Auf Safari im Liwonde Nationalpark: Malawis geheime Naturschätze

Auf Safari im Liwonde Nationalpark: Malawis geheime Naturschätze

Ich werde durch ein sanftes Brummeln geweckt. Rechts neben meinem Zelt raschelt etwas und als ich die Augen schließlich öffne, sehe ich durch das Fenster einen gewaltigen, im dunklen der Nacht fast schwarzen Schatten. Elefanten sind im Camp! Und das direkt neben unserem Zelt. Ich müsste nur den Arm ausstrecken, um sie zu berühren. Spätestens hier wird mir bewusst, Safari im Liwonde Nationalpark in Malawi ist ein echtes Abenteuer.

Auf Safari im Liwonde Nationalpark – wo sich Pavian und Elefant gute Nacht sagen

Der Liwonde Nationalpark liegt an den südlichen Ausläufern des Malawisees, nicht unweit der Grenze zu Mosambik. Mit 548 km² ist er nicht unbedingt der größte Nationalpark in Afrika, dafür ist man hier aber auch fast ganz allein und hat eine Garantie für Nilpferd und Elefanten Sichtungen. Seit Anfang 2018 gibt es neben Geparden nun auch wieder Löwen im Park. Ob wir Glück hatten die großen Raubkatzen zu sehen, verrate ich dir in diesem Artikel.

Das Bushmans Baobab Camp

Wir buchen uns auf unserer Safari im Liwonde Nationalpark im Bushmans Baobab Camp ein. Hier gibt es neben Chalets, A-Frames und Mehrbettzimmern, auch so genannte Luxury Tents. Wir entscheiden uns für diese Kategorie und freuen uns über den Komfort richtiger Betten und einem eigenen kleinen Badezimmer hinter dem Zelt. Dies freut vor allem unsere nächtliche Blase, als besagte Elefanten durch unser Camp ziehen. Die grauen Riesen lassen sich nämlich Zeit beim Futtern! Und von den offenen Fenstern des Bads sieht man sie sowieso viel besser.

Der Name ist im Bushmans Baobab Programm, denn es gibt zahlreiche Baobas zu bestaunen. Für mich ein echtes Highlight, denn ich liebe diese Bäume. Das Camp liegt am äußeren, südlichen Rand des Parks, knapp 20 Minuten von der Stadt Liwonde entfernt, direkt im Nationalpark. Der Vorteil ist allerdings, dass man hier noch keine Nationalpark Gebühren zahlen muss.

Ein weiterer Höhepunkt des Camps ist sicherlich die Viewing Plattform. Eine Art Baumhaus, von dem man einen großartigen Blick auf den Shire River hat. Hier lohnt es sich, ein Fernglas dabei zu haben, denn so stellt man schnell fest, wie unglaublich der Artenreichtum im Überschwemmungsgebiet des Flusses ist. Herden mit zahlreichen Impalas und Wasserböcken sind eigentlich immer zu sehen und nicht selten kommen Elefanten direkt ans Camp.

Für mich ist es auch das erste Mal, das ich in einem Camp übernachte wo es keine Zäune gibt. Deshalb kommen auch häufiger mal Paviane, Warzenschweine oder Buschböcke vorbei. Auch Vogelfreunde dürften ihren Spaß haben, im Grunde muss man das Bushmans Baobab gar nicht verlassen und bekommt eine Menge unterschiedlicher Arten zu sehen. Mit etwas Glück teilt man sogar das Bad mit Fledermäusen. Wir haben sie irgendwann liebevoll “unsere Jungs” genannt und geschaut, das sie morgens auch rechtzeitig zu hause sind.

Unser Besuch fällt auf den Oktober, die heißeste Zeit des Jahres. Umso schöner ist es deshalb, dass es seit kurzer Zeit auch einen Pool gibt. Dieser bietet ebenfalls eine tolle Sicht auf die lokale Flora und Fauna und mit etwas Glück kommen auch hier Elefanten vorbei.

Sunset Drive im Liwonde Nationalpark

Auch wenn das Bushmans Baobab wirklich wunderschön ist, einen Game Drive wollen wir uns nicht entgehen lassen. So steigen wir gegen Nachmittag in einen der zwei Land Rovers des Camps. In freudiger Erwartung lausche ich dem tuckern des Dieselmotors. Wir sind die einzigen Gäste für die Sonnenuntergangs Tour und werden begleitet von einem Fahrer und einem wirklich sehr kundigen Guide.

Nachdem wir das offizielle Tor zum Liwonde Nationalpark passiert und unsere 20$ Park Eintritt pro Person bezahlt haben, bin ich zunächst enttäuscht. Die Sonne versteckt sich hinter den Wolken und die nach Regen lechzende Natur präsentiert sich in grau Tönen. Hier und da sehen wir ein paar Wasserböcke, Impalas, Säbelantilopen und Büffel, aber der Funke will nicht überspringen. Dies ändert sich schlagartig als die Sonne rauskommt und wir uns dem Shire Fluss nähren. Plötzlich ist alles in goldenes Licht getaucht und ich verliebe mich in die Landschaft mit den Palmen, Termitenhügeln und blauen Bergen im Hintergrund.

Hier gibt es zahlreiche Lebewesen zu bestaunen und ich kann mein Glück kaum fassen, als wir einer Herde Elefanten begegnen. Unser Wagen ist weit und breit das einzige Fahrzeug und so teilen wir vier Menschen den Augenblick mit den grauen Riesen.

Bis vor einigen Jahren galten die Elefanten im Liwonde Nationalpark als eine der aggressivsten in ganz Afrika. Jahrzehntelange Wilderei hat sie zurecht misstrauisch gemacht. Seitdem im Park Wildhüter eingesetzt werden und Wilderei schwer geahndet wird, fassen die Tiere neues Vertrauen und auch wir können uns ihnen gut nähren.

Ein weiteres Highlight bietet sich uns auf der Rückfahrt aus dem Park. In einiger Entfernungen erspähen wir Geier, die über dem Grasland kreisen. Nach kurzer Zeit entdecken die geübten Augen unserer Guides auch den Grund: eine Geparden Mama hat für ihren Nachwuchs eine Antilope erlägt. Wir kommen gerade richtig und erleben, wie die vier sich über ihr Abendbrot her machen. Einen besseren Abschluss hätten wir uns für den Tag gar nicht wünschen können!

Da wir die einzigen Gäste an diesem Abend sind, gehen auch wir früh ins Zelt und fallen in einen tiefen Schlaf. Die ganzen Eindrücke und die frische Luft machen müde.

Im Kanu zwischen Hippos und Büffeln

Am nächsten Morgen heißt es früh aufstehen. Zusammen mit dem Guide vom Vortag und einem anderen jungen Mann, geht es auf Kanu Safari. Der Liwonde Nationalpark lässt sich nämlich auch ganz hervorragend vom Wasser aus erkunden.

Kurz vor dem Parkeingang fahren wir an den Shire River ran und besteigen unser Kanu. Hier treffen wir auch auf die lokale Bevölkerung, die direkt am Park lebt. Sie waschen am Fluss ihre Wäsche, braten Kartoffeln und frisch gefangenen Fisch und insgeheim glaube ich auch, dass es ein Treffpunkt der Jugend ist. Hatte unser Fahrer gestern noch ein T-Shirt an, hat er es heute für die Fahrt weggelassen und lenkt den Wagen betont lässig, um seine Muskeln spielen zu lassen.

Als wenn das nicht schon interessant genug wäre, können wir nun auf dem Fluss auch beobachten, wie dort gefischt wird. In Einbäumen sitzen Männer und Angeln. Auch ein größeres Boot ist unterwegs, welches seine Netze auswirft. Sobald die Nationalpark Grenzen anfangen, ist dies allerdings vorbei, denn Fischfang ist hier strengstens untersagt.

Danke an Mama, für das schöne Bild von der Anlegestelle am Shire River

Besonders interessant finde ich, dass zwischen den Fischern auch immer wieder Hippos auftauchen. Anscheinend kennen die Menschen die bevorzugten Stellen der Hippos und ich hoffe, dass es selten bis nie zu Zusammenstößen kommt – gilt das Nilpferd doch als eines der gefährlichsten Tiere Afrikas.

Die Kanu Safari im Liwonde Nationalpark ist ein echtes Highlight. Im aufgehenden Licht der Sonne wirkt alles besonders friedlich und ich liebe es, nicht mehr zu hören als das gelegentliche Gluckern des Wassers und die Rufe der Vögel.

Etwas Nervenkitzel verspüre ich dann allerdings doch. Die Hippos sind wirklich nah und als wir am Uferrand dann auch noch Büffel entdecken, bin ich froh mit kundigen Guides unterwegs zu sein.

Ein echtes Juwel

Malawi ist sicherlich eine der kommenden Trenddestinationen, was Safari Tourismus anbelangt und der Liwonde Nationalpark ein echtes Juwel. Ich war noch nie in einem Nationalpark, ohne anderen Menschen zu begegnen. Die Natur so ungestört und in ihrer Wildheit erleben zu dürfen ist etwas ganz Besonderes und für diese Erfahrung bin ich mehr als dankbar.

Überraschend war für mich auch die wunderschöne Landschaft, die dem Park die perfekte Rahmung gibt. Palmen bedeuten für mich schon immer etwas Exotisches und diese noch gepaart mit Elefanten, Pavianen und Co zu sehen ist schon toll.

Und um das Rätsel vom Anfang zu lösen, Löwen haben wir nicht gesehen. Das macht aber auch gar nichts. Die drei Tage Safari im Liwonde Nationalpark waren auch so einmalig und werden unvergessen sein.

Einige Tipps für deine Safari im Liwonde Nationalpark

  • Es gibt die Möglichkeit im Bushmans Baobab seinen Kaffee auch direkt auf die Viewing Plattform kommen zu lassen. Wer kann schon von sich behaupten, den morgendlichen Kaffee mit so einer Aussicht zu genießen?
  • Das anschließende Frühstück war dann auch immer so reichhaltig, dass wir kein Mittagessen mehr gebraucht haben. Morgens kann man auch immer spontan entscheiden, ob man zum Abendessen das volle Drei-Gänge Menü haben will, oder nicht.
  • Gegessen wird mit allen anderen Gästen am Tisch. Man kann toll Geschichten austauschen und sich Tipps von anderen holen. So habe ich nicht nur viel über Malawis Gesellschaft lernen dürfen, durch ein sehr herzliches Pärchen, sondern eben auch ganz viel über Bienenzucht, durch anwesende Imker.
  • Leider gab es in unseren Zelten keine Moskitonetze, deshalb ist es ratsam, eigene mitzubringen.
  • Bezahlen kann man vor Ort auch ganz easy per Paypal oder mit Kwacha, Euro oder Dollas
  • Ein Fernglas sollte man unbedingt mitbringen. Ich saß stundenlang auf der Viewing Plattform und habe mir angeschaut, was im Busch so alles los ist.
  • Oktober ist eine sehr gute Jahreszeit um den Park zu besuchen, da es sehr trocken ist und man viele Tiere seht. Man befindet sich auch kurz vor der Regenzeit und es kann den einen oder anderen Schauer geben oder sogar Gewitter, die besonders stimmungsvoll sind.
  • Der Parkeintritt wird pro Tag erhoben. Wer also etwas auf sein Budget achtet, kann beide Aktivitäten an einem Tag machen. Mit jeweils 25$ habe ich den Sunset Game Drive und die Kanu Tour als sehr günstig empfunden.

Hier… gehts zur Website vom Bushmans Baobab Camp.

Danke auch an meine Mama und liebste Reisebegleitung Karen, für die schönen Bilder von mir.

2 Kommentare

  1. Was für ein schöner Beitrag, vor allem die Bilder sind einmalig. Habe mich in die Hippos verliebt! Da wart ihr wirklich nah dran! Ich war auch in Malawi, habe es aber leider nicht in den Liwonde Nationalpark geschafft. Zuvor habe ich aber gelesen, dass ein einzelnes Löwenpaar wieder geschafft wurde in den Park zu “beheimaten”. Nach meiner Info aber eben nur das eine… wahrscheinlich habt ihr deshalb keine Löwen gesehen?! Auf jeden Fall hast du mir jetzt noch mehr Lust gemacht, noch mal nach Malawi zurückzukehren.
    LG Antje

    • lieschenradieschen

      Danke dir! Vermutlich ist das so mit den Löwen. Ich habe gehört das es mittlerweile 7 sind. Aber trotzdem ist das ja fast wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Malawi hat mich auch sehr begeistert und ich würde gerne nochmal zurück. Zumal ich – im Gegensatz zu dir – fast gar nicht am See war. Da gibt es ja auch noch einiges zu erkunden.
      Liebe Grüße
      Lynn

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