Roter Mond und weißer Sand: das Lake of Stars Festival in Malawi

Roter Mond und weißer Sand: das Lake of Stars Festival in Malawi

See der Sterne – könnte es eine schönere Bezeichnung für den Malawisee und das gleichnamige Lake of Stars Festival geben? Hier habe ich im September 2018 am Strand getanzt, bin in die Wellen gesprungen und habe einem Sandsturm getrotzt. Ob die Erinnerungen wohl länger bleiben, als der Sand der noch immer aus diversen Körperöffnungen rieselt?

Das Lake of Stars Festival in Malawi

Wenn mich eine/r fragt, was wohl das eindrücklichste Erlebnis auf meiner Reise durch Malawi war, dann war es sicherlich das Lake of Stars Festival. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich mit meinen damals 23 Jahren noch nie auf einem Festival war. Weder in Deutschland, noch in Europa oder sonst wo. Somit sollte das Lake of Stars Festival in Malawi auch meine Festivalprämiere werden. Warum es trotz aller Herausforderungen großartig war und was das Chichewa Wort mavuto damit zu tun hat, verrate ich dir in diesem Beitrag. Aber eins nach dem anderen…

Eine Anreise mit Schwierigkeiten

Da wir in einer größeren Gruppe unterwegs waren, hatten wir bereits von Deutschland aus einem rundum sorglosen Paket für das Festival gebucht. Dieses war nicht ganz günstig, beinhaltete aber die ganze Organisation, den Transfer und auch die Unterkunft in Zelten.

Am 28. September 2018 war es dann soweit. Startklar saßen wir auf unseren gepackten Taschen, in freudiger Erwartung auf das Festival. Aber unser Transfer kam und kam nicht. Nach einigen Stunden bekam ich auch keine Antworten mehr auf meine Fragen per Whatsapp und SMS und ich wurde langsam nervös. Das der Strom im Hostel ausgeschaltet wurde, machte die Sache auch nicht einfacher.

Nach zähen Stunden der Warterei kam dann doch unter lautem Jubel, der Bus auf den Hof des Hostels eingebogen. Anscheinend waren einige Flüge der anderen Gäste verspätet gewesen und dann sind sie auch noch in einen Stau geraten. Ärgern bringt allerdings nichts und so haben wir dann kurzerhand den Bus zum „Party-Bus“ ernannt und uns gute Laune verordnet.

Leider ging mit der Verspätung auch einher, dass es mittlerweile dunkel war, als wir auf dem Festival Gelände ankamen. Da ich mich mit meinem Blog als Presse akkreditieren konnte, musste ich zu einem anderen Eingang, als die anderen. Dort lief dann erfreulicherweise alles reibungslos, es stellte sich nur die Frage, wie den Rest der Gruppe im Dunkeln wiederfinden?

Bewaffnet mit einem Plan in der Hand, machte ich mich auf die Suche. Zwischenzeitlich stolperte ich sogar ausversehen auf die Hauptbühne, wo das Festival natürlich schon im vollen Gange war. Mehr durch Zufall erspähte ich dann zum Glück eine Mitreisende, die auch meine Mama im Schlepptau hatte. Zusammen haben wir dann die Koffer und Taschen über den Strand geschleift, um endlich bei unserem Camp anzukommen. Die Stimmung war relativ gedrückt, gab es doch Probleme am Ticketschalter und dann wurde auch noch jemanden das Handy gestohlen und es gab einen großen Tumult. Alles in allem kein wirklich guter Start.

Glamping ohne Glamour

Vorab wurde uns ein Glamping Village versprochen (Glamping ist ein Kunstwort aus Glamour und Camping), als wir dort ankamen, war ich allerdings fassungslos. Erst am nächsten Tag hatte ich ein Auge für die liebevollen Details aus gemalten Bildern und anderen Annehmlichkeiten. Fassungslos war ich vor allem, weil die Zelte so ganz anders aussahen, als sie uns vorab versprochen wurden.

Mit meiner Mama sollte ich mir ein Ein-Personen-Zelt teilen, in das wir selbst ohne Gepäck nicht gepasst hätten. Leider verhielt es sich auch so, wer am lautesten Ich-Ich-Ich schreien konnte, bekam zuerst ein Zelt vermittelt. Für uns blieb dann nur der Rest übrig und das war nicht rosig: nasse Matratzen, wenn es überhaupt welche gab und kaputte Reißverschlüsse sind einfach indiskutabel und das vor allem an einem Tag, wo gefühlt eh schon alles schiefgelaufen ist.

Am Ende konnten wir dann zum Glück alles klären und jeder bekam auch ein Zelt, welches angemessen war. Ich war dann sogar recht zufrieden mit meiner Wahl und fand mein Heim für die nächsten drei Tage recht gemütlich.

Ein Rhythmus an den ich mich gewöhnen kann

Am nächsten Morgen sah die Welt natürlich ganz anders aus. Durch die vielen Herausforderungen des Anreisetags, hatten wir den Freitagabend fast vollständig verpasst und nach einem schnellen Abendbrot sind wir tot müde ins Bett gefallen. Mein erstes Learning für ein Festival ist definitiv, dass man nicht wirklich ruhigen Schlaf finden kann. Das macht aber auch gar nichts, weil sonst hätte ich wohl den wirklich unglaublich schönen Sonnenaufgang über dem Malawisee verpasst.

Manche Menschen kamen erst vom Festivalgelände, andere waren wie ich gerade aufgewacht, aber keiner konnte sich der Magie des Moments entziehen. Es war einfach wunderschön anzusehen.

Die nächsten Festivaltage folgen dann eigentlich dem immer gleichen Ablauf und an diesen könnte ich mich nur zu gut gewöhnen: Frühstücken, am See liegen und ein bisschen plantschen, sich im Food Court etwas zum Mittag suchen, den ersten Musiker*innen lauschen, nochmals abkühlen weil es Ende September in Malawi sehr heiß sein kann, noch mehr Musik hören, Abendessen und zurück zu den Bühnen.

Ich kann mir eigentlich kaum vorstellen, dass ein Festival malerischer gelegen sein kann als das Lake of Stars Festival in Malawi. Der See bietet einfach eine unglaublich klasse Kulisse für das Festival. Am weißen Strand zu liegen oder ins Wasser zu gehen und trotzdem der Musik zuhören zu können, hat schon was für sich.

Ein Sandsturm sondergleichen

Die letzten zwei Nächte waren dann allerdings das genaue Gegenteil von entspannt. Nachdem die erste Nacht nach all dem Stress relativ problemlos abgelaufen ist, fing die zweite Nacht schon spannend an. Während meine Lieblingsband Sauti Sol aus Kenia spielte, branden auf dem Parkplatz munter 4 Autos vor sich hin. Davon bekamen wir relativ wenig mit, bis wir nach dem Aufritt zurück zur Camping Area gingen, um in die Zelte zu kriechen. Von dort aus sahen die Autos gleich viel näher aus und die Angst machte sich breit, was wäre, wenn der Wind plötzlich dreht? Schlussendlich gelang es dann, das Feuer zu löschen und wir konnten beruhigt ins Bett gehen.

Am frühen Morgen wurde ich dann von unglaublich starken Böen geweckt. Zunächst habe ich mir wenig dabei gedacht, da mein Zelt stabil stand und ich außerdem noch saumüde war. Irgendwann habe ich dann aber doch mal vorsichtig den Kopf aus dem Zelt gesteckt um festzustellen, dass nicht wenige Zelte um mich herum völlig zerstört waren. Gerade die größeren konnten dem starken Wind nicht lange standhalten.

Von meinem Zeltnachbarn wurde ich dann nur mit dem Wort mavuto begrüßt. Dieses bedeutet so viel wie Problem und war mein erstes Wort, welches ich auf Chichewa lernen sollte. Später erklärte man uns dann, dass dieser Wind direkt vom Indischen Ozean über Mosambik nach Malawi kommt und nicht selten ist für diese Region. Nur eben für die Jahreszeit ist er doch ungewöhnlich. Sobald die Sonne dann höher an den Himmel steigt, legt sich auch der Wind schlafen und wir können unserer täglichen Routine folgen.

Am Sonntag, dem letzten Tag des Festivals, sollte mit Major Lazer einer der größten Acts des Festivals in Malawi auftreten. Nach Sonnenuntergang frischte aber der Wind wieder so stark auf, dass der Sand wie kleine Geschosse über den Strand und drüber hinausgepustet worden. Selbst der Mond verfärbte sich durch den umherfliegenden Sand ganz rot. Dies machte die ganze Szenerie natürlich nochmal unheimlicher, als sie sowieso schon war.

In dieser zweiten Sturmnacht sollten auch unsere Zelte nicht mehr halten. Tatsächlich bin ich ungemein glücklich über unsere Reisegruppe, denn die Stimmung stand kurz davor zu kippen. Wir haben uns dann einfach entschieden nicht in Panik zu verfallen und das beste draus zu machen. Mit Humor lässt sich doch eben alles besser meistern! Selbst den Auftritt von Major Lazer haben wir uns noch angehört, wenn auch aus einer windstillen Ecke.

Es ist kaum in Worte zu fassen, wie es sich anfühlt, wenn der Sand so über einen hinwegpeitscht. Bei den Böen hat man keine andere Chance, als sich einfach zusammen zu kauern und abzuwarten, dass sie vorbei geht. Die Zelte werden zu kümmerlichen Häufchen und man fragt sich, wie lange die Bäume dem wohl noch standhalten.

Da unsere Zelte nicht mehr bewohnbar waren, hat sich meine Mama auf die Suche nach einer Alternative gemacht. Währenddessen war ich allein bei unseren Zelten und kam mir vor wie der letzte Mensch auf diesem Planeten. Im Schein meiner Stirnlampe sahen die Sandkörner aus wie Schneegestöber und in regelmäßigen Abständen musste ich mich hinter einen Baum ducken, um ihnen zu entkommen.

Tatsächlich gab es noch robuste, freie Zelte, von einem südafrikanischen Anbieter. Mittlerweile war es nach 3 Uhr nachts und wir nur noch froh, irgendwo schlafen zu können. Früh am nächsten Morgen sollte unser Transfer zurück nach Lilongwe gehen, sodass wir noch für wenige Stunden die Augen zu machen konnten.

Am nächsten Morgen kam dann das bittere Erwachen. Nicht nur das wir völlig gerädert waren und Sand in sämtlichen Ritzen hatten, nein wir sollten für den Spaß auch noch 35.000 Kwacha (umgerechnet 40€) zahlen. Da hat jemand noch schön Geld mit unserer Notlage gemacht.

Als wir schlussendlich das Festivalgelände verlassen, läuft „the storm is over“ von R. Kelly im Radio, während wir uns den letzten Sand aus den Ohren puhlen.

Das Lake of Stars Festival – ein Fazit

5000 Besucher*innen, über 60 Künstler*innen aus 12 Nationen, vier brennende Autos und ein massiver Sandsturm – so geht das Lake of Stars Festival in Malawi zu ende.

Trotz allem war das Lake of Stars Festival 2018 für mich ein echtes Highlight meiner Reise. Das mein erstes Festival in Afrika sein sollte, hätte ich mir auch nie erträumen lassen. Obwohl es nur über drei Tage ging, habe ich so viel erlebt, dass es wohl für Monate reichen würde.

Wie immer steht und fällt alles mit den Leuten, mit denen man unterwegs ist und wir haben es geschafft, selbst in einer wirklich schlimmen Situation, nicht die gute Laune zu verlieren. Immer wieder würde ich an den See der Sterne fahren, um dieses Spektakel zu erleben.

Ganz richtig stellt der Autor in der Zambia Daily Mail fest:

„Washing the stubborn Salima sand off is on everyone´s mind on the way out but one thing is for sure: they all had the time of their lives while it lasted.“

Und dem kann ich nicht mehr hinzufügen!

Tipps und Tricks rund um das Lake of Stars Festival

Möglicherweise hast du ja nun auch Lust auf dieses wirklich bunte, skurrile und großartige Festival am Malawisee? Dann gebe ich dir gerne noch ein paar Tipps und Tricks.

Dieses Jahr fand das Lake of Stars Festival bereits zum 15. Mal statt. Als Location wurde das Kambumba Hotel, nicht unweit von Salima ausgewählt. Salima gilt übrigens als der Reis und Honig District in Malawi, weshalb man sich hier bei den vielen Händler*innen am Straßenrand auch damit eindecken kann.

Da das Festival jedes Jahr woanders am Malawisee stattfindet, informierst du dich am besten auf der offiziellen Website des Lake of Stars Festival, wo es im nächsten Jahr sein wird. Hier findest du auch alle Informationen zu deiner Anreise und wo du die Tickets kaufen kannst.

Es gab zahlreiche Stände, wo man Essen kaufen kann. Allerdings entsprechen die Preise auf dem Festival Gelände eher unseren gewohnten Standards, weswegen du dich darauf einstellen solltest, genug Geld mitzunehmen. Apropos, zwar konnte man Geld abheben, aber ein Automat ist nicht unbedingt zuverlässig. Aus diesem Grund würde ich dir empfehlen, genug Bares bei dir zu haben. Außerdem bietet es sich bei den heißen Temperaturen an, genug Wasser und einen Sonnenschutz dabei zu haben.

 

Wenn es um das Thema Sicherheit geht, habe ich mich immer sehr wohl gefühlt (mal abgesehen von den brennenden Autos und dem Sturm natürlich). Es waren zahlreiche Sicherheitskräfte unterwegs, die selbst bei den Konzerten in der Menschenmenge standen. Des Weiteren habe ich kaum wirklich betrunkene Menschen erlebt und auch anderen Drogenkonsum habe ich zum Glück nicht mitbekommen. Alle waren sehr freundlich und die allgemeine Stimmung wirklich toll.

Ein anderer Aspekt ist der Malawisee und die Möglichkeit, sich mit Bilharziose anzustecken. Du solltest ganz genau abwiegen, ob du schwimmen gehen möchtest oder nicht. Falls du dich dagegen entscheidest, solltest du auch die Duschen ganz genau anschauen. Einige werden mit Seewasser gespeist.

Ich glaube beim nächsten Mal würde ich mein eigenes Zelt mitnehmen, einfach um nicht nochmal so einen Stress zu haben. Bei Ethiopian Airlines konnten wir zum Beispiel auch 2x23kg Gepäck aufgeben, da ist genug Platz für Camping Zubehör.

Wenn du dich schon mal musikalisch einstimmen willst, kann ich dir nicht nur das folgende Video empfehlen, sondern auch einige Künstler*innen. Mein Favorit ist nach wie vor Sauti Sol (Live and Die in Africa) aus Kenia. Sehr gut ist aber auch Kobi Onyame (Chosen Ones) und Love Ssega (Hiding Faces). Sehr angetan war ich auch von Beating Heart (The Work – Rudimental Remix). Djs, die aus alten Tonaufnahmen aus Malawi neue, elektronische Musik mixen. Sehr angesagt in Malawi ist außerdem Suffix (Kutali). Wenn dir das noch nicht reicht, gibt es auch eine Spotify Playlist zum Lake of Stars Festival 2018.

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https://www.youtube.com/watch?v=cCVPJ-bIirU

 


Offenlegung: Ich konnte mich mit meinem Blog als Presse akkreditieren und musste deshalb kein Ticket kaufen. Alles andere habe ich selbst bezahlt. Wie immer beeinflußt dies nicht meine Meinung.

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