5.Etappe des GR221: der härteste Tag überhaupt!

Blick auf Sóller auf der 5.Etappe des GR221

Ich wende den Blick nach oben und sehe Stufen, viele Stufen. Insgesamt liegen nun 2000 von ihnen vor uns, die uns bis in das Tal des L´Ofre bringen sollen. Schon jetzt bin ich eigentlich sehr erschöpft, aber die 5.Etappe des GR221 hat gerade erst angefangen…

5.Etappe des GR221 – die ersten Wehwehchen kommen auf

Es gibt so Tage, da kommt man einfach nicht so richtig in Schwung. Mir geht es am heutigen Tage so. Es will und will einfach nicht laufen und das obwohl die Strecke von Déia nach Sóller wirklich wunderschön ist. Zwar führt der offizielle GR über Port de Sóller, aber weil wir weiterhin mit den Spaniern gehen und heute noch bis zum Cuber Stausee wollen, entscheiden wir uns direkt nach Sóller zu gehen. Von Déia bis zum Abzweig nach Sóller sind es knapp 7,9 Kilometer. Es sind kaum Höhenmeter zu bewältigen und es geht durch wunderbar alte Olivenhaine.

Blumen auf der 5.Etappe des GR221

Aussicht auf der 5.Etappe des GR221 zwischen Déia und Sóller

Von Déia nach Sóller auf der 5.Etappe des GR221

Trotzdem kann ich es nicht so richtig genießen. Möglicherweise liegt es auch an dem wirklich schlechten Frühstück, welches es im Refugi gab. Während das Abendessen schon sehr wenig war, macht am Morgen eine Scheibe weißes Toastbrot auch nicht wirklich glücklich. Zu allem Überfluss beginnt kurz vor Sóller auch noch meine Kniekehle an zu ziehen.

Endlich angekommen in Sóller

In Sóller hebt sich dann meine Stimmung. Es ist Markttag und das bunte Gewimmel der Stände und Menschen lenkt mich von dem Ziehen ab. Zum Glück gibt es auch eine offene Apotheke und ich gönne mir eine Bandage. Diese hilft sehr und mit der Zuversicht heute noch weiter gehen zu können, hebt sich auch meine Stimmung wieder.

Da es von Sóller bis zu unserem Ziel am Cuber Stausee noch gute 20 Kilometer sind, entschließen wir uns erstmal für ein ordentliches Mittagessen. Abseits von den Touristenrestaurants, bugsieren uns “unsere” Spanier in eine kleine Taverne. Dort bestellt sich jeder einen gemischten Teller und das Schlemmen kann beginnen. Größtenteils habe ich zwar keine Ahnung was genau sich da auf meinem Teller befindet, aber es schmeckt wahnsinnig lecker!

Kleine Gassen auf der 5.Etappe des GR221

Sóller auf der 5.Etappe des GR221

Nachdem wir noch einen Kaffee getrunken haben (und die Jungs sich diesen mit einem kleinen Schluck Selbstgebranntem gestreckt haben), brechen wir auf. Natürlich ist es wieder um die Mittagszeit und knalle heiß. Bevor wir Sóller aber endgültig verlassen, kaufen wir noch auf dem Markt für heute Abend ein. Auch das obligatorische Mandeleis lasse ich mir nicht entgehen – wunderbar lecker!

Die Quälerei beginnt

Bereits direkt hinter Sóller geht es auf der 5.Etappe des GR221 natürlich wieder bergauf. Das erste Ziel in etwa 3 Kilometer Entfernung heißt Biniaraix. Zwar verläuft der Weg größtenteils auf einer Asphalt Straße aber so kommt man schnell voran. Auch meine Schmerzen melden sich nicht mehr und so laufe ich gut gelaunt bis in den kleinen Ort.

In Biniaraix gibt es eine kleine Quelle, wo man Wasser auffüllen kann und ein Bar, die aber sehr unregelmäßig geöffnet hat.

Hinweis: Entlang des Weges gibt es nun immer wieder Quellen. Ich war sehr froh darum, denn sobald man Sóller verlässt, gibt es lange keine Möglichkeit mehr, Wasser zu kaufen. Allerdings würde ich immer nochmal im Ort fragen, ob die Quellen zur Zeit Wasser führen, nicht das du plötzlich ohne dastehst.

Blick auf Biniaraix auf der 5.Etappe des GR221

Nach Biniaraix beginnen dann die Strapazen. 2000 elendig lange Treppen geht es hoch bis Coll de L´Ofre. Zwar ist die Landschaft wunderschön und ich halte immer wieder zum Staunen an, aber es ist auch verdammt anstrengend. Was erschwerend dazu kommt ist die Hitze. Um mich zu schützen trage ich eine Mütze, allerdings sitzt diese so doof, dass ich immer nur nach unten gucken kann. So verfolge ich Treppe um Treppe und bekomme selten Abwechslung. 

Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie erleichtert ich bin, als wir endlich die Treppen hinter uns lassen! Etwas unterhalb des Coll de L´Ofre legen wir eine Rast ein und genießen die Berge um uns herum. Sóller liegt noch nicht mal 100 Meter über dem Meeresspiegel und nun sind wir auf fast 900 Meter angestiegen, das merken meine müden Beine.

Wegweiser auf der 5.Etappe des GR221

Treppen auf der 5.Etappe des GR221

Immer weiter, immer weiter

Noch immer sind wir mit der Gruppe Spanier unterwegs. Sie gehen diesen Weg öfters und kennen wohl einen Rastplatz, wo wir die Nacht verbringen sollen. Als Schließlich der Cuber Stausee in Sicht kommt, heißt es, wir müssen nur noch einmal rum und dann sind wir fast da – das wir noch gefühlte 3 Stunden gehen werden, weiß ich zu diesem Zeitpunkt (zum Glück) noch nicht. Erstmal genieße ich allerdings die Aussicht, denn nun kommt in meinen Augen der schönsten Teil des GR221.

Dadurch das wir recht weit oben sind, sehen die anderen Berge auch gar nicht mehr so hoch aus. Vor allem ist auch der Puig Major zum Greifen nahe. Die Vegetation ist zwar sehr karg, hat aber ihren ganz eigenen Reiz. Besonders schön finde ich es auch, zwischen den überall umher streunenden Schafen durch zu laufen.

Blick auf den Cuber Stausee auf der 5.Etappe des GR221

Plötzlich entdecken wir am Himmel einen riesigen Vogel. Dies muss einer der berühmten Geier von Mallorca sein. Ein wirklich beeindruckendes Tier und ich kann kaum meinen Blick von ihm lösen.

Geier auf der 5.Etappe des GR221

Der Cuber Stausee

Als der Cuber Stausse in greifbare Nähe kommt, tun meine Füße schon ordentlich weh. Zwar hilft die Bandage an meinem Knie, aber die Füße melden sich jetzt einfach nach knapp 30 Kilometer. Das wir zum Umrunden des Stausees auf Asphalt laufen, hilft auch nicht weiter. Noch fieser ist allerdings, dass der See das Trinkwasser für Palma sichert und so mit schwimmen nicht erlaubt ist, dabei sieht das kühle Nass so verlockend aus….

Nachdem man die Straße hinter dem Cuber Stausee überquert, gibt es einen kleinen Rastplatz mit Quelle. Dort halten wir an, um Rast zu machen. Mittlerweile geht es schon in den frühen Abend rüber und wir müssen immer noch eine halbe Stunde gehen. Beim Sitzen zittern meine Beine und ich merke, wie erschöpft ich bin!

Hinter dem Cuber Stausee, befindet sich ein weiterer Staussee, der Gorg Blau. Dieser liegt nun wunderschön im goldenen Licht der Abendsonne vor uns. Wir gehen und gehen und ich kann mich kaum satt sehen an all dieser Schönheit. Und doch merke ich, ich kann und will nicht mehr gehen. Irgendwann ist einfach Schluss und ich habe bald meine Grenze erreicht. Nachdem wir den Stausee hinter uns lassen, müssen wir uns beeilen. Eine weitere halbe Stunde liegt vor uns und es wird bald dunkel.

Blick auf Gorg Blau auf der 5.Etappe des GR221

Mittlerweile bin ich mit meinen Nerven am Ende. Heute morgen habe ich meinen Tritt nicht gefunden, dann tat auch noch die Sehnen meiner Kniekehle weh und nun nach 40 Kilometern reicht es mir einfach. Mit unglaublich schlechter Laune trotte ich den anderen hinterher.

Endlich angekommen!

Kurz hinter der Font des Prat, eine weitere Quelle, haben wir unser Ziel endlich erreicht. Sobald wir unseren Zeltplatz erreichen setze ich mich hin, schnappe mir ein Stück Schokolade und muss ein Tränchen verdrücken. Ich hätte nie gedacht, dass man so erschöpft sein kann! Die 5.Etappe des GR221 hat mir wirklich alles abverlangt aber am Ende des Tages bin ich stolz auf mich, was ich alles erreichen kann.

Sobald es dunkel wird, schmeißen wir ein Lagerfeuer an und genießen die Leckereien vom Markt in Sóller. Plötzlich werden wir lachend gefragt, ob wir eigentlich Innereien essen. Wir verneinen dies und ernten dafür großes Gelächter. Auf die Frage nach dem Warum wischen sich alle die Tränen aus den Augenwinkeln und erklären uns, dass wir bereits zum Mittag Zunge gegessen hätten und eben in der Wurst noch andere Innereien. Ich hatte auf Grund der Konsistenz so etwas schon vermutet, wollte es aber lieber nicht wissen. Trotzdem war beides unglaublich lecker und ich würde es nächstes Mal wieder essen.

Als wir dann schließlich Abends im Bett liegen, versuche ich die Etappen zu rekapitulieren. Aber egal wie ich es drehe, am Ende ist einfach ein Tag übrig. Nach meiner Planung müssten wir so ankommen, dass wir vom Endort direkt den Bus nach Palma nehmen können, momentan haben wir aber noch einen Tag Zeit. Irgendwann fällt es mir wie Schuppen von den Augen! Dadurch das wir heute so lange gelaufen sind, sind wir mittlerweile nicht mehr auf der 5.Etappe des GR221, sondern auf der 6. Wir haben einfach aus zwei Etappen eine gemacht und ich muss mich nicht mehr wundern, warum ich so K.O. bin!

Ein paar Fakten zur 5.Etappe des GR221

Kilometer: Bis Sóller sind es von Déia aus 11,8 Kilometer. Wenn du über Port de Sóller laufen willst, musst du 18,3 Kilometer einplanen. Dieser Weg lässt sich aber sehr gut einteilen und man schläft im wunderschönen Refugi de Muleta. Alternativ kann man am nächsten Tag auch die historische Straßenbahn nach Sóller nehmen. Von Sóller zum Cuber Stausee sind es dann nochmal 19,7 Kilometer. Der Weg ist auf diesen Abschnitten des GR221 sehr gut ausgeschildert.

Höhenmeter: Von Déia aus geht es nochmal ein kleines Stück bergauf, ehe man auf knapp 50 Meter über dem Meeresspiegel hinab geht. Port de Sóller befindet sich logischerweise nur knapp über dem Meeresspiegel. Von Sóller zum Cuber Stausee 1035 Meter hoch und 550 Meter wieder runter.

Orientierung: Auf der 5.Etappe des GR221 findet man eine komplette Beschilderung des Weges. Zusätzlich hatten wir immer GPS, die Karte von Map.Solutions* und den Wanderführer aus dem Conrad Stein Verlag*. Damit hat die Navigation wunderbar funktioniert.

Übernachtung: Rund um Déia und Sóller gibt es zahlreiche Möglichkeiten zum Übernachten. Für Port de Sóller hatte ich bereit das Refugi de Muleta erwähnt. Direkt am Cuber Stausee liegt das Refugi Tossals Verds.

Du kennst noch nicht alle Teile?

6 Kommentare

  1. WOW, wahnsinnig schöne Fotos. Ich war schon lange nicht mehr so richtig auf Mallorca. Das Hinterland ist einfach genial.

    • lieschenradieschen

      Liebe Mel,

      vielen lieben Dank dir! Das kann ich so nur bestätigen. Ich würde so gerne wieder zurück.

  2. Bisher erwandere ich mir “nur” meine Heimat, aber irgendwann möchte ich mich auch mal an eine mehrtägige Tour wagen. Mein Freund liegt mir schon länger mit Mallorca in den Ohren und deine Fotos und Texte zu diesem Weg sind viel versprechend und machen richtig Lust darauf tatsächlich los zu stiefeln!

    • lieschenradieschen

      Wie schön, es würde mich sehr freuen, wenn ich euch dazu motivieren kann 🙂 liebe Grüße, Lynn

  3. Pingback: 6.Etappe des GR221: Von Rosmarin, Schafen und einem Abschied

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