch noch alle unser Wasser vergessen. Auch konnten wir nicht herausfinden, ob der komplette Weg 3,9 Kilometer beträgt, oder jeweils der Weg hin und zurück. Aus diesem Grund entschieden wir uns, bis zu einem Aussichtspunkt zu gehen und dort wieder umzudrehen. Dies war genau die richtige Entscheidung, denn mit voranschreitende Uhrzeit wurde es immer voller und auch immer nerviger, denn entgegen kommenden Menschen auf dem schmalen Steg auszuweichen.

Der Aussichtspunkt war nochmal ein absolutes Highlight. Zwar haben wir uns diesen Turm mit einer Reisegruppe teilen müssen, deren Reiseleiterin bestimmt 5 mal erwähnte, das sie nun “Marmelade in Schokolade” essen werden und alle zustimmend nickten, aber das tut der Aussicht ja keinen Abbruch. Durch das leichte Schwanken des Turmes, kam man sich zeitweise sogar fast wie auf einem Schiff vor. Sehr abenteuerlich!

Lahemaa Nationalpark Lahemaa Nationalpark

Der Lahemaa Nationalpark ist ein wunderschönes Fleckchen Erde. Auch wenn wir neben vielen Vögeln, Spinnen, Fischen und den buntesten Schmetterlingen überhaupt, keine anderen Wildtiere gesehen haben, hat sich der Besuch absolut gelohnt. Gerne hätte ich noch etwas mehr Zeit dort verbracht, um einen der zahlreichen Wanderwege zu gehen. Auch die vielen, alten Herrenhäuser und Jagdschlösser in dieser Gegend sollen sehr sehenswert sein.

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