Auf dem Rücken des Drachen: die Drakensberge in Südafrika

Ich muss fast ein Tränchen unterdrücken, so schön ist es, die ersten Sonnenstrahlen des Tages begrüßen zu dürfen. Vergessen ist die Kälte um mich herum, vergessen der scharfe Wind. Ich habe nur noch Augen für goldenen Strahlen der Sonne, die sich über den Berg vor mir schieben und auch die übrige Landschaft in ein goldenes Licht tauchen. Erst hier begreife ich, wie ursprünglich und wunderschön die Drakensberge in Südafrika sind.

Mittlerweile ist es der dritte Tag, den ich in diesem Gebirge verbringe. Die Drakensberge in Südafrika werden auf Zulu uKhahlamba genannt, übersetzt bedeutet das Wand der aufgestellten Speere und es könnte fast keinen passenderen Namen geben. Je faszinierender ich diese unglaubliche Landschaft finde, desto unglaublicher finde ich auch die Vorstellung, dass sich dort oben das Königreich Lesotho befindet.

Insgesamt habe ich auf meiner Reise durch Südafrika 2017 vier Nächte in den Drakensbergen verbracht, zwei in den südlichen und zwei in den nördlichen. Eigentlich viel zu kurz, um auch nur ansatzweise alles zu sehen, aber immerhin genug, um ein Gefühl zu bekommen. Und dieses Gefühl ist intensiv! Selten habe ich mich der Natur so nah gefühlt, konnte beobachten welche Gewalten sie freisetzen kann und wie ungezähmt sie doch ist.

Die südlichen Drakensberge

Die ersten zwei Nächte verbringe ich zusammen mit meiner Mama in der Nähe von Underberg. Hier muten die Drakensberge fast noch lieblich an. Unsere Fahrt von Durban führt uns durch die so genannten Midlands Meanders. Auf halbem Wege passieren wir Pietermaritzburg. Hier musste Ghandi 1893 die erste Klasse eines Zuges verlassen, da dort keine indischen Passagiere geduldet wurden. Wir halten hier allerdings nicht, sondern fahren weiter zur Nelson Mandela Capture Side. Hier wurde Mandela am 5.August 1962 verhaftet. Er war auf dem Weg zurück von einem geheimen Treffen mit dem Präsidenten des ANCs, als er von bewaffneten Polizisten erst angehalten  und dann gefangen genommen worden ist. Dies markierte den Beginn seiner 27-jährigen Haft.

Ich finde dieses Kunstwerk unglaublich berührend und freue mich, dass wir es mehr oder weniger per Zufall gesehen haben. Eigentlich wollten wir nämlich Wasserfälle in der Nähe von Howick besuchen, allerdings haben wir sie nicht gefunden. Als ich dann auch noch das Schild zum Nelson Mandela Capture Side entdeckte, war die Sache entschieden.

Unterwegs auf der Midlands Meander Kulturroute

Die Midlands Meander ist eine Kulturroute zwischen Pietermaritzburg und den Drakensbergen. So gibt es zahlreiche tolle Cafés, Restaurants und niedliche Geschäfte. Nicht weit von der Nelson Mandela Capture Side begegnet uns eines dieser Cafés, welches für eine Mittagspause wirklich genau richtig ist! Wie immer in Südafrika geht alles unglaublich lässig und freundlich zu und das Essen schmeckt auch noch. Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg, um den restlichen Weg zu unserer Unterkunft, hinter uns zu bringen.

Diese liegt nicht weit entfernt von Underberg und ist noch ein echter Milchviehbetrieb, mit einem herzlichen Gastgeberpärchen, vier verspielten Schäferhunden (die zu meinem Glück auch Spinnen fressen) und niedlichen Cottages, in denen ich mich sofort wohlfühle. Alles ist plüschig – anders kann ich es gar nicht beschreiben – und kuschelig eingerichtet. Da wir recht spät am Abend angekommen sind, bleibt nur noch Zeit für einen kleinen Spaziergang über das Gelände, begleitet von den vier lieben Schäferhunden, die ich sofort in mein Herz schließe.

Da Nebensaison ist, haben nicht viele Restaurants auf. Wir entscheiden uns deshalb zur Old Hatchery zu fahren (kleiner Spoiler, auch den nächsten Abend landen wir wieder hier). Dort ist es ur-gemütlich! Im Juli ist in Südafrika Winter und in den Drakensbergen kann es empfindlich kalt werden, umso mehr freuen wir uns also über den warmen Bollerofen, dessen Hitze angenehm in meinen Rücken strahlt.

Auf gehts ins Königreich Lesotho

Früh gehen wir an diesem Abend ins Bett, denn am nächsten Morgen soll unsere Tour nach Lesotho starten! Nach der Nacht in den kuscheligen Betten fühle ich mich leider etwas angeschlagen. Bei einem Frühstück mit Café, Obst und Fußbodenheizung überlege ich hin und her: soll ich den Ausflug nach Lesotho absagen oder nicht? Schließlich entscheide ich mich, die Tour mitzumachen. Eine richtige Entscheidung, auch wenn zwischenzeitlich mein Kreislauf ordentlich zusammenklappt in Lesotho. Dazu gibt’s aber im passenden Beitrag mehr…

Lesotho hat mich wahnsinnig beeindruckt. Auch wenn ich nur wenige Stunden dort oben war, bin ich doch in eine komplett andere Welt eingetaucht. Alleine das Gefühl über den Sani Pass zu fahren und eingefrorene Wasserfälle zu sehen, ist fast nicht in Worte zu fassen!

Sobald wir wieder zurück in unseren Cottages sind, falle ich erschöpft aufs Bett. Später schaffe ich es gerade noch so mich wieder aufzuraffen und in die Old Hatchery zu fahren, um dort eine Suppe zu schlürfen. Passend zu meiner Stimmung, brennen überall kontrollierte Feuer. Im Dunkeln der Nacht mit den Sternen über uns, wirkt ihr rötlicher Schimmer nahezu unheimlich. Sobald wir wieder zu Hause sind lege ich mich sofort schlafen. Die ganze Nacht soll ich allerdings von Magenkrämpfen geplagt werden und schlussendlich verbringe ich mehr Zeit im Bad, als im Bett. So soll es ja eigentlich nicht sein und meine einzige Freude ist die Fußbodenheizung im Bad…

Weiterfahrt in die nördlichen Drakensberge

Am nächsten Morgen geht es mir etwas besser und ich fühle mich bereit, in die nördlichen Drakensberge zu fahren. Da meine Mama und ich so gerne Schotterpiste in Namibia gefahren sind und auch hier in Südafrika ein geländegängiges Auto haben, entscheiden wir uns für die vermutlich schönere Route und gegen die Autobahn. Schlussendlich kommen wir hier aber sehr, sehr langsam voran. Die Straßen sind zum Teil in einem unglaublich schlechten Zustand und wir brauchen für 50 Kilometer über eine Stunde. Da es mir auch nicht wirklich besser geht, entscheiden wir uns wieder auf die Autobahn zu fahren und die letzten Kilometer dort runterzubrechen.

Nichtsdestotrotz war die Fahrt eine tolle Erfahrung. Wir haben ein Gefühl dafür bekommen, wie die Menschen in den ländlichen Gebieten von KwaZulu-Natal leben und wie ursprünglich diese Gegend ist. Fasziniert haben mich allerdings auch die Kontraste. Auf der einen Seite hat man die typischen Rundhütten und auf der anderen Seite sehr neu wirkende Gesundheitszentren. Besonders skurril wird es dann, als uns ein Fahrschulauto begegnet. Hier lernt man Anfahren am Berg, das sage ich dir!

Angekommen im Paradies

Gegen späten Nachmittag erreichen wir dann mehr oder weniger unsere zweite Unterkunft. Diese liegt nicht unweit des Royal Natal Nationalparks mit dem berühmten Amphitheater. Ab hier wird es dann aber nochmal so richtig abenteuerlich! Über die Rezeption eines anderen Hotels geben wir Bescheid, das wir angekommen sind. Eigentlich sollen wir hier unser Auto stehen lassen und sollen dann abgeholt werden. Anscheinend wird uns allerdings zugetraut, dass wir mit unserem Auto selbst hochfahren können.

Gesagt getan. Allerdings ist die Strecke wirklich nicht ohne und meine Mama und ich kommen ordentlich ins Schwitzen – da hilft nur gut zureden! Als ich dann am Gate den Schlüssel nicht finde, bin ich mit meinen Nerven fast am Ende. Die anstrengende Nacht, meine wiederkehrenden Magenkrämpfe und die lange Fahrt stecken mir in den Knochen. Da meine Mama wohl spürt, dass ich nicht mehr zu gebrauchen bin, nimmt sie mir mein Handy aus der Hand und folgt nun den Anweisungen, um schlussendlich auch erfolgreich den Schlüssel in der Hand zu halten. Was für ein Start mit der Lodge!

Endlich oben angekommen, werden wir ganz herzlich empfangen und von mir fällt jegliche Anspannung ab. Zwar gibt es weder Strom noch Internet in den Holzhütten, aber ich fühle mich sofort wohl. Hier bin ich dem Himmel ganz nah, denke ich mir. Im gemütlichen Aufenthaltsraum brennt schon ein Feuerchen und da wir die einzigen Gäste für den Abend sind, bekommen wir ein 3-Gänge Menü ganz für uns alleine. Das Essen schmeckt super lecker und so falle ich erschöpft und glücklich in mein Bett. Etwas verdutzt stelle ich noch fest, dass jemand eine Wärmflasche in mein Bett gelegt hat, was für ein toller Service!

Der wohl schönste Sonnenaufgang der Welt

Am nächsten Morgen wache ich dann frisch noch vor dem Sonnenaufgang auf, der mich dann ja so umgehauen hat! Was ein toller Start in den Tag. Beim Frühstück erkunden wir uns dann, was man hier für Aktivitäten machen kann. Da ich mich immer noch etwas angeschlagen bin, entscheiden wir uns für eine leichte Wanderung zu Zeichnungen von den San und Pferdereiten am Nachmittag.

Anscheinend war ich nicht die einzige, die zum Sonnenaufgang schon wach war…

Nachdem Frühstück machen wir uns mit einem Lunchpaket in der Hand auf den Weg. Tatsächlich ist es mehr ein Spaziergang, als eine Wanderung, aber das kommt mir sehr entgegen. In einer Art Höhle finden wir dann tatsächlich die Zeichnungen. Zunächst entdecke ich nur einige Wenige, ehe sie immer deutlich zu erkennen sind. Was für ein berührender Augenblick! Zum zweiten Mal an diesem Tag schlucke ich die Tränen weg. Ich finde es einfach unglaublich berührend zu wissen, dass hier vor vielen tausend Jahren unsere Vorfahren waren und sich so verewigt haben.

Als wir alles ausführlich bestaunt und uns Gedanken gemacht haben, was die Zeichnungen wohl bedeuten mögen, setzten wir uns auf einen Stein und genießen unser Lunch Paket und die Ruhe. Selten hören wir Städter*innen einfach mal nichts, aber hier geht nur der Wind, der mit dem Gras spielt. In sicherem Abstand können wir dann schlussendlich noch eine Gruppe von Pavianen beobachten, während Geier über unseren Köpfen streifen. Wow!

Nach dieser kleinen Anstrengung, ziehen wir uns in unsere Blockhütte für eine kleine Mittagsruhe zurück. Ich sitze draußen auf der Veranda und staune noch immer über diese beeindruckenden Felsformationen. Leyla, der auf der Lodge lebende Hund leistet mir Gesellschaft. Zusammen staunen wir über einen riesigen Grashüpfer und erschrecken uns, als dieser auch noch seine Flügel aufspannt.

Auf dem Rücken der Pferde, liegt für mich eher nicht so das Glück dieser Erde

Zum Nachmittag haben wir uns Pferde ausgeliehen und reiten zusammen mit dem Stallburschen über das Gelände. Was für ein unglaubliches Gefühl in mitten dieser Natur auf dem Rücken eines Pferdes unterwegs zu sein. Allerdings merke ich auch, wie ungeübt ich im Sattel bin, denn nach einer Stunde schmerzt mir ganz schön das Gesäß.

Noch besser wird es dann allerdings, als meine Jacke über den Hintern des Pferdes rutscht und dieses sich zurecht erschrickt. Wie in Zeitlupe spielt sich nun alles vor mir ab – entweder ich falle oder ich halte mich panisch am Pferd fest. Da ich keinen Wert darauf lege, mir weh zu tun, entscheide ich mich für letzteres und kann mich gerade noch so halten. So schnell steig ich wohl nicht mehr in den Sattel!

Sobald die Sonne untergeht wird es empfindlich kalt und wir gehen ins Haupthaus, um vor dem warmen Kamin noch etwas zu lesen. Bald wird das Essen aufgetischt und heute geht es auch etwas lauter zu. Eine Gruppe von Overlandern ist dazugestoßen und wir unterhalten uns alle über vergangene und bevorstehende Abenteuer.

Ich schwinge das Tanzbein

Auch der Abend wird noch feucht-fröhlich. Der Lodgebtreiber schlägt vor zu tanzen. Ich verstehe zunächst, ob wir afrikanisch tanzen wollen und bejahe dies freudig. In meiner Vorstellung laufen gleich flotte Beats, zu denen wir uns alle bewegen. Schnell stellt sich allerdings heraus, dass afrikaanse Tänze gemeint sind, die in der Regel Paartänze sind. In der Hinsicht bin ich eine ganz schlechte Tänzerin und trete meinem Partner permanent auf die Füße. Allerdings macht es auch unheimlich viel Spaß und ich kann gar nicht mehr aufhören zu lachen.

Die Drakensberge in Südafrika – es heißt Abschied nehmen

Der Abschied am nächsten Morgen fällt mehr als schwer. Ich genieße noch einen letzten Kaffee mit Blick auf die Drakensberge und schon müssen wir uns von allen verabschieden. Im Auto werfe ich noch einen letzten wehmütigen Blick auf dieses kleine Paradies, ehe ich überrascht werde. Zwei Sekretär Vögel stehen plötzlich neben unserem Auto! Dies sind meine Lieblingsvögel und ich kann mir keinen würdigeren Abschied vorstellen, als diesen.

Bald werden die Berge im Rückspiegel kleiner und kleiner und wir sehen vor uns den Moloch von Johannesburg, aber das ist eine andere Geschichte.

Mehr Tipps und Tricks zu den Drakensbergen in Südafrika gibt es bei meinen Blogger Kolleg*innen:

Nützliche Adressen

Wie eigentlich alle meine Reisen, ist auch diese selbstfinanziert. Die Empfehlungen sind deshalb aus meiner vollen Überzeugung entstanden, weil ich mich dort wohl gefühlt habe. 

Südliche Drakensberge

Nelson Mandela Capture Side
Während meines Besuchs im Juli 2017 war der Eintritt frei. Wer mag, kann eine kleine Spende machen. 
Website: http://www.thecapturesite.co.za/

The Old Hatchery
Besonders empfehlenswert ist hier die Forelle!
Am besten du reserviert einen Tisch vor. Vor allem in der Nebensaison kann es hier sehr voll sein, weil es eines der wenigen Restaurants ist, die geöffnet haben.
Website: http://jakkies.wixsite.com/the-old-hatchery

Elgin Guesthouse
Wunderschönes B&B, in den noch lieblich anmutenden Drakensbergen. Durch den Milchviehbetrieb, kann man den Farmalltag miterleben.
Website: http://www.elginguesthouse.co.za/

Sani Pass Tour
Wer nach Lesotho über den Sani Pass fahren will, sich aber nicht selber traut, dem sei Sani Pass Tour ans Herz gelegt. Wir hatten einen klasse Guide, der für uns den Tag unvergesslich gemacht hat.
Website: http://sanipasstours.com/

Nördliche Drakensberge

Greenfire Drakensberge Lodge
Eine der schönsten Unterkünfte, die ich bisher im südlichen Afrika erleben durfte. Die Gastgeber sind unglaublich herzlich, das Essen schmeckt und es gibt viele tolle Ausflüge zu erleben. 
Website: https://www.greenfire.co.za/project-details/drifters-drakensberg-lodge/

2 Kommentare

  1. Hi Lynn,

    das ist ja eine traumhafte Landschaft, das würde ich gerne Mal mit eigenen Augen sehen :-)

    Liebe Grüße
    Flo von den Phototravellers

    • lieschenradieschen

      Und zum Fotografieren ist es auch ein Traum! Seid ihr schon mal in Südafrika gewesen?

      Liebe Grüße
      Lynn

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.